07er-Nummernschild

07er-Nummer

07er-Nummernschild

— 12.09.2002

Rot in Not?

Mahnende Worte vom Oldie-Verband – und die Szene munkelt: 07 kippt. AUTO BILD hat nachgeforscht.

Gelbe Karte aus Frankfurt

Wir kennen die Typen: Sie schleichen über den Uni-Parkplatz, parken vorm Supermarkt oder vor der Szene-Kneipe und besteigen ihren gammeligen Sechsthand-Granada, an dessen Heck unter dem "Atomkraft – nein danke"-Aufkleber die rote 07er-Nummer steckt. Mal sind es zusammengeflickte Hubraum-Riesen, mal einstige Volumenmodelle, die nur noch der Rost zusammenhält. Alle um die 20 Jahre alt, Youngtimer sind’s theoretisch ja, aber praktisch nur Schrott.

Dennoch haben es ihre Besitzer irgendwie geschafft, ihrem schwarzen Schaf eine leuchtende Rotnummer zu verpassen. Und genau diese (wenigen) Steuersparmodelle waren es, die im Frühjahr des Jahres den Frankfurter Bundesverband Deutscher Motorveteranen-Clubs (DEUVET) zu einer Pressemitteilung veranlassten: "Die roten 07er-Nummern sind für Sammler-Fahrzeuge gedacht. Eine missbräuchliche Nutzung im Alltags-Betrieb durch einige wenige bringt diese für uns so wichtige Sonderregelung in Gefahr."

Mahnende Worte an spezielle Adressen. Doch ihre Wirkung erfasste die gesamte Sammler-Szene. Beschleuniger dafür war die DEUVET-"Typologie" der möglichen 07-Killer – vom Sparer bis zum Spinner. Sie wurde von fast allen Fachmagazinen nachgedruckt und führte auch bei AUTO BILD zur geheimnisumwobenen Information aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen: 07 könnte kippen! Also forschten wir nach.

Schummler aus Stuttgart

Erster Schritt: Anruf ganz oben, im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. "Das ist Ländersache." Aha. Zweiter Schritt: Recherche im gemütlichen Land Hessen. Von dort kommt weniger als nichts. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme und Gesprächen mit den Mitarbeitern im Verkehrsministerium ernten wir nur Schweigen. "07 in Gefahr?" Keine Ahnung, kein Interesse, keine Antworten.

Kooperativer die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen. In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Oldie-Clubs, so viele Klassiker. Hieße, dass im Verhältnis hier besonders viele schwarze Schafe unterwegs sein müssten. Oder eben auch nicht. "Auf Landesebene ist uns nichts bekannt", so Angelika Flader vom NRW-Innenministerium, "die Polizeipräsidien wissen vielleicht mehr, dort wird solch ein Missbrauch ja festgestellt." Aber auch dort "keine Anzeige in den Akten", informiert Gerd Spliedt vom Präsidium Düsseldorf.

Wir fragen weiter im Süden. Aus Stuttgart, so war zu hören, seien fünf Prozent Missbrauch gemeldet und ein Antrag zur Abschaffung der 07er-Nummer gestellt. "Alles erfunden. Wir haben nie eine Untersuchung gemacht. Keine Ahnung, wer das verbreitet hat", macht Ingeborg Zorn vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg deutlich. Und: "Wie soll man das denn prüfen?" Außerdem hätten die Kollegen von der Polizei Wichtigeres zu tun, etwa Lenkzeiten bei Lastwagenfahrern zu kontrollieren. Und sollte es so sein, würden sich schließlich die Oldie-Fahrer selbst schaden. "Was ich nicht glauben kann, wir erfreuen uns doch alle an alten Autos."

Die Sympathie-Lage ist also geklärt, der Rest nur heiße Luft? Zurück nach Frankfurt, wo alles begann. "Natürlich bleiben es Einzelfälle, aber wir müssen aufpassen und an die Fahrer appellieren. Sonst ist es mit den roten Nummern tatsächlich vorbei", mahnt unverzagt DEUVET-Präsident Peter Krause. Und genau das ist auch sein Job.

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