Drei extreme Cabrios im Vergleich

124 Spider/Evoque Cabrio/S-Klasse Cabrio: Test

— 09.05.2016

Traumfrau testet Traumcabrios

Die schönste Ausfahrt ist doch die erste, zumal mit den extremsten Cabrios des Jahres: Mercedes S-Klasse, Range Rover Evoque und Fiat 124 Spider.

Wir sind mit Julia durchgebrannt. Ab in den Süden, Richtung Gardasee. Als wir in Torbole ankommen, stimmt die Temperatur, um den schönsten Cabrio-Frühling seit Langem zu erkunden. In dieser Saison starten gleich drei so extreme Schönheiten, dass wir Himmel und Horizont neu vermessen können: das Mercedes S-Klasse Cabrio, der offene Range Rover und der Fiat 124 Spider. Da kommt ein Sonnenschein wie AUTO BILD TV-Redakteurin Julia Parohl nur recht: "Julia, für wen schlägt dein Herz?"

Schon das Basismodell des S-Klasse Cabrios kostet ein Vermögen

Ein Auto wie eine Yacht: Mercedes fährt in der offenen S-Klasse jeden erdenklichen Luxus auf.

Zum Glück schlägt es für Cabrios. Für den Wind um die Nase, das Lächeln hinterm Steuer und für das hautnahe Erleben, was mobil sein bedeutet: Tempo, Fahrtwind, Sonne. Darauf stehen immer weniger Autofahrer, heute kriechen sie lieber in ihre Blechburgen. "Julia, sind SUVs nicht moderner?" Ein Lächeln. "Nee ...", und ihre Finger streichen über das helle Leder im S-Klasse Cabrio. Ein Interieur wie ein Fünf-Sterne-Kaminzimmer, das alles versammelt, was Mercedes ausmacht. Leistung, Lässigkeit, Lebensart – vermutlich geht sogar die Sonne auf Knopfdruck unter. Luxus bekommt in dieser Umgebung etwas sehr Selbstverständliches, auch weil man das Kaminzimmer in zwanzig Sekunden an die frische Luft setzen kann. Vorn knistert der Achtzylinder wie eine ferne Holzglut, doch im Tunnel auf der Uferstraße zeigt der S 500 sein wahres Feuer. Die 455 PS können auch richtig brennen, und so was nennt sich – hüstel, hüstel – nun Basismodell: für 139.052 Euro. Na ja, auf die Julias aus dem Nahen Osten wartet auch ein S 65 mit Zwölfzylinder für 254.601 Euro.
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Beim offenen Evoque gehen die Meinungen weit auseinander

Polarisierender Brite: Das Range Rover Evoque Cabrio löst entweder Begeisterung oder Kopfschütteln aus.

Verblüffend, wie das Cabrio die tosenden Elemente ausschließt. Es gibt zwei Windschotts, auf Wunsch wärmen Kopfstützen und Armlehnen. Mercedes wächst auf Rolls-Niveau, wenn die Klimaautomatik das Kunststück fertigbringt, offen die gleiche Luftqualität zu erzeugen wie geschlossen. So perfekt wurde das Geschehen da draußen noch nie abgekapselt, der Mercedes fährt in seiner eigenen Welt. Ist das noch ein Cabrio? Beim S-Klasse Cabrio dient das Stoffdach als riesiges Einstecktuch, als Clubausweis dafür, dass sein Besitzer noch 12000 Euro mehr hinblättern kann als für das ohnehin schon teure Coupé. Was für eine Show! Diese Jacht stoppt nicht, sie legt an. "Jeder guckt", sagt Julia, die leichte Anflüge von Lady-Di-Allüren kaum verbergen kann. "Aber bei diesem Luxus ist das okay." Köpfe verdreht auch das It-Auto der Saison. Der offene Range Rover Evoque rasiert das Coupé perfekt an der Gürtellinie und treibt den modischen Unsinn eines SUV-Coupés auf die Spitze. Unten bulliger Geländewagen, oben elektrisches Stoffdach, was soll das?
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Es gibt nur zwei Antworten: Das Publikum findet ihn entweder absurd oder großartig. Wobei großartig nach ersten Beobachtungen (zugegeben: in Monaco, Hamburg und Torbole) überwiegt. Gut möglich, dass in Meppen oder Dettingen eher Kopfschütteln dominiert. Jedenfalls spielt das SUV-Cabrio den größten und polarisierendsten Hingucker seit dem ersten faltbaren Hardtop am Mercedes SLK. Mit dem Unterschied, dass Julia seit dem Jeep Wrangler (war das ein zugiges Softtop!) nicht mehr so hoch eingestiegen ist in ein offenes Auto.

Die zweite Sitzreihe im Evoque taugt eher für Gepäck

Enge Strafbank: Wer im Evoque hinten sitzen muss, hat einen wirklich schlechten Platz erwischt.

Ein Cabrio in der ersten Etage, das sie präsentiert wie auf dem Silbertablett. Erst die Passagiere im Fond verschwinden hinter der hohen Bordwand, zusammengefaltet auf der engen Strafbank. Nützlich sieht anders aus. Dem Wind ist es egal, der verliert in der ersten Etage nichts an Reiz. Es zieht britisch ehrlich, wenn die Fenster unten sind. Frisurschonende Hilfsmittel wie im S-Klasse Cabrio fehlen, da sind eine stramme Sonnenbrille im Haar oder das Windschott nützlich. Wer aus der SUV-Szene kommt und im offenen Evoque den letzten Kick sucht, der wird hier Sturm finden. Der hat dann längst auch auf dem Konto gewütet, denn viel mehr Geld als 61.700 Euro (!) lassen sich für einen offenen Kompakten mit Zweiliter-Benziner und Topausstattung kaum ausgeben. Immerhin schmelzen 240 PS und serienmäßiger Allradantrieb die fetten 1800 Kilogramm schnell weg. Nach acht Sekunden herrscht an Bord schon Orkanstärke, da kuschelt Julia sich gern in den satten Luxus: Leder, Xenon und Navi sind ebenso serienmäßig wie ein elektronischer Straßenfühler: Dieses "Terrain Response" soll den Evoque auf jedem Untergrund durchbringen. Der und Gelände? Sein wichtigstes Terrain sind gepflasterte Boulevards, für die Bordstein-Show empfehlen sich 20-Zoll-Räder für 2400 Euro extra.

Der 124 Spider wird im Handumdrehen zum Cabrio

Das Dach des Fiat lässt sich leicht und lässig nach hinten werfen. Wer braucht da noch Elektromechanik?

Für das gleiche Geld steigt man beim 124 Spider statt in die Basis- gleich in die Topversion. Der Lusso hat cognacfarbenes Leder, "so ein wunderschönes Interieur". Och nö, Julia, innen ist der doch baugleich mit dem Mazda MX-5, von dem der Fiat alles Gute übernimmt (also das meiste): Hinterradantrieb, zwei Sitze eng am Schwerpunkt, die Alles-weglassen-Maxime und das unübertroffen einfache Dach. Ein Hebel, ein Griff, und die dünne Stoffhaube fällt bündig hinter die Kopfstützen. Der Sommer ist immer nur zwei Sekunden weit weg. Beim schönen Rest geht der Italiener seine eigenen Wege. Trägt hinten in der Heckklappe die kleinen Blechflügelchen, die an den alten 124 Spider erinnern sollen, und ersetzt vorn den stechend bösen Blick des Mazda durch ein paar so ernste, offene Augen, dass ihm das Undenkbare gelingt: Der Fiat tritt aus dem Schatten des Originals heraus. "Das ist der schönere MX-5", meint Julia sogar. "In dem kann sich auch ein Mann sehen lassen." Der schönere MX-5? Huuii, ein großes Wort. Warum das überhaupt so heiß diskutiert wird?
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Mit dem 1,4-Liter-Turbo ist der Fiat bestens motorisiert

Dynamisch: Der 124 Spider fährt sich wie sein Bruder MX-5, aber der Motor des Fiat gefällt uns besser.

Weil der Fiat sich ansonsten so fährt wie der bislang konkurrenzlose Mazda. Dieser rollende Handschuh macht sofort leichtfüßig genau das, was Hintern, Hände und Gasfuß vorgeben. Roadster pur. Vermutlich ist er das einzige Auto, das schon abbiegt, wenn das Hirn nur "Kurve" denkt. Die Fans der alten englischen Vorbilder werfen gern ein, ihre Eisenschweine seien rauer und echter gewesen, aber haben ihre Rostöfen auch die Millionenmarke geknackt wie gerade der MX-5? Eben. Der Fiat wird an dieser Erfolgsstory mitschreiben, mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Sein 1,4-Liter-Turbo bringt eine wunderbar bummelige Gelassenheit in den Roadster, wo Mazdas Sauger noch müde wirken und nach höheren Drehzahlen hecheln.  Der muss es sein. Für diesen handlichen, spritzigen Spaß schlägt Julias Herz – weil Luft eben doch ihren Preis hat: hier gerade mal 26.490 Euro. Aber muss der Neue unbedingt 124 Spider heißen? So viel Nostalgie ist nicht nötig, Fiat Spider hätte gereicht. Doch das erledigt die Zeit. Oder die Liebe. Julia spricht nur noch vom Spider. Und möchte schon wieder durchbrennen.

Technische Daten Fiat 124 Spider • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1368 cm³ • Leistung: 103 kW(140 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 240 Nm bei 2250/min • Vmax: 215 km/h • 0–100 km/h: 7,5 s • Antrieb: Hinterradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 45 l • L/B/H: 4054/1740/1233 mm • Kofferraum: 140 l • Leergewicht: 1125 kg • EU-Mix: 6,4 l Super/100 km • Abgas CO2: 148 g/km • Preis ab 23.990 Euro.

Technische Daten Daten Mercedes S 500 Cabrio • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 4663 cm³ • Leistung: 335 kW (455 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment: 700 Nm bei 1800/min • Vmax: 250 km/h • 0–100 km/h: 4,6 s • Antrieb: Hinterradantrieb, Neunstufenautomatik • Tankinhalt: 80 l • L/B/H: 5027/1899/1417 mm • Kofferraum: 350 l • Leergewicht: 2115 kg • EU-Mix: 8,5 l Super/100 km • Abgas CO2: 199 g/km • Preis ab 139.052 Euro.

Technische Daten Range Rover Evoque Cabrio Si4 • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1999 cm³ • Leistung: 177 kW (240 PS) bei 5800/min • max. Drehmoment: 340 Nm bei 1750/min • Vmax: 209 km/h • 0–100 km/h: 8,6 s • Antrieb: Allradantrieb, Neunstufenautomatik • Tankinhalt: 54 l • L/B/H: 4370/1985/1609 mm • Kofferraum: 251 l • Leergewicht: 1865 kg • EU-Mix: 8,6 l Super/100 km • Abgas CO2: 201 g/km • Preis ab 55.300 Euro.

Autor: Joachim Staat

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