100.000 Kilometer im Smart

100.000 Kilometer im Smart 100.000 Kilometer im Smart

100.000 Kilometer im Smart

— 23.03.2002

Der Marathon-Mann

100.000 Kilometer in zwei Jahren. Nichts Besonderes? Und ob! Denn Grégoire Bergman spulte sie im Smart ab.

Straßburg, morgens um sechs. Bei Grégoire Bergman klingelt das Telefon: Einsatzbefehl. Dann geht alles ganz fix. Kaltstart, Vollgas, Höchstdrehzahl. Kleinste Verkehrslücken, gemeine Tempolimits, dunkelgelbe Ampeln - egal. Runterschalten, Augen zu und durch. Gut, dass der frische Franzose von der furchtlosen Fraktion ist. Denn beim Job als Blutkonserven-Kurier können Minuten, ja Sekunden entscheiden. Und die Zuverlässigkeit des Transportmittels. "Kein Taxifahrer, kein Außendienstler muss seinem Mobil so vertrauen können wie ich", gibt er zu bedenken. Klar, ein geplatzter Termin ist eben kein Menschenleben. Gut so weit. Aber was macht die Dramatik dieser Geschichte aus? Sicherlich nicht Grégoires Gefährt an sich, ein Smart mit braven 45 PS.

Täglich im Dauereinsatz

Unglaublich! Tachostand bei 99.823 Kilometern - und das bei einem Stadt-Winzling.

Erst die Laufleistung der schwarz-gelben Knallerbse lässt die Augenbrauen hochzucken: 99.823 Kilometer hat der rasende Plasma-Zusteller seit dem 15. April 1999 mit ihr abgespult. Ein Viertel Stadtverkehr in der Elsass-Metropole, zehn Prozent Autobahn, der Rest Landstraße, überschlägt der 22-Jährige das Einsatzgebiet seines smarten Arbeitsplatzes. Ach ja, dazu der Korsika-Urlaub mit Freundin Coralyne. Pflege? "Rien" – nichts. Nur die Serviceintervalle einigermaßen eingehalten. Das zugestempelte Wartungsheft einerseits, die übel verkratzten Hartplastik-Verkleidungen im Innenraum und die Blessuren im Front- und Heckbereich andererseits beweisen das.

Zweieinhalb mal um die Erde

Wir fragen Grégoire nach dem Ärger, den er bei seinem Zwerg in den letzten Jahren verzeichnete. Und hören einen Vortrag, der knapper nicht sein könnte. Gleich zu Beginn den oberen Anschlag des Fahrertür-Fensters justiert, bei Kilometer 53.993 die Handbremse nachgestellt, Handbremshebel und Batterie der Fernentriegelung bei Zählstand 70.669 ausgewechselt. Ach ja, zuletzt noch eine Glühlampe getauscht. Und der Ölverbrauch: messbar seit Kilometer 70.000, inzwischen etwa 0,7 Liter auf 1000. Viel, aber wohl üblich. Das war es. Wirklich? Er blättert in den Rechnungen, überlegt kurz, nickt: "Oui, c'est tout." Ja, das ist alles. Absolut glaubwürdig. Und dennoch unglaublich.

Wir sehen uns das stark strapazierte Stück genauer an. Mit dabei: Wolfgang Steiner, Kfz-Sachverständiger der Prüforganisation GTÜ in Baden-Baden. Ein Mann, dessen täglich Brot die Untersuchung und Bewertung automobiler Güter aller Art ist. Steiner dreht die drei Zündkerzen heraus, zückt sein Endoskop, peilt in die Brennräume: Ventile wie neu, seitlich nichts als unverletzte Honspuren. Absolut intakte Zylinderlaufbahnen also. Auch beim Probelauf brabbelt der winzige Reihendreier ohne Tadel, kein Geklöter oder Gerassel stört die Musik der Mechanik.

Gutachter-Urteil: "Erstaunlich solide"

Der Marathon-Mann heißt Grégoire Bergmann und ist Blutkonserven-Kurier.

Die Hebebühne summt nach oben, der Gutachter beäugt die Unterseite des Smart. Befund: minimales Radlagerspiel vorn, Bremsscheiben demnächst fällig. Überall noch einmal wackeln, zerren, rütteln - nicht gerade wie gestern vom Band gelaufen, aber alles ohne erkennbaren Verschleiß. Sogar die gesamte Lenk-Mimik zeigt sich unbeeindruckt vom zweijährigen Kilometer-Fressen. Zurück im Obergeschoss, inspiziert Steiner die äußeren und inneren Teile, die eigentlich Spuren der Tortur tragen müssten. Türgriffe und -scharniere, Polster, Schaltung, Dichtungen - klasse. Sein Resümee: "Alles wirklich erstaunlich solide. Ohne Blick auf den Tachostand hätte ich den Kleinen vielleicht auf 30.000, maximal 40.000 Kilometer geschätzt."

"Je le sais", murmelt Grégoire mit den Händen in den Hosentaschen. Sinngemäß: Habe ich doch gleich gesagt, ihr Haarspalter. Dann springt er in seinen neuen Smart und gibt - natürlich - Vollgas. Wir bleiben zurück, und mit uns sein Altwagen, dessen Leasingvertrag gerade abgelaufen ist. Nächste Woche geht er nach Kreta, für den Preis von 7300 Mark. "Nicht ein ernsthafter Defekt nach 50.000 Kilometern", lautete auch die Smart-Dauertest-Bilanz von AUTO BILD. Jetzt, in Straßburg und anhand der doppelten Laufleistung, bestätigt sich die Qualität des knubbeligen Defekt-Verweigerers: Smart, aber hart.

Smart in Fahrt: unsere Eindrücke

100.000 Kilometer - verdammt viel für einen Verkehrsraum-Geizer, der fürs City-Gewusel konzipiert ist. Kaum Gepäckraum, Vmax 130, Komfort wie ein doppelachsiger Wohnwagen. Eckdaten, die auch unseren Dauertest-Smart zu 15 Monaten Kommunaldienst verdonnerten. Mit perfektem Resultat. Heute, knapp ein Jahr später, haben manche Smart sechsstellige Laufleistungen absolviert. Wir wollen wissen, wie sich so ein Langläufer anfühlt.

Also Gang rein und los. Nervig: die langen Schaltpausen. Neuere Smart machen es besser, wechseln die Gänge in 0,4 statt 0,8 Sekunden. Wir werfen den Mini um engste Kurven, drehen das Motörchen an den Begrenzer. Eindruck: tadellos. Kopfsteinpflaster. Hier müsste es im Gebälk krachen. Doch alles bleibt ruhig - bis auf die bekannt labile Heckscheibe. Teppiche, Sitze, Dichtungen: neuwertig. Der Rundgang bestätigt das hohe Niveau: Spaltmaße perfekt, Türmechanik ohne Altersgebrechen. Nur der hohe Ölverbrauch stößt sauer auf.

Smarte Langstrecken-Erfahrungen

Vielfahrer-Erfahrungen der AUTO BILD-Leser "Als deutschlandweit größter Pizza-Service konnten wir seit Sommer 1998 mit über 180 Smart Erfahrungen sammeln. Bei sechs CDI- Modellen traten Motorschäden auf, jeweils bei etwa 60.000 Kilometern. In fünf Fällen gab es Kulanz. Die Konsequenz: Statt wie früher bei rund 100.000 Kilometern mustern wir die Liefer-Wagen inzwischen früher aus. Allerdings steht fest: Unsere Boten gehen brutal mit den Autos um, und außer Kleinigkeiten registrierten wir keine typischen Schäden." Friedrich Niemax, Hamburg, Einkäufer Joey's Pizza Service.

"Absolut keine Mängel - bis auf ein paar kaputte Glühlampen. Ölverbrauch? Nicht im messbaren Bereich." Marco Kitzler, Hückelhoven, Smart 55 PS von Dezember 98, bisher 120.000 km.

"Seit Kilometerstand 30.000 stelle ich zunehmenden Ölverbrauch fest. Bei 64.000 Kilometern folgte ein Kolbenschaden, der mich fast 5700 Mark kostete. Ansonsten: problemloses Auto." Wolfram Nägele, Gundelfingen, Smart 55 PS von Januar 99, bisher 90.000 km.

"Außer Glühlampen nichts gewesen. Meine Fahrweise: zwar zügig, aber nie Vollgas." Dieter Lochmann, Köln, Smart CDI von Februar 2000, bisher 115.000 km

"Mein Smart frisst seit Zählerstand 110.000 Öl, mit steigender Tendenz. Er braucht einen Liter auf 1000 km. Empfehlung meines Smart-Centers: ein Austausch- Aggregat. Außerdem geht die Kontrolllampe des Anti-Kipp-Programms "Trust plus" unvermittelt an, der Motor fällt dann in den Leerlauf. Auch hier ist die Werkstatt ratlos." Franz Bremen, Simmerath, Smart 45 PS von Januar 99, bisher 140.000 km.

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