2+2-sitzige Coupés im Vergleich — 19.06.2009

Spiel für Erwachsene

Man muss kein Kind sein, um am Spielen Spaß zu haben. Leider sind die Spielzeuge BMW M6 Competition, Jaguar XKR und Porsche Turbo allein mit Taschengeld nicht bezahlbar.

Können Sie sich noch an Ihre Kindheit erinnern? Die Tage, in denen man sich noch völlig unbeschwert dem Spieltrieb hingeben konnte? Seit ein paar Tagen weiß ich wieder sehr gut, wie es damals war. Denn als unsere drei Testwagen auf den Redaktionsparkplatz rollten, fühlte ich mich wieder wie ein kleiner Junge, der in seiner großen Spielzeugautokiste nach seinen Lieblingsautos kramt. Nur mit dem Unterschied, dass ich mich heute auch in die Autos reinsetzen und sie fahren kann, wo ich früher mit ihren miniaturisierten Vorgängern nur Muttis schönen Teppich und das Parkett ruiniert habe. Hätte es sie damals in den heutigen Versionen schon gegeben, ich hätte sicher nicht lange in meiner Autokiste nach ihnen suchen müssen. Denn sie hätten einen Ehrenplatz bekommen. BMW M6, Porsche Turbo und der brandneue Jaguar XKR bringen heute nicht nur die Augen vieler Jungs zum Strahlen. Auch bei Erwachsenen erzeugen die drei das "Will-ich-haben-Syndrom".

M6 mit Competition-Paket für 3150 Euro

Noch mehr sport: Mit dem Competition-Paket gibt sich der M6 noch aggressiver.

Durchaus verständlich, denn wer wünscht es sich nicht, Pilot in einer dieser Raketen zu sein. Im Porsche Turbo arbeitet ein 3,6 Liter großes Boxeraggregat mit Biturboaufladung und 480 PS. Der BMW schöpft seine Kraft aus einem 507 PS starken V10, und im XKR treibt ein Kompressor den V8 gar auf 510 PS. Um das Potenzial unseres Testtrios voll ausloten zu können, ist ein Rennstreckenbesuch unumgänglich. Vor allem, weil der BMW mit optionalem Competition-Paket antritt, das für zusätzliche Rennstrecken-Performance sorgen soll. Und wahrhaftig: für 3150 Euro Aufpreis bietet das Paket einige Dinge, die den ohnehin nicht langweiligen und werkseitig schon ziemlich fahrdynamischen M6 noch mehr für die Rennstrecke trimmen. So verpasst BMW dem Competition-M6 eine modifizierte Kennlinie für das serienmäßige Sperrdifferenzial. So ausgerüstet, lässt sich der BMW noch gezielter aus den Kurven herausdirigieren.

Der Turbo in Bestform

Haarscharf: Kaum ein Auto lässt sich präziser führen als der Porsche.

Die ebenfalls im Competition-Paket enthaltenen Pirelli-P-Zero-Corsa-Semislicks hinterlassen einen erstklassigen Eindruck. Nach zwei Runden Aufwärmzeit lassen sie den M6 wie auf Schienen einlenken. Auch der Traktionsvorteil gegenüber einem mit normalen Straßenreifen besohlten M6 ist deutlich spürbar. In der Summe macht der M6 also einen Mordsspaß. Und mit einer Zeit von 1:40,70 bin ich mit ihm auch richtig flott unterwegs. Auch der Porsche Turbo hat das Sportdress angelegt. Er steht ebenfalls auf klebrigen Sportreifen und tritt mit der optionalen PCCB-Keramikbremse an. Damit sollte auch er für die Rennstrecke bestens gerüstet sein. Nicht nur das: Wir sehen unsere bisherige Bestzeit für den Sachsenring in Gefahr. Bis jetzt führt ein Porsche Carrera S mit 1:39,08 unsere Bestenliste an. Zumindest auf dem Papier hat der Turbo also das Zeug zu einem neuen Rundenrekord. Ich bin gespannt, wie er sich nun schlägt. Die ersten Meter lassen hoffen, gerade was die Reifen angeht. Über die Michelin Pilot Sport Cup will ich an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren. Auf der Rennstrecke harmonieren sie mit dem Porsche perfekt.

Die Tiptronic schwächelt

In Alltag hingegen müssen mit ihnen dagegen einige Abstriche in Kauf genommen werden, vor allem was die Nässetauglichkeit angeht. Da ist man mit dem Pirelli-bereiften M6 eindeutig entspannter unterwegs. Und auch bei Trockenheit ist das Fahrverhalten mit den Michelin gewöhnungsbedürftig. Längsrillen mögen sie aufgrund des hohen Positivprofilanteils nicht wirklich. Geradeauslauf zählt mit den Cups nicht zu den Stärken des Turbo. Dafür bietet er mit Allradantrieb Traktion ohne Ende. Wo der M6 mit dem Heck auskeilt, zieht der Turbo stoisch seine Bahn. Fast nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Fast nichts, denn auf Lastwechsel reagiert der Turbo mitunter äußerst zickig. Blitzschnelle Reflexe und massives Gegenlenken sind dann gefragt.Unser Testwagen ist mit der fünfstufigen Tiptronic ausgestattet. Im normalen Straßenverkehr funktioniert der Automat perfekt, was er eindrucksvoll mit den Beschleunigungswerten unter Beweis stellt. In gerade einmal 3,5 Sekunden sprintet der Turbo auf 100 km/h, das sind 0,2 Sekunden unter der Werksangabe. Die 200er-Marke fällt nach nur weiteren 8,5 Sekunden. Auf 100 nimmt er seinen beiden Konkurrenten so über eine Sekunde ab!Auf der Rennstrecke ist die Tiptronic indes nur zweite Wahl. Im manuellen Modus genehmigt sie sich beim Hochschalten eine kurze Gedenksekunde.

Sportlicher XKR

Neue Stärke: Der XKR ist der sportlichste Jaguar seit dem XJ 220.

Die Alternative wäre, den Automaten die Arbeit übernehmen zu lassen, was an bestimmten Stellen jedoch schnell für feuchte Hände sorgt, da das Getriebe manchmal unvorhersehbar die Stufe wechselt. Am Ende schafft der Turbo es dann aber doch: Unsere Uhr bleibt bei 1:37,99 stehen. Eine harte Nuss, die der Jaguar XKR da zu knacken hat. Technisch zeigt aber auch er sich für die Rennstreckenhatz gut gerüstet. Endlich haben ihm die Jaguar-Ingenieure eine Differenzialsperre verpasst, und daran haben sie wirklich gutgetan. So verpufft die Leistung nicht mehr in Gummirauch, sondern lässt sich in Vortrieb umwandeln. An das Gripniveau, das BMW und Porsche vorlegen, kommt der XKR jedoch nicht heran. Was unter anderem an den Reifen liegt. Als Einziger tritt der XKR mit normalen Straßenreifen an. So lenkt der Jaguar nicht nur weniger direkt ein, auch sind die 20-Zöller bereits nach zwei Runden mit der Beanspruchung überfordert. Am Ende muss sich der Jaguar mit 1:44,30 aber geschlagen geben. Dennoch ist der XKR der wohl sportlichste Jaguar seit den Zeiten des XJ 220. Am Ende das Tages strahle ich immer noch über beide Ohren. Das Kind im Mann gibt es also noch.

Technische Daten BMW M6 Competition Jaguar XKR Porsche Turbo
Motor V10 V8, Kompressor B6, Biturbo
Hubraum 4999 ccm 5000 ccm 3600 ccm
kW (PS) bei 1/min 373 (507)/7750 375 (510)/6000-6500 353 (480)/6000
Nm bei 1/min 520/6100 625/2500-5500 620 (680 Overboost)
Antrieb Hinterrad Hinterrad Allrad
Leistungsgewicht 3,5 kg/PS 3,7 kg/PS 3,4 kg/PS
Tankvolumen 70 Liter 70,6 Liter 67 Liter
Messwerte
0–100 km/h 4,6 s 4,7 s 3,5 s
0–200 km/h 13,9 s 14,9 s 12,0 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt) 310 km/h
Preis 119 350 Euro 103 900 Euro 143 008 Euro

Sebastian Schneider

Fazit

Auch mit ein paar Jahren auf dem Buckel triumphiert der Tur­bo in diesem Vergleich. Traktion ohne Ende, brachial verzögernde Bremsen und ein messerscharfes Handling scheinen nicht von die­sem Planeten. Die Vorzüge des M6 Competition lassen sich allenfalls auf der Rennstrecke voll ausloten. Dass Sportbereifung und geänderte Sperrkennlinie funktionieren, ist aus der Rundenzeit eindeutig ersichtlich. Den XKR als Verlierer anzusehen, wäre ungerecht. Mit ihm hat Jaguar zu alter Stärke zu­rückgefunden. Endlich zeigt die Raubkatze wieder Krallen. Schade, dass es ab Werk für ihn keine Sportbereifung gibt.

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Kommentare zum Artikel (6)

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Kai
15.09.2010, 20:04Uhr

Der 6er sieht von aussen also geil aus! Hm, wenn man ein optisches Brechmittel sucht zweifellos! Mich erinnert diese ekelhafte Bangle-Schleuder an Disney´s Quasimodo! Triefäugig mit riesigem Buckel! Sorry, aber optisch ist das kein BMW sondern geistiger Dünnschiss! Bääääh! Die Technik des 6er ist jedoch Top! Kein Thema! Aber die Verpackung ist schlichtweg unmöglich!

BMW 6er
02.06.2010, 19:21Uhr

Der Porsche sieht ja drine richtig scheiße aus und von aussen langsam langweilig, da ist der BMW 6er der geilste drine und aussen. Obwohl der Jaguar drine auch gut aussieht.

besserwisser
29.06.2009, 20:09Uhr

@sebastian: da stimme ich dir zu, der gtr hätte die nass gemacht...... :D

......aber das der gtr kein image i de hat, stimmt nicht ganz.......natürlich hat er welches auch wenn nicht annähernd des eines porsche, muss er auch nicht......in den usa und russland (hauptabsatzmärkte von nissan) hat nissan gtr/skyline reichlich image, ich wage es sogar zu behaupten das mehr als porsche, zumal in den usa......siehe die ganzen skyline/gtr fangemeinden ;P

Sebastian
29.06.2009, 18:26Uhr

Naja, das Konzept des GT-R 2 plus2 passt schon zum Vergleich. Der Preis des GT-R nicht, da gebe ich dir recht.
Zum Image: Jaguar gehört mittlerweile Tata...hat für mich überhaupt kein Image mehr!
BMW: steckt seinen Nicht-BMW-fahrenden Mitarbeitern Zettel an die Scheibe um den Absatz anzukurbeln.
Ich denke der GT-R hat schon ein relativ gutes Image außerhalb Deutschalnds, was sicherlich dem Skyline zu verdanken ist. Das es dieses Image in Deutschland nicht gibt weiß ich und deswegen hast du mit dem Image Thema wahrscheinlich recht

mrc
29.06.2009, 18:06Uhr

wieso glück, wenn mir das geld in dieser klasse fehlt und ich ohne jegliches image einfach nur schnell sein will kauf ich mir ne 1000er suzuki von den japanern. lasst den gt-r bitte da, wo er hingehört.

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