100 Jahre Karmann

100 Jahre Karmann 100 Jahre Karmann

100 Jahre Karmann

— 18.02.2002

Kutschen, Karossen, Cabrios

100 Jahre Auto-Mode aus Osnabrück. Karosserieschneider Karmann feiert Geburtstag. Und macht sich selbst das schönste Geschenk.

Schicke Coupés, traumhafte Cabrios

Sommer 2000: Barfuß und mit aufgekrempelten Hosen stapfen acht Männer den Strand der Nordseeinsel Wangerooge entlang. Sie sammeln Muscheln, stochern im Treibgut, malen merkwürdige Striche in den nassen Sand. Und diskutieren.

Ein Jahr später: Jörg Steuernagel, Designchef bei Karmann, präsentiert seinen jüngsten Entwurf: den Transformer, ein hübsches viersitziges Cabrio mit genialem Verdeckmechanismus. "Die Idee für eine platzsparende Mixtur aus Soft- und Hardtop ist beim Wangerooge-Workshop gekommen", sagt Steuernagel. "Die Insel ist ruhig und vor allem autofrei. Idealbedingungen für Entwickler und Designer."

Abschalten, quer denken, herumspinnen. Der konservative Traditionsbetrieb lässt seinen kreativen Köpfen Luft zum Atmen. Betriebsblindheit können sich die Karmänner am allerwenigsten leisten. Gilt es doch, die Bosse der Industrie mit originellen Einfällen zu überzeugen. Sonst kommen keine Aufträge.

Karmann - das sind 100 Jahre deutsche Automobilgeschichte. Das sind schicke Coupés und traumhafte Cabriolets. Das sind drei Millionen produzierte Autos seit 1945. Und das ist vor allem ein Modell, das den Namen der Osnabrücker bis heute glänzen lässt: der Karmann-Ghia.

Welt-Erfolge: Käfer Cabrio und Karmann Ghia

Es beginnt im August 1901. Der 30-jährige Stellmacher Wilhelm Karmann kauft die Osnabrücker Kutschenfabrik Klages. Bereits ein Jahr später liefert er Karosserien für den aufstrebenden Autohersteller Dürkopp. Dank wachsender Motorisierung erlebt Karmann in den 20er- und 30er Jahren einen rasanten Aufstieg. Marken wie Opel, Hansa-Lloyd, Citroën, Studebaker, Buick, Fiat und Packard lassen in Osnabrück fertigen.

Die Frankfurter Adler-Werke und Hanomag aus Hannover bringen 1932 erste Großaufträge. Das Adler Standard 8 Sportcabriolet geht als Kunstwerk in die Autogeschichte ein. Bauhaus-Gründer Walter Gropius hat es entworfen. Im Zweiten Weltkrieg produziert das Karmann-Werk Rüstungsgüter und wird durch Bombenangriffe beschädigt. Nach 1945 kommt der Betrieb nur langsam in Fahrt. Schuhanzieher, Essbestecke und Schubkarren verlassen die Produktionshallen. Immerhin: 1947 bestellt Ford hölzerne Ladepritschen und Kastenaufbauten für seine Lastwagen "Rhein" und "Ruhr".

Den Durchbruch bringt das Käfer Cabrio. Ungefragt stellen die Osnabrücker Karosserieschneider den Wagen auf die Räder und zeigen ihn VW-Generaldirektor Heinrich Nordhoff. Der ordert 25 Testexemplare und scheucht sie im Frühjahr 1949 durch Harz und Lüneburger Heide. Resultat: Bis Januar 1980 krabbeln 331.847 offene Käfer vom Karmann-Band.

Meistverkauftes Modell: VW Scirocco

Auch der Ghia kommt auf Eigeninitiative zustande. Wilhelm Karmann II, Sohn des Firmengründers, lässt den italienischen Designer Luigi Segre ein flaches Coupé auf Käfer-Basis zeichnen. Nordhoff fährt sofort auf die hinreißende Form ab und erteilt noch am Tag der Präsentation (16. 11. 1953) den Segen für eine Serienfertigung.

Zwischen 1955 und 1974 verlassen 443.478 Ghia Coupé und Cabrio das Werk. Der Ghia-Nachfolger, ein Giugiaro-Entwurf, wird ebenfalls eine klassische Schönheit - und nebenher meistverkaufter Karmann aller Zeiten: 504.153 VW Scirocco I laufen zwischen 1974 und 1981 vom Band.

Heute gilt Karmann als hochqualifizierter Zulieferer, der im Herstellerauftrag ganze Autos oder Komponenten entwickelt und baut. Beispiele: Dach Mercedes SLK, Verdeck und Karosserieteile Jaguar XK Cabriolet, Fertigungsanlagen Volvo C70 Cabrio, Konstruktion Mercedes Vaneo, Entwicklung VW New Beetle Cabrio.

Fehlt eigentlich nur das Karmann-Wappen im Grill eines modernen Ghia. Das wäre ein Geburtstagsgeschenk. Nicht wahr, Herr Piëch?

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