24 Stunden von Le Mans

24 Stunden von Le Mans

— 11.06.2002

Die Taktik gegen Audis Hattrick

Audi greift als Favorit nach dem dritten Le-Mans-Sieg in Folge, doch die Gegner haben andere Plne - und verraten hier ihre Strategien.

Totale Technische Dominanz

"Hier muss das Glck auf jeden Fall auf deiner Seite sein, um Audi schlagen zu knnen", sagt Team-Besitzer Don Panoz. Und spricht vor dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans (15./16. Juni) stellvertretend fr die sechs weiteren Hauptgegner der Ingolstdter: Bentley, MG, Cadillac, Racing for Holland, MDB sowie ORECA, dem in den Vortests schnellsten Audi-Jger. Keiner davon wird ernsthaft behaupten: Wir sind besser als Audi! Dennoch wollen es alle beweisen. Wie dies im Einzelnen vonstatten gehen soll, erfahren Sie im Verlauf der folgenden Seiten. Zunchst zum Hauptdarsteller: Audi.

Nach zwei Siegen in Folge peilen die Ingolstdter den Hattrick an - die einzig verbliebene weltweit werbetaugliche Le-Mans-Botschaft. Das Signal: totale technische Dominanz im Extremfall. Das Auto (Typ: R8): berlegen. Warum nur?

Kein zweiter Starter im Prototypen-Feld hat mit seinem Fahrzeug so viel Erfahrung oder eine bessere Mannschaft: Das Joest-Team blickt auf sechs Gesamtsiege zurck, kennt jede Tcke dieses Dauerlaufs, absolviert die besten Boxenstopps, hat Speerspitzen am Steuer: Frank Biela, Emanuele Pirro und Tom Kristensen, die Sieger der beiden Vorjahre.

72 Prozent Vollgas - 17 Stunden netto

Trotzdem griffen die Audi-Aerodynamiker noch mal tief in die Trickkiste. Fr noch hhere Spurstabilitt auf den schnellen Geraden wird der Heckflgel jetzt von seitlichen Anbauteilen untersttzt, ber die das Profil noch sauberer angestrmt wird. Damit ist der in Zusammenarbeit mit Dallara (Sitz: Varano) gebaute R8 der schnellste Wagen im Feld. Der zuverlssigste wohl auch: In den vergangenen beiden Jahren kamen alle Werks- Audi ins Ziel. Doch der dickste Trumpf sitzt in seinem Heck. Der 3,6-Liter-Biturbo ist dank Benzin-Direkteinspritzung (FSI) nicht nur der sparsamste, sondern auch der kultivierteste Motor im Feld. "Knapp 95 Prozent des maximalen Drehmoments stehen ber ein Drehzahlband von 2000 U/min hinweg zur Verfgung", erklrt Audi-Motorenchef Ulrich Baretzky. Schon ab 4000 U/min freuen sich die Fahrer ber maximalen Schub. Der lsst sich trotz Turboaufladung optimal dosieren, dank FSI ganz ohne Verschlucker.

Und arbeitet effizienter: Den Verbrauchsvorteil gegenber den ohne FSI startenden Konkurrenten beziffert Baretzky auf "etwa acht bis zehn Prozent". Macht knapp fnf Liter Ersparnis auf 100 Kilometer, rund 250 ber die Gesamtdistanz. Folge: Bei Trockenheit spart ein R8 gegenber den ORECA & Co zwei Stopps.

Doch ganz gleich, wie oft die Ingenieure jede Schraube umdrehen, die Boxenmannschaft Reifenwechsel bt oder die Motoren auf dem Prfstand getestet werden - sicher kann man bei einem 24-Stunden-Rennen nie sein, die Zielflagge wirklich zu sehen. Denn die Piloten stehen ber 72 Prozent der anspruchsvollen Hochgeschwindigkeitsstrecke voll auf dem Gas, fr mehr als 17 Stunden. Und die langsameren Gegner der GT-Serie werden beim berrunden jenseits 300 km/h zu rollenden Slalomstangen. Um sicherzugehen, schickt Audi gleich drei seiner silbernen Flundern ins Rennen - Audi Sport Japan einen Vorjahres-R8 als Verstrkung. Den Gegnern bleibt nur die Hoffnung.

Alle Klassen im Detail

Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans gehen Autos in fnf verschiedenen Kategorien an den Start. Die Prototypen, die nicht auf einem Straenauto basieren mssen, sind in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt.

Die Audi R8 starten in der Klasse LMP 900. Die offenen Sportwagen haben ein Mindestgewicht von 900 Kilo. Maximaler Hubraum: sechs Liter bei Saugmotoren, vier Liter bei Turbomotoren. Durch unterschiedliche Durchmesser des Luftmengenbegrenzers haben alle Motorenkonzepte annhernd gleiche Leistung (ca. 600 PS).

Die Klasse LMP 675 ist fr die kleineren und leichteren Prototypen mit mindestens 675 Kilo reserviert. Die Saugmotoren drfen hier maximal 3,4 Liter, die Turbomotoren 2,0 Liter Hubraum haben. Die besten Triebwerke entwickeln knapp 500 PS. Durch den niedrigeren Verbrauch knnen die LMP-675-Autos lnger auf der Strecke bleiben, sparen so Zeit in der Box.

Die LM-GTP-Klasse ist fr geschlossene Prototypen ausgeschrieben. Einziger Teilnehmer in diesem Jahr ist Bentley. Vorteil der Renner mit Dach: bessere Aerodynamik, grere Hchstgeschwindigkeit. Nachteil: Fahrerwechsel dauern wegen der kleinen Tren lnger und sind schwieriger.

Die Autos der GTS-Klasse mssen von Serienmodellen abstammen, haben unter der Blech- oder Kunststoffhaut nur noch wenig mit den Straenautos zu tun. Umbauten sind in hohem Mae erlaubt.

In der GT-Klasse treten seriennahe Sportwagen gegeneinander an. Die Kundenteams knnen die Autos ab Werk kaufen und ohne groe Vernderungen im Rennen einsetzen. Strkster Verteter in dieser Klasse ist traditionell Porsche.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung