24 Stunden von Le Mans 2011

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24 Stunden von Le Mans 2011

— 14.06.2011

Audis Achterbahn-Triumph

Solch ein Drama gibt es wohl nur in Le Mans: Nach zwei Horrorunfälllen seiner Pilotenkollegen McNish und Rockenfeller holte André Lotterer beim 24-Stunden-Rennen 2011 doch noch für Audi den Sieg.

(dpa) Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt mit zwei Horrorunfällen und einem der dramatischsten Rennen in der Geschichte der 24 Stunden von Le Mans hat Audi seinen zehnten Sieg bei dem Langstrecken-Klassiker frenetisch gefeiert. Unbeeindruckt von den verheerenden Abflügen und zertrümmerten Autos seiner Teamkollegen Allan McNish und Mike Rockenfeller verteidigte der Duisburger André Lotterer mit dem letzten noch im Rennen verbliebenen R18 TDI die Führung gegen vier wild anstürmende Peugeots bis ins Ziel. "Das war eines der härtesten Rennen in Le Mans", sagte Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich : "Dass es unsere Mannschaft mit nur einem Auto geschafft hat, die starke Konkurrenz 16 Stunden lang in Schach zu halten, ist fast unglaublich." Es sei eine Geschichte, "wie sie meiner Meinung nach nur Le Mans schreiben kann".

Nach insgesamt 354 Runden auf dem 13,629 Kilometer langen Kurs hatte Lotterer, dessen Mitstreiter Benoît Tréluyer die Pole geholt hatte, mehr als zehn Sekunden Vorsprung auf Simon Pagenaud. In der Auslaufrunde wischte sich der 29-jährige Deutsche die Tränen unter dem Helm aus den Augen. "Es ist einfach fantastisch", meinte Lotterer. "Das ist ein Sieg fürs ganze Team", schluchzte Kollege Tréluyer in die Kameras: "Ich muss das erst verarbeiten und verstehen." Es sei ein "unheimlich gigantisches Gefühl", meinte der Dritte im Siegerteam, Marcel Fässler aus der Schweiz.

In der Audi-Box fielen sich die Mechaniker in die Arme, auch bei Ullrich löste sich die enorme Anspannung, erleichtert riss er die Arme nach oben. Endlich hatten sie Grund zu ausgelassener Freude, nachdem die entsetzlichen Bilder der Unfälle von McNish eine Stunde nach dem Start und Rockenfeller eine Stunde vor Mitternacht noch für Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt hatten. Die Nachricht, dass McNish und Rockenfeller die Unfälle so gut überstanden hätten, sei genauso wichtig wie die des zehnten Audi-Sieges, betonte Ullrich. Nachdem bei McNish bereits früh Entwarnung gegeben werden konnte, durfte Rockenfeller das Krankenhaus in Le Mans am Sonntagmorgen wieder verlassen. Beide zogen sich keine schwereren Verletzungen zu, was angesichts der Bilder wie ein Wunder wirkte.

"Noch vor einigen Jahren hätte ich jetzt nicht hier sitzen und mit ihnen sprechen können", sagte McNish bei einer Pressekonferenz und dankte den Audi-Ingenieuren. Der zweimalige Le-Mans-Sieger war nach einer Kollision in die Reifenstapel eingeschlagen, Teile seines Autos schleuderten unmittelbar vor den Zuschauern durch die Luft. Fotografen und Streckenposten warfen sich schützend auf den Boden. Nur um Haaresbreite entging Le Mans einer Katastrophe. Auf den Tag genau vor 56 Jahren waren in Le Mans beim bislang schlimmsten Unglück im Motorsport über 80 Zuschauer und ein Fahrer ums Leben gekommen. "Da hast du keine Gefühle. Du weißt im ersten Moment nicht mal, dass es ein Unfall ist. Du wartest nur, dass es endlich aufhört", sagte McNish über seinen Unfall. Als man ihn gefragt habe, ob er okay sei, habe er ein paar Scherze gemacht. "Da wusste ich noch nicht, wie das Auto aussah", meinte der 41 Jahre alte Schotte zu dem Trümmerhaufen, der von dem Wagen übrig geblieben war.

Kaum war der erste Schock einigermaßen überstanden, erwischte es in der 117. Runde Rockenfeller. Bei einem Überholmanöver mit über 300 Stundenkilometern in der Indianapolis-Passage berührte er wie schon McNish bei seinem Crash einen vor ihm fahrenden Ferrari der langsameren GT-Klasse. Der Audi des DTM-Piloten krachte in die Leitplanken, wieder schwirrten Teile des Autos wie Geschosse durch die Luft. Übrig blieb in der Nacht von Le Mans ein völlig zerstörtes Auto, von dem nicht mal mehr Konturen zu erkennen waren. Nach bangen Minuten gaben die Veranstalter erste Entwarnung: Rockenfeller schaffte es aus eigener Kraft aus dem zerstörten Audi. Dass man sich in Ingolstadt für ein geschlossenes Cockpit entschieden hatte, nachdem die Prototypen der vergangenen Jahre immer als Cabrio dahergekommen waren, hat die beiden verunglückten Piloten möglicherweise vor Schlimmerem bewahrt.

Dass der Wagen schnell ist, hatte das neue Sieger-Team schon in der Qualifikation bewiesen, als Tréluyer die erste Pole für Audi seit 2006 eroberte. Auch im Rennen, in dem die Erstplatzierten trotz der langen Renndauer teilweise nur wenige Sekunden auseinanderlagen, zeigte sich Lotterer noch nervenstark. "Sie haben zwei Autos durch schwere Unfälle verloren, aber ein Auto hat ihnen immer noch gereicht, um das Rennen zu gewinnen", stellte Pedro Lamy vom zweitplatzieren Peugeot-Team bedröppelt fest.

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