100-Jähriger überfährt 88-Jährige

— 16.11.2012

Eine Frage des Alters?

Ein 100 Jahre alter Autofahrer hat eine 88-jährige Frau angefahren und tödlich verletzt. Sofort entflammte eine Diskussion über die Fahrtauglichkeit älterer Menschen.



(dpa) Ein 100 Jahre alter Autofahrer hat in Hessen eine 88-jährige Fußgängerin angefahren und sie dabei tödlich verletzt. Wie die Polizei in Gießen berichtete, war die Frau in Wetzlar hinter einem Bus auf die Straße gelaufen, wo sie dann von dem Wagen des 100-Jährigen erfasst wurde. Sie kam mit schwersten Verletzungen nach Gießen in die Uni-Klinik. Die Ärzte kämpften jedoch vergeblich um ihr Leben. Der 100-jährige Autofahrer musste seinen Führerschein bei der Polizei abgeben. Einen Zusammenhang mit eingenommenen Medikamenten schloss die Polizei nicht aus.

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Trotz des schweren Unfalls will das Bundesverkehrsministerium für Senioren am Steuer weiterhin keine Gesundheitsuntersuchung ab einem bestimmten Alter vorschreiben. "Fahrtauglichkeit ist keine Frage des Alters, sondern des Gesundheitszustandes", sagte ein Sprecher heute (16. November 2012) in Berlin. Er warb zugleich für freiwillige Checks, mit denen sich Autofahrer bei Hausärzten untersuchen lassen könnten.

Schwere Unfälle mit Senioren

Dezember 2009:
Ein 82-jähriger Autofahrer fährt auf einem Rastplatz bei Bokel (Niedersachsen) an der A1 über einen Gehweg durch eine Scheibe in ein Restaurant. Dabei verletzt er vier Menschen. Der Rentner verwechselte laut Polizei das Gas- mit dem Bremspedal.

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Auch der Auto Club Europa (ACE) warnt vor überzogenen Reaktionen auf den Unfall in Wetzlar: Ältere Autofahrer fahren nach Expertenansicht besser als viele meinen. Bei vielen Unfällen sei nicht das Alter das Problem, sondern das Verhalten der Fahrer, sagte Rainer Hillgärtner vom ACE. "Man kann nicht sagen, der typische Geisterfahrer ist ein seniler Alter", sagte der ACE-Sprecher. Auch junge Fahrer seien unaufmerksam. Hillgärtner hält Führerscheinabgaben ab einem bestimmten Alter nicht für sinnvoll. Wichtiger sei der Einsatz von unfallverhindernden Fahrhilfen, wie etwa Fahrspurassistenten. Zudem sollten Ärzte und Angehörige älterer Autofahrer auf eine mögliche eingeschränkte Fahrfähigkeit hinweisen und das Thema nicht tabuisieren. "Auch die Familie ist gefordert", sagte Hillgärtner. Mit dem demografischen Wandel würden immer mehr ältere und weibliche Fahrer am Steuer sitzen, so der ACE-Sprecher. "Der Verkehr legt sich in Falten." Dadurch werde der Verkehr in Zukunft möglicherweise auch langsamer.

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