100.000-km-Dauertest Ford Focus C-Max

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100.000-km-Dauertest Ford Focus C-Max

— 07.12.2006

Für Familien mit Sportgeist

100.000 Kilometer mit dem Ford C-Max. 657 Tage Dauerstress für einen Kompakt-Van, der anders sein will als all die anderen. Da bleiben Überraschungen nicht aus.

Kosten und Wertverlust

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nehmen wir nur den Wetterbericht, oder die Börsenkurse, oder, viel besser: Nehmen wir den Focus C-Max. Familienväter und Singles mit raumgreifenden Hobbys rieben sich gemeinsam die Hände, als der Kölner Kompakt-Van am 10. September 2004 zum Dauertest in Hamburg antrat. Schließlich rollte der 4,33 Meter lange Ford im Gesamtwert von 32.770 Euro (Stand Mai 2004) nicht nur mit umfangreicher Ausstattung auf den Hof, sondern auch mit einem wunderbar variablen Innenraum.

Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuße. Frei nach dem Motto: Freu Dich bloß nicht zu früh! Von wegen Familien-Van. Versuchen Sie mal, im C-Max mit Frau, zwei Kindern und dem notwendigen Gepäck zwei Wochen Skiurlaub in den Alpen zu machen. Oder, versuchen sie es besser nicht. Denn es geht nicht. Die Ford-Ingenieure haben es geschafft, auf einer Grundfläche von fast acht Quadratmetern ein doch eher begrenztes Raumangebot anzubieten. Zugegeben, als Fahrer sitzt du tadellos, auf festen Polstern und mit der Copilotin in Turtelreichweite. Auch das Cockpit gibt keinerlei Rätsel auf, könnte allerdings etwas feinere Materialien zur Schau tragen.

Verreisen mit der ganzen Familie? Da wird's im C-Max sehr eng.

Dennoch gilt für die Tour im Ford-Van: Eine halbwegs stabile Beziehung vorausgesetzt, stiftet selbst die gemeinsame Rom-Reise keinen Unfrieden. Reihe zwei erweist sich da schon als weniger perfekt. Die Idee mit dem wegklappbaren Mittelsitz und den nach innen/hinten verschiebbaren Außenplätzen ist im Prinzip nicht schlecht. Im Viersitzer-Modus bietet der C-Max fast schon das Raumgefühl einer Chauffeurs-Limousine. Leider muss der mittlere Sitz, auf dem die ungünstig platzierten Hebel der Lehnenmechanik den Gästen unfein in den Po pieken, dabei aber entweder ausgebaut werden, oder er raubt im Gepäckabteil wertvollen Raum. Und wie soll Papi seiner Familie, bitte schön, erklären, dass leider doch nur das halbe Urlaubsgepäck mitgenommen werden kann?

Grundsätzlich trägt der Van dieses Problem in der DNA seines Blechkleides. Keine Frage, der C-Max überzeugt mit sportlichem Schnitt und hebt sich wohltuend von der üblichen Pampersbomber-Optik ab. Designdirektor Chris Bird hat gute Arbeit geleistet, dabei aber ein wenig den Nutzwert vernachlässigt. Unterm schwungvollen Dach bleiben gerade mal 460 bis 1620 Liter Kofferraum – der kaum längere VW Touran schluckt da doch einige Koffer mehr (695-1989 Liter).

Elektronik-Defekte legten den C-Max anfänglich lahm

Klinisch tot nach 2776 Kilometern: Der C-Max musste auf den Abschleppwagen.

Bevor uns der C-Max überhaupt von irgendwelchen Qualitäten überzeugen konnte, stellte er sich einfach mal tot. Kein Klicken, kein Surren, kein gar nichts. Nicht mal Starthilfe wollte der Diesel-Van akzeptieren. So rollte der kölsche Jong schon nach 2776 Kilometern unter AUTO BILD-Regie auf dem Abschleppwagen in die nächste Ford-Werkstatt. Nach der Huckepack-Verlegung, die dank des Mobilitätsservices hervorragend funktionierte, schließlich die Diagnose: Kurzschluss am Hauptstromkabel. Kleine Ursache, große Wirkung. Nachdem eine neue Leitung verlegt, die Einmalsicherung getauscht war, schnurrte der Kompakt-Van wieder zufrieden und rund wie zuvor. Leider aber nur für kurze Zeit.

Kaum zwei Wochen und 1300 Kilometer später erschreckte der C-Max mit diversen Fehlfunktionen in der Elektrik-Abteilung. Die Zentralverriegelung stellte den Schließdienst ein, die Innenbeleuchtung streikte mit dem Blinker um die Wette, und weder Innen- noch Außentemperatur wurden angezeigt. Doch dafür brannte permanent die Motorkontrolllampe. In diesem Fall ein Werkstattfehler: Am Sicherungskasten war ein Kabel falsch gesteckt. Ein Flüchtigkeitsfehler, der sogar noch eine gute Seite zeigte, zumindest für uns als Nutzer des Autos.

Skurrile Defekte in der Anfangsphase trüben die Bilanz des Kölners.

Als auf Nachfrage die Funktion der Fahrersitzheizung kontrolliert wurde, wäre der Monteur vor Scham wahrscheinlich lieber im Erdboden versunken. Denn im Polster steckte zwar tatsächlich eine Heizmatte, das Kabel zum Anschluss derselben fehlte allerdings. Ein skurriler "Defekt", der mit einem neuen Sitz behoben wurde. Wäre es nicht so traurig, man hätte darüber schmunzeln können. Was, bitte, ist denn da bei der Endkontrolle schiefgelaufen? Erklären konnte uns diesen Fauxpas niemand so richtig.

Irgendwie lustig auch die Nummer mit der Uhr. Weil sich der Zeitmesser nicht automatisch stellt, ist Handarbeit gefragt. Eigentlich kein Problem. Nur hatte Ford anfänglich vergessen, einen entsprechenden Absatz in der Betriebsanleitung einzufügen. Auch etliche Ford-Mitarbeiter zeigten sich ratlos. Dabei reichte tatsächlich ein längerer Druck auf das Uhrensymbol auf dem Monitor. In der Folge gab es dann fast nur noch Kleinigkeiten zu beanstanden. Etwa wackelige Steckverbindungen oder den beim Wechsel des Ölfilters versehentlich gelösten Unterdruckschlauch des Turboladers. Nicht schön, aber auch kein Drama. Das offenbarte sich erst bei der 20.000-Kilometer-Inspektion.

Der Wechsel des Pollenfilters ist eine Zumutung für den Techniker

Der vorgesehene Wechsel des Pollenfilters kostete den bedauernswerten Mechaniker nicht nur viel Zeit und Schweiß, sondern beinahe auch die Gesundheit. Nach Demontage fast des gesamten Armaturenträgers musste der arme Mann sich im Fahrerfußraum liegend über Kopf zum gut versteckten Einbauort des Filters vorarbeiten. Die Montage des neuen Teils bedeutete dann noch mal fast die gleiche Quälerei. Wer denkt sich so was bloß aus? Egal, Ford hat inzwischen eingesehen, dass sie da Mist konstruiert haben. Das Austauschelement ist jetzt platzsparend gefaltet, wird durch eine kleine Öffnung geführt und erst vor Ort entfaltet – größere Umbaumaßnahmen nicht mehr nötig. Außerdem wurden die ehrgeizigen Mechaniker darauf hingewiesen, dass der alte Filter beim Ausbau durchaus zerstört werden darf – auch das erleichtert die Arbeit nun ungemein.

Daten, Fazit, Zuverlässigkeitswertung

Die Arbeit am Steuer erleichterte von Anfang an das agile Handling des Kompakt-Vans, das mit jedem Kilometer besser zu werden schien. Von "fahrdynamisch eine echte Offenbarung" über "der Sportwagen unter den Vans" bis "ein echter Renn-Van" reichen die zahlreichen Komplimente in unserem grünen Fahrtenbuch. "Der C-Max sollte kein schlechteres Handling zeigen als die Focus-Limousine", so beschreibt Fahrwerkentwickler Andreas Woehler die ehrgeizige Zielsetzung. Und die wurde erfüllt. Das überarbeitete Fahrwerk mit der ausgesprochen feinfühligen Schwertlenkerachse hinten stellte nicht nur ambitionierte Feierabend-Drifter zufrieden, sondern heimste auch von Profis Lob ein.

Es gibt wirklich nicht viele Vans, die dem C-Max beim Thema Fahrfreude das Wasser reichen können. Einen wichtigen Beitrag dazu liefert auch der Motor. "Der bärige Diesel versteht sich mit den sechs gut sortierten Gängen prächtig", lobt Tester Manfred Klangwald den Zweiliter mit moderner Common-Rail-Einspritzung und 136 PS. Klagen über fehlendes Temperament oder eine Anfahrschwäche gab es auf den gesamten 100.000 Kilometern keine. Im Gegenteil. Neben der souveränen Kraftentfaltung wird auch der geschmeidige Motorlauf und die für einen modernen Selbstzünder geringe Aufwärmphase beklatscht. Nur die ab etwa 160 km/h unangenehm lauten Windgeräusche stören das entspannte Reisen.

In den Waben des Partikelfilters (600 Euro) setzt sich der Ruß ab.

Zufriedene Gesichter auch beim Thema Unwelt. Der Verbrauch bleibt mit 8,3 Litern im Durchschnitt über die Gesamt-Testdistanz im Rahmen, und auch der mittlerweile unverzichtbare Partikelfilter war für 600 Euro mit an Bord. Dass der Feinstaubfänger von Peugeot allerdings schon nach 60.000 Kilometern eine Additiv-Auffrischung bekam, wunderte uns doch. Vorgesehen ist die Infusion erst bei der doppelten Laufleistung. Hier scheint Ford fehlendes Wissen im Umgang mit der Filter-Technik mit Übereifer kompensiert zu haben. Doch das dürfte sich mit der Zeit einschleifen.

Am Ende der 100.000 Kilometer hatte der C-Max in unserer Redaktion einen festen Freundeskreis, der ihn mit Wehmut nach Köln zurückschickte. Dort wurde der Van komplett zerlegt und gründlich untersucht. Gravierende Mängel fanden wir nicht – was nicht wirklich überraschte. Ein Blick in frühere Dauertest-Berichte zeigt, dass Ford hier nur seinem Trend treu bleibt: Auch Focus und Mondeo zeigten sich bei der Schlussuntersuchung gut in Form – patzten aber vorher deutlich weniger.

Auseinandergenommen: die große Zerlegung

Fahrwerk, Motor, Getriebe und Hohlraumkonservierung sind vorbildlich.

Auf den letzten Testkilometern litt der C-Max mehrfach unter kurzfristig eingeschränkter Motorleistung. Ein schlechtes Omen für die Abschlussuntersuchung. Ursache war eine verstopfte Unterdruckleitung. Weitere Fehler: Das Gewinde des Antennenfußes ist durch aggressive Reinigerrückstände völlig zerfressen. Das erklärt den Ausfall der Navigation zum Testende sowie den gestörten Radioempfang. Für andere Störgeräusche sorgten lose Hitzeschutzbleche im hinteren Fahrzeugbereich sowie das leicht undichte Abgassammelrohr. Positiv: Fahrwerk, Motor und Getriebe sind in einwandfreiem Zustand, die Hohlraumkonservierung ist vorbildlich.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Gerald Czajka

Der Kölner ist ein grundsolides Auto für sportliche Familien.

Der C-Max fährt in unserer Dauertest-Hitliste zwar nur auf Rang 21, dafür landet er in der Sympathie seiner Nutzer weit vorn. Mit seinem kraftvollen Common-Rail-Diesel und dem ausgesprochen sportlichen Fahrwerk macht er mehr Spaß als die meisten seiner Van-Brüder. Nur schade, dass der frühe Totalausfall wegen Kurzschlusses und ein paar andere Kleinigkeiten ihn nicht weiter vorn landen lassen. Denn die Zerlegung des C-Max zeigte, dass der Kölner Kompakt-Van ein grundsolides Auto ist.

Autoren: Gerald Czajka, Manfred Klangwald

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