Formel 1: Die Autos der Topteams im Vergleich

Formel 1: Topautos 2018 im Vergleich

Ferrari hat die schlankste Taille

Die drei Topteams haben ihre Autos für die Saison 2018 präsentiert. Sie unterscheiden sich durchaus stark voneinander. Alle Technikdetails, alle Bilder.
Ferrari zeigt sich ungewohnt innovativ. Selbst historisch hatte Ferrari nie die großen Trends gesetzt. Der Ground-Effect war eine Erfindung von Lotus. Das Kohlefaserchassis hat McLaren salonfähig gemacht, die aktive Radaufhängung Williams, den Turbomotor Renault. Aber das hat sich geändert. Die Entscheidung, mit Mattia Binotto einen Technikchef zu berufen, der Motorenkonstruketur ist, war mutig. Genauso mutig arbeiten die Techniker unter dem Italiener mit Schweizer Wurzeln. Plötzlich sieht man am Ferrari innovative Ideen. 
Die Frontalansicht zeigt: Keine Taille ist so schlank wie die des Ferraris. Dank konsequenter Weiterentwicklung der Idee, die von der Scuderia 2017 uraufgeführt wurde: Mit Schleifen vor den Lufteinlässen wird man den Abmessungen, die das Reglement vorschreibt, gerecht. Aber sie erlauben die eigentlichen Seitenkästen weiter hinten anzubringen – und schneller zu verjüngen. Das schafft freie Flächen am Unterboden und beruhigt so den Luftfluss zum Heckflügel. Und es senkt den Luftwiderstand. 

Formel 1: Die Autos der Topteams im Vergleich

Der Red Bull ist am steilsten angestellt 

Red Bull ist diesem Trend gefolgt. Die Flügel vor den Seitenkästen sind ausgefeilt. Man sieht, dass Superhirn Adrian Newey hier viel Zeit investiert hat. Anders Mercedes. Die Silberpfeile verzichten auf den Trick. Überhaupt zeugt der Mercedes W09 von großem Selbstvertrauen. Die sichtbaren Änderungen halten sich in Grenzen. Nicht einmal der Radstand wurde verkürzt (obwohl Mercedes mit dem längsten Auto auf winkeligen Kursen damit Probleme hatte), das Auto hinten nur minimal angestellt. Technikchef James Allison: „Unseren Daten nach haben wir am meisten Abtrieb hinten, wenn die Bodenfreiheit kleiner ist.“ Red Bull ist in der Anstellung des Autos (vorn weniger Bodenfreiheit als hinten) nach wie vor am extremsten. Die Bullen haben die Idee ins Leben gerufen. 
Nochmal zurück zu den Seitenkästen. Alle drei Topteams haben die Lufteinlässe deutlich verkleinert – und länglicher gezogen. Ferrari scheint hier am extremsten gebaut zu haben. Und die Scuderia hat die Eingänge in verschiedene Kanäle unterteilt. Selbst der Rückspiegel ist in dieses Luft-Kanal-Fluss-System integriert.
Verschiedene Kanäle sind auch an der Airbox der Autos zu sehen. Mercedes hat damit im Vorjahr begonnen. Dieses Jahr kam ein vierter Kanal dazu. Nur Red Bull verzichtet auf verschiedene Schächte und setzt auf einen kreisrunden Lufteinlass über dem Cockpit
Viele Unterschiede in vielen Bereichen
Die Nasen der drei Topautos unterscheiden sich deutlich. Mercedes bleibt seiner Linie der schmalen Nase treu. Sie zeigt auch keinen Zapfen wie bei Ferrari und Red Bull. Red Bull hat im Zapfen wie schon im Vorjahr ein Loch eingebaut. Die Luft wird dort kanalisiert und über ein Loch weiter oben auf der Nase wieder rausgeleitet.
Im Heckbereich sieht der Ferrari ausgefeilter aus als Mercedes und Red Bull. Der Monkey Seat, ein Zusatz-Flügel vor dem Heckflügel, ist 2018 verboten. Mercedes und Ferrari bauen aber trotzdem auf einen Zusatzflügel unterhalb des Heckflügelblattes. Bei Mercedes ist es ein einfacher T-Flügel, bei Ferrari sieht er gebogener und aerodynamischer aus.

Formel 1: Die Technik-Tricks der F1-Autos 2018

Ferrari hat den Halo rot gefärbt

Die Radaufhängungen sind beim Ferrari SF71H dagegen eher konservativ. Hier hat Red Bull die interessantere Varianten: Die Querlenker sind gebogen, wachsen teilweise abgeknickt aus dem Chassis heraus. Bei Mercedes ist das in Ansätzen zu sehen. Die Silberpfeile haben verstärkte Querlenker. 
Fazit: Alle drei Modelle sind Evolutionen des Vorjahresautos. Denn eigentlich funktionierten alle Flitzer sehr gut. Der Mercedes war das schnellste Auto, hatte aber die größten Schwankungen. Ferrari war am konstantesten, aber unzuverlässig und nicht ganz so schnell wie Mercedes. Und Red Bull war am Ende der Saison 2017 voll bei der Musik. Hier stimmte zu Beginn des Jahres weder die Zuverlässigkeit des Renault-Triebwerks, noch die Korrelation der Daten aus dem Windkanal. 
Mitentscheidend dürften auch die Änderungen unter der Haube sein. Die Motorenabteilungen von Ferrari und Renault geben sich zuversichtlich, einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht zu haben. Mercedes hat aber einen komplett neuen Motor entwickelt! Der soll nochmal einen deutlichen Leistungsschub bringen...

Autoren: Michael Zeitler, Alexander Warneke

Fotos: Picture-alliance

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