In Wetzlar fährt ein 100-jähriger Autofahrer eine 88-jähriger Frau und verletzt sie tödlich

100-Jähriger überfährt 88-Jährige

Eine Frage des Alters?

Ein 100 Jahre alter Autofahrer hat eine 88-jährige Frau angefahren und tödlich verletzt. Sofort entflammte eine Diskussion über die Fahrtauglichkeit älterer Menschen.
(dpa) Ein 100 Jahre alter Autofahrer hat in Hessen eine 88-jährige Fußgängerin angefahren und sie dabei tödlich verletzt. Wie die Polizei in Gießen berichtete, war die Frau in Wetzlar hinter einem Bus auf die Straße gelaufen, wo sie dann von dem Wagen des 100-Jährigen erfasst wurde. Sie kam mit schwersten Verletzungen nach Gießen in die Uni-Klinik. Die Ärzte kämpften jedoch vergeblich um ihr Leben. Der 100-jährige Autofahrer musste seinen Führerschein bei der Polizei abgeben. Einen Zusammenhang mit eingenommenen Medikamenten schloss die Polizei nicht aus.

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Trotz des schweren Unfalls will das Bundesverkehrsministerium für Senioren am Steuer weiterhin keine Gesundheitsuntersuchung ab einem bestimmten Alter vorschreiben. "Fahrtauglichkeit ist keine Frage des Alters, sondern des Gesundheitszustandes", sagte ein Sprecher heute (16. November 2012) in Berlin. Er warb zugleich für freiwillige Checks, mit denen sich Autofahrer bei Hausärzten untersuchen lassen könnten.

Schwere Unfälle mit Senioren

Dezember 2009:

Ein 82-jähriger Autofahrer fährt auf einem Rastplatz bei Bokel (Niedersachsen) an der A1 über einen Gehweg durch eine Scheibe in ein Restaurant. Dabei verletzt er vier Menschen. Der Rentner verwechselte laut Polizei das Gas- mit dem Bremspedal.

Mai 2010

Ein 75-jähriger Rentner fährt beim Ausparken am Hamburger Hauptbahnhof ungebremst in eine Personengruppe. Ein vierjähriger Jungen stirbt, seine Mutter und sein Onkel werden schwer verletzt.

August 2010

Ein 87-Jähriger verwechselt auf einem Parkdeck in Isny (Baden-Württemberg) Bremse und Gaspedal. Das Auto durchbricht die Umrandung und stürzt gegen die Außenwand eines angrenzenden Supermarktes. Der Senior bleibt unverletzt.

März 2011

Ein 79-Jähriger fährt im baden-württembergischen Alb-Donau-Kreis falsch herum auf die A8. Nach einem ersten Zusammenstoß fährt er weiter, bei einem zweiten Unfall stirbt er.

September 2011

Ein 81-Jähriger verursacht als Geisterfahrer auf der A14 von Leipzig nach Dresden einen schweren Unfall, bei dem drei Menschen sterben.

Juli 2012

Eine 91 Jahre alte Fahrerin verwechselt bei ihrem Automatikwagen die Pedale und landet in Rottach-Egern (Oberbayern) im Tegernsee. Ein 87-Jähriger Insasse stirbt in dem versunkenen Auto.

September 2012

Eine 80 Jahre alte Fahrerin verliert an einer belebten Kreuzung in Wuppertal die Kontrolle über ihr Auto, prallt gegen eine Hauswand, fährt über den Bürgersteig, erfasst Passanten und kracht in einen anderen Wagen. Zwölf Menschen werden verletzt.

September 2012

Ein 82-Jähriger verletzt mit seinem Wagen an einer Tankstelle in Maikammer (Pfalz) einen Radfahrer und einen Fußgänger. Von der Zapfsäule war der Wagen plötzlich nach vorn geschossen und gegen das Tankstellengebäude gekracht. Laut Polizei hatte der Rentner Gaspedal und Bremse verwechselt.

Oktober 2012

Bei einem Zusammenstoß mit einem Bus stirbt bei Bad Doberan (Mecklenburg-Vorpommern) ein 85 Jahre alter Autofahrer. Nach Polizeiangaben hatte der Rentner die Vorfahrt des Busses missachtet, der direkt in die Seite des Autos fuhr.

November 2012

Bei Willstätt (Baden-Württemberg) sterben ein 82 Jahre alter Autofahrer und eine 80-jährige Frau. Das Auto des Mannes war aus ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit einem anderen Auto kollidierte. Nur anderthalb Stunden zuvor geriet im nahen Wolfach ein 85-Jähriger mit seinem Auto in den Gegenverkehr und fuhr frontal in einen Transporter. Für seine 80 Jahre alte Beifahrerin kam jede Hilfe zu spät.

Novermber 2012

Im hessischen Wetzlar fährt ein 100-Jähriger mit seinem Auto eine 88 Jahre alte Frau an und verletzt sie dabei tödlich. Sie war zuvor aus einem Bus ausgestiegen und hinter diesem auf die Fahrbahn gelaufen. (Quelle: dpa)

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Auch der Auto Club Europa (ACE) warnt vor überzogenen Reaktionen auf den Unfall in Wetzlar: Ältere Autofahrer fahren nach Expertenansicht besser als viele meinen. Bei vielen Unfällen sei nicht das Alter das Problem, sondern das Verhalten der Fahrer, sagte Rainer Hillgärtner vom ACE. "Man kann nicht sagen, der typische Geisterfahrer ist ein seniler Alter", sagte der ACE-Sprecher. Auch junge Fahrer seien unaufmerksam. Hillgärtner hält Führerscheinabgaben ab einem bestimmten Alter nicht für sinnvoll. Wichtiger sei der Einsatz von unfallverhindernden Fahrhilfen, wie etwa Fahrspurassistenten. Zudem sollten Ärzte und Angehörige älterer Autofahrer auf eine mögliche eingeschränkte Fahrfähigkeit hinweisen und das Thema nicht tabuisieren. "Auch die Familie ist gefordert", sagte Hillgärtner. Mit dem demografischen Wandel würden immer mehr ältere und weibliche Fahrer am Steuer sitzen, so der ACE-Sprecher. "Der Verkehr legt sich in Falten." Dadurch werde der Verkehr in Zukunft möglicherweise auch langsamer.

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