2000 km durch Deutschland

2000 Kilometer durch Deutschland 2000 Kilometer durch Deutschland

2000 km durch Deutschland

— 19.02.2002

Liebe geht durch den Wagen

Wenn alte Menschen vor Freude weinen, Kinder Mutti an die Straße ziehen und rundum alle glücklich sind: dann ist die "Deutschland 2000".

Wenn Emotionen hochkochen

Mist! Jetzt hat uns der Kerl den Schnitt versaut. Der 170 PS starke Mercedes 280 SL schiebt sich vor den Kadett und bremst uns brutal aus. Haben wir etwa ABS? Oder was? Spinner, Angeber! Und dann will er uns tatsächlich vorbeiwinken, in einer Kurve mit durchgezogener Linie. Dieser angegraute Münchener Hobbyfahrer hat ja wohl den Schuss nicht gehört! Wir halten stur die Spur und kochen vor Wut: Das Überholmanöver im Harz hat uns mindestens 100 Punkte und eine bessere Platzierung gekostet. So landen wir nur auf Platz 78. Dank Start-Nr. 179.

Wir beide, Peggy (37) und Margret (26) von AUTO BILD, sind im Rallye-Fieber und fahren wie berauscht: In unserem kleinen, grauen A-Coupé fühlen wir uns wie die Queen. Tausende Menschen jubeln uns zu. Winken, juchzen und klatschen. Bis die Handflächen glühen wie ein Sonnenbrand. "Wollt ihr ein Bier?", prostet uns eine blonde Mittdreißigerin zu.

Ein Kadett mitten im Geschehen

Auf dem Marktplatz im niedersächsischen Berne flackern Fackeln. Wie riesige Glühwürmchen, die unserem Kadett den Weg durch die Zuschauergasse zeigen. Wir schreiben Autogramme in Programmhefte. Und trotzdem müssen wir uns eingestehen: Nicht wir, der Kadett ist der Star. Ein Star zum Anfassen. Der Opel ein Volkswagen: "So einen hatte ich auch", sagt ein Mann mit weißem Bart und tiefem Bass. "Das war mein Fahrschulauto."

Jeder kennt ihn, alle mögen ihn. Wir auch! Unser Coupé - alles andere als ein Aufschneider, sondern zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. 48 PS, vier Zylinder, 993 cm3, Höchstgeschwindigkeit 130 km/h. Genau das Richtige für die Oldie-Rallye "2000 km durch Deutschland", bei der Durchhalten und Geschicklichkeit zählen - und nicht Vmax.

Mit Stoppuhr und viel Gefühl im Gasfuß passieren wir die Lichtschranke. Das ist Zentimeterarbeit. Zweiundzwanzig, dreiundzwanzig - und Gas. Neue Bestleistung: 4,18 Sekunden, bei einer vorgegebenen Zeit von 4,17. Wir fühlen uns wie die Profis, zeigen die Beckerfaust. Und landen bei der Tageswertung auf Platz 27 von 172 Teilnehmern.

Den 2472 Kilometer langen Weg durch Deutschland weist uns ein Bordbuch, so dick wie ein Weltatlas. Navigieren durch Schwarzwald und Sachsen mit Peggys freundlich-sanfter Stimme statt mit Navigationssystem.

Oldtimer statt Sesamstraße

Es krawumpelt. Wie Flummis hüpfen wir in unseren Sitzen auf dem Uralt-Kopfsteinpflaster. Keine Frage: Wir sind im Osten. In Regnitzlosau, einem ehemaligen Grenzübergang, steht noch ein Stück Mauer mit Stacheldraht. Hunderte Zuschauer an den Straßen haben auf uns gewartet.

Sie wedeln mit Papierfähnchen und begrüßen uns mit Tröten. Eine Omi mit rosa Lockenwicklern und Kittel bewundert die vorbeirauschenden Alfa, Cadillac und Käfer. Zwei kleine Mädels, frisch geduscht mit weißen Frottébademänteln, winken und quietschen vor Freude. Gleich müssen sie ins Bett. Vorher dürfen sie Oldtimer gucken - statt Sesamstraße. Die Freude über das rollende Museum ist grenzenlos.

Nicht nur bei den Zuschauern. Nach 2472 Kilometern sind wir infiziert. Peggy und ich sind im Oldtimer-Fieber. Wir wollen sofort einen Klassiker kaufen. Nicht irgendeinen, sondern einen niedlichen - und hoffentlich ebenso zuverlässigen, na, was wohl? Genau: Opel Kadett.

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