Porsche stockt VW-Anteil auf

Porsche stockt VW-Anteil auf

Porsche stockt VW-Anteil auf

— 26.03.2007

"Übernahme aktuell nicht das Ziel"

Porsche erhöht seinen Anteil an Volkswagen auf über 30 Prozent – für rund eine Milliarde Euro. Wendelin Wiedeking im Interview.

Porsche stockt seinen Anteil an den Stammaktien von Volkswagen auf 30,9 Prozent auf. Das wird den Sportwagenbauer knapp eine Milliarde Euro kosten. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will mit der Stärkung des Einflusses nach eigener Aussage vor allem eine Zerschlagung von VW durch Hedgefonds verhindern. Trotz eines Pflichtangebotes an die anderen VW-Aktionäre strebt Porsche vorerst keine vollständige Übernahme des Wolfsburger Konzerns an.

Laut Aktienrecht musste Porsche mit der Übernahme der Kontrolle allen anderen VW-Aktionären ein Pflichtangebot machen. Die Offerte vom Wochenende (24./25. März 2007) liegt mit knapp 101 Euro pro VW-Stammaktie allerdings deutlich unter dem Schlusskurs vom 23. März: Dieser lag bei mehr als 117 Euro. Porsche rechnet daher nicht damit, dass viele Anteilseigner das Angebot annehmen werden und Porsche so zum Mehrheitseigentümer würde. Wiedeking betonte, eine Übernahme sei derzeit nicht geplant.

Hintergrund der Aufstockung der Anteile ist laut Porsche der erwartete Fall des VW-Gesetzes, das die Stimmrechte eines Aktionärs unabhängig von seinem Anteil auf 20 Prozent begrenzt. Nach dem Wegfall des Gesetzes hätten Porsche und Niedersachsen zusammen einen Anteil von mehr als 50 Prozent an den Stimmrechten und könnten damit Übernahmeversuche abwehren. Zugleich stärkt Porsche mit höheren Anteil seine Position gegenüber Niedersachsen, dem zweitgrößten VW-Aktionär.

BILD-Interview mit Wendelin Wiedeking

Porsche-Chef Wiedeking: "Eine VW-Übernahme verfolgen wir aktuell nicht. Wir halten uns alle Optionen offen."

Von Oliver Santen Seit 15 Jahren steht Wendelin Wiedeking (54) an der Porsche-Spitze. Der Vater von zwei Kindern machte den Konzern zum profitabelsten Autobauer der Welt.

BILD: Herr Wiedeking, warum wollen Sie Europas größten Autokonzern Volkswagen schlucken? Wiedeking: Langsam, langsam. Dieses Ziel verfolgen wir aktuell nicht. Mit dem Erwerb weiterer Aktien halten wir uns zunächst einmal alle Optionen für die Zukunft offen. Wir können jetzt noch schneller reagieren, falls Hedgefonds bei VW einsteigen wollen. Richtig ist aber auch, dass Porsche damit seine Rolle als stärkster Aktionär bei VW unterstreicht.

Warum wollen Sie mehr Macht bei VW? Ganz einfach: Wir sichern damit unser Geschäftsmodell. Porsche arbeitet schon seit Jahren sehr eng mit VW zusammen. Wenn Hedgefonds den VW-Konzern in seine Einzelteile aufteilen und an die Börse bringen würden, könnten wir unseren wichtigsten Partner verlieren. Eine solche Zerschlagung dürfen wir nicht zulassen. Deshalb haben wir gehandelt.

Welche Vorteile bringt das für Porsche und für VW? Eine ganze Menge! Bei unseren Geländewagen, dem Cayenne von Porsche und dem Touareg von VW, haben wir uns die Entwicklungskosten geteilt. Zusammen mit VW und Audi entwickeln wir aktuell einen Hybridmotor. VW wird ab 2009 die lackierten Karosserien für unser neues Modell, den Panamera, liefern. Damit sichern wir Arbeitsplätze bei VW.

Wenn alle VW-Aktionäre Ihr Angebot annehmen, bräuchten Sie 35 Milliarden Euro. Wo soll diese riesige Summe herkommen? Wir sind vom Gesetz her verpflichtet, für diesen Fall die Finanzierung sicherzustellen. Wir haben entsprechende Kreditverträge mit fünf namhaften Banken abgeschlossen. Wir gehen aber davon aus, dass wir diese Summe nicht in Anspruch nehmen müssen.

Wird VW weiter VW heißen? Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Was werden Sie bei VW ändern? Stehen Sie zum Vorstand und zur Strategie? VW hat sich im vergangenen Jahr hervorragend entwickelt. Und die Kollegen in Wolfsburg wissen sehr genau, wie sie sich weiter verbessern können. Porsche bringt sich über den Aufsichtsrat ein. Wir beraten und helfen. Gemeinsam haben wir aber ein Ziel: VW soll besser werden als Toyota. Und ich bin sicher, dass VW das auch schaffen wird.

Müssen sich die VW-Mitarbeiter Sorgen machen, dass noch mehr Jobs abgebaut werden? Keine Frage, es gibt noch Hausaufgaben zu erledigen. Aber der VW-Vorstand wird alles dafür tun, damit die Werke noch stärker ausgelastet werden. Ich glaube nicht, dass sich die Kolleginnen und Kollegen in den VW-Werken in Zukunft über zu wenig Arbeit beschweren werden.

Thema Klimaschutz: Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil die schweren und schnellen Porsches die Umwelt verschmutzen? Nein, überhaupt nicht. Denn nicht nur Porsche, auch BMW, Mercedes und VW haben in den letzten Jahren den Schadstoffausstoß mit modernster Technik deutlich gesenkt. Porsche allein wird bis 2012 noch einmal 20 Prozent besser werden. Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken, auch nicht vor der japanischen Konkurrenz.

Die Politik brandmarkt die großen Autos trotzdem als Klimakiller. Ich finde das unerträglich. Die Umweltdebatte wird von einigen EU-Politikern gezielt missbraucht, um die deutschen Premium-Hersteller zu schädigen. Für mich ist das schon ein Wirtschaftskrieg. Knallharte Forderungen kommen vor allem aus Ländern, die gar keine Autos bauen. Ich finde es deshalb sehr gut, dass uns Bundeskanzlerin Merkel unterstützt.

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