1250 Arbeitsplätze in Gefahr — 12.06.2006
Karmann in der Krise
1500 Stellen wurden seit 2004 bereits abgebaut, weitere 1250 sollen folgen. Karosseriebauer Karmann reduziert seine Belegschaft drastisch.
Die Geschäftsleitung um Karmann-Chef Bernd Lieberoth-Leden informierte die IG Metall und den Betriebsrat über die geplanten Maßnahmen. Von den 1250 bedrohten Stellen entfallen 400 auf Verwaltung, der Rest auf die Produktion. Der Konzern betonte, die Verhandlungen bis Mitte Juli 2006 abschließen zu wollen. Anders als bei Automobilherstellern wie DaimlerChrysler oder Volkswagen gibt es bei Karmann keine Verträge zur Zukunftssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen in den kommenden Jahren ausschließen. Es könnte es daher auch zu Entlassungen kommen.
Gleichzeitig erwägt das Osnabrücker Unternehmen, künftige Fahrzeuge in Osteuropa fertigen zu lassen. Karmann bemühe sich nach eigenen Angaben um Aufträge und konkurriere dabei mit Wettbewerbern, die zu den Konditionen der Standorte Osnabrück und Rheine nicht zu gewinnen seien. Karmann baut traditionell in Deutschland für große Autobauer Nischenmodelle wie Cabrios. Über eine Produktion in Polen will der Aufsichtsrat von Karmann auf seiner Sitzung am 21. Juni entscheiden.
Die bislang stärkste Sparte von Karmann, der Fahrzeugbau, steckt in einer tiefen Krise, die eine unmittelbare Folge der Sanierungen großer Autokonzerne ist. Die Konsequenz: Autobauer wie Volkswagen und DaimlerChrysler reichen ihre Probleme an die bisherigen Lohnfertiger weiter. Um ihre Kapazitäten besser auszulasten, holen die Hersteller verstärkt die Produktion von Nischenmodellen in die eigenen Werkhallen zurück.

































