24 Stunden von Le Mans

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24 Stunden von Le Mans

— 25.06.2002

Das schwerste Erbe

Drei Le-Mans-Siege in Folge, der zweite Dreifach-Triumph: Audi hat Le Mans endgültig abgefeiert. Konzernschwester Bentley soll ab 2003 nahtlos übernehmen – schön ausgedacht.

Selbst die Choreografie des Feierns hatte Audi perfekt durchgeplant. Der Champagner seit Stunden kalt gestellt, die Beschallung für die Dankesreden vor der Zieldurchfahrt installiert und getestet, Hunderte Siegermützen bestickt und staubfrei verpackt bereitgelegt. Einzig das ins Mikro gegröhlte "We are the Champions" von Sieger Tom Kristensen wirkte nach dem zweiten Dreifach-Triumph von Le Mans spontan. Niemand hatte vor diesem Feier-Abend in der Audi-Hospitality am überlegenen Hattrick gezweifelt.

Projekt Le Mans beendet

Handicap: Fahrerwechsel dauern beim geschlossenen Bentley länger als beim offenen Audi.

Mit immensem finanziellen Aufwand (ca. 30 Mio. Euro) hat Audi das Traumziel erreicht, sämtliche Gegner mit blanker Perfektion erdrückt. Nach Bentley, Matra, Ferrari, Alfa Romeo, Jaguar, Ford und Porsche als achter Hersteller drei Siege in Folge geschafft. Zeit also, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Denn die gemeinsame Zieldurchfahrt der drei Werks-R8 war mit hoher Wahrscheinlichkeit der vorläufige Schlussstrich unter das Projekt Le Mans. Auch wenn Sportchef Dr. Ullrich beteuert: "Ich würde Audi gerne auch in Zukunft in Le Mans sehen."

Dabei hat der Mutterkonzern VW schon vorgesorgt: Audi-Schwester Bentley steht als Erbe bereit. Zweimal hintereinander siegten die Briten in der "B-Wertung" der besten Nicht-Audi: als Dritter 2001 und Vierter 2002. Schon jetzt steckt unter der schicken Schale in dezentem British Racing Green jede Menge Audi-Technik. Herzstück ist der von 3,6 auf 4,0 Liter aufgebohrte Motor mit fortschrittlicher Direkteinspritz-Technologie. Auf absehbare Zeit wird niemand eine derart haltbare und sparsame Maschine haben. Zu groß ist der Entwicklungsvorsprung der Audi-Techniker.

Bentley greift nach dem Sieg

"Wir wollen nächstes Jahr in Le Mans gewinnen", macht Bentley- Technikvorstand Joachim Rothenpieler den eigenen Anspruch unmissverständlich klar. Dazu soll bei den Briten kräftig aufgestockt werden. Macht aus Sicht des Marketings Sinn. Die größten Rennerfolge feierte Bentley traditionell in Le Mans (1927-1930). "2003 treten wir mit zwei oder sogar drei Bentley an. Die Entscheidung darüber fällt im September", verrät Rothenpieler.

"Unser größtes Handicap gegenüber den offenen Prototypen waren eindeutig die schmaleren Hinterreifen", weiß Bentley-Sportchef Brian Gush, der nach wie vor vom Konzept des geschlossenen Sportwagens überzeugt ist. "Auf den Geraden sind wir mit 335 km/h Spitze schon jetzt schneller als Audi. Die Zeit (etwa fünf Sekunden pro Runde; die Red.) haben wir wegen Gripmangels in langsamen Kurven verloren."

Doch hier kommt das Reglement den Briten entgegen, gesteht den überdachten Prototypen künftig die gleichen Walzen zu wie den offenen Sportwagen. Ein leichtes Erbe also, das die Briten im kommenden Jahr antreten? Abwarten... Denn Tempo ist nicht alles. In Le Mans zählen Zuverlässigkeit und perfekte Teamarbeit mehr als bei jedem anderen Rennen. Und da haben Audi und das Einsatzteam Joest die Messlatte extrem hoch gelegt. Hier gleichzuziehen erfordert zwei Schritte in einem (Jahr).

"Einen solch riesigen Aufwand wie Audi können wir gar nicht treiben. Aber wenn wir uns auf das wirklich Notwendige beschränken, werden wir mit kleinerem Budget genauso gut sein", kündigt Rothenpieler an.

2003 - Bentley gegen Audi?

Eine deutliche Anspielung auf Audis sündhaft teure Prunkbauten im Fahrerlager. Die zweistöckige Presse-Hospitality glich einem Nobelrestaurant. Noch luxuriöser der Palast für die Ehrengäste direkt neben der Strecke. Promis rotierten zu Dutzenden um die Roulettetische, Horden junger Hostessen servierten teure Zigarren. Die "No Angels", eigens eingeflogen, durften zum Mitternachtskonzert vorsingen.

Während diese Engel zum Siegesmarsch für Audi die Hüften kreisen ließen, legten die Teambosse der übrigen Hersteller bereits die Stirn in Falten. Die beiden Werks-Cadillac wurden von Anlasserproblemen gebeutelt, konnten das Tempo der Audi nicht mitgehen. Ihr Le-Mans-Engagement gilt nach drei Anläufen als gescheitert und beendet. Die MG in der kleinen 675er-Klasse waren schneller als Bentley, wurden jedoch von Motorschäden gestoppt. Die Zweiliterturbos der leichtgewichtigen Prototypen sollen überdies um 100 PS gekappt werden. Also dürfte auch MG - ohne Siegchance - den Rückzug antreten. Zwei Gegner weniger für Bentley. Aber 2003 könnte die Überlegenheit der Audi noch einmal - von Kundenteams - genutzt werden. Und 2004 soll Porsche (15 Le-Mans-Siege) wieder bei den Prototypen mitmischen. Mit geschlossenem Auto auf Basis des Carrera GT. Beeilung, Bentley!

Das Rennen von 16.00 bis 0.00 Uhr

16-17 Uhr Vom Start weg bestimmen die Werks-Audi das Tempo, setzen sich pro Runde um sechs Sekunden von den Verfolgern ab. Nur Michael Krumm im dritten R8 muss schon nach der Einführungsrunde zur Box - Reifenschaden durch einen spitzen Gegenstand auf der Strecke. Der holländische Spyker (GT-Klasse) muss wegen eines Batteriedefekts aus der Boxengasse nachstarten. Erster Ausfall: Bei seinem 24. Le-Mans-Start muss Yojiro Terada seinen Autoexe-Mazda mit Startnummer 24 schon nach 24 Minuten mit Getriebeschaden abstellen.

17-18 Uhr Johnny Herbert führt das Feld im Audi R8 weiter an. Schrecksekunde: Mit Aufhängungsbruch schießt der Ascari-Prototyp mit hohem Tempo über die Indianapolis-Kurve hinweg und knallt in die Reifen. Werner Lupberger bleibt unverletzt. Panoz (Nr. 11) verliert wegen eines Öllecks viele Runden an der Box.

18-19 Uhr Stop-and-go-Strafe für Kristensen im zweitplatzierten Audi (Überholen bei Gelb). Der dritte Werks-Audi hat sich von ganz hinten bis auf Platz drei nach vorn gekämpft. MG fährt auf Platz fünf, Kevin Buckler verspielt mit langsamen Rundenzeiten die Führung in der GT-Klasse.

19-20 Uhr Erst nach vier Stints räumt Johnny Herbert das Audi-Cockpit. Getriebewechsel am Kondo-Racing- Dome, MG schon auf Platz vier.

20-21 Uhr Ein erneuter Plattfuß am Audi von Michael Krumm spült den besten MG auf Platz drei. Überhitzungsprobleme bei Cadillac.

21-22 Uhr Der Krumm-Audi erobert Platz drei zurück. Überhitzungsprobleme bei Panoz. Am privaten Audi des Goh-Teams muss der Kühler getauscht werden. 32 Minuten Standzeit in der Box.

22-23 Uhr Bentley fährt auf Platz fünf nach vorn. Getriebeprobleme beim Spyker, Reparatur an der Box.

23-24 Uhr 32 Minuten Safety-Car-Phase. Der Knight-Hawk-MG steht brennend auf der Mulsanne-Geraden. Der führende Audi (Nr. 1) büßt fast eine Runde Vorsprung ein.

Das Rennen von 0.00 bis 8.00 Uhr

0-1 Uhr Noch immer führt Ferrari in der GTS-Klasse. Antriebsschaden beim viertplatzierten MG - Aufgabe. Bentley jetzt Vierter hinter den Audi.

1-2 Uhr Erneut geht das Safety-Car auf die Strecke. Der Courage von Eric Helary hat nach einem Dreher jede Menge Öl auf der Strecke verteilt.

2-3 Uhr Auf einem kleinen Teil der Strecke regnet es, doch alle bleiben auf Slicks. Nach dreieinhalb Stunden Reparatur kehrt der Panoz mit Nummer 11 wieder ins Rennen zurück.

3-4 Uhr Trotz Bremsbelagwechsel bleibt der Freisinger-Porsche an der Spitze der GT-Klasse.

4-5 Uhr Drama in der GTS-Klasse. Der Motor des Ferrari Maranello fängt Feuer, das Team gibt auf.

5-6 Uhr Bill Auberlen muss seinen Panoz die letzten Meter in der Boxengasse schieben. Hinterachswechsel. Der Racers-Group-Porsche erobert die Führung in der GT-Klasse zurück.

6-7 Uhr Motorschaden beim neuntplatzierten Riley & Scott. Getriebeschaden beim Dome-Judd des Kondo-Teams - Aufgabe. Auch Spyker muss mit Motorproblemen aufgeben.

7-8 Uhr Noch immer liegen die Audi in der Reihenfolge ihrer Startnummern (1, 2, 3) in Front. Cadillac macht Druck auf Bentley. Abstand nur noch eine Minute.

Das Rennen von 8.00 bis 16.00 Uhr

8-9 Uhr Auch der letzte MG scheidet mit Motorschaden aus. Reifenplatzer an beiden Cadillac. Beide behindern sich gegenseitig bei der Reparatur an der Box.

9-10 Uhr Vierter Reifenschaden am Nr.-2-Audi. Nr. 1 bisher ohne Reifenprobleme.

10-11 Uhr Der Dome-Judd (Nr. 16) gerät zweimal neben die Strecke. Motorschaden am Panoz (Nr. 12).

11-12 Uhr Vorentscheidung der GT-Klasse: Stop-and-go-Strafe für den Freisinger-Porsche. Grund: zu viele Mechaniker am Auto.

12-13 Uhr Die beiden führenden Audi fahren in der gleichen Runde, der dritte Audi zwei Runden dahinter. Der Bentley auf Platz vier hat schon zwölf Runden Rückstand.

13-14 Uhr Permanente Startprobleme für die beiden Cadillac beim Boxenstopp.

14-15 Uhr Aufgabe des Panoz-Mugen. Damit ist auch die einzige Frau im Feld aus dem Rennen. An der Spitze bleiben die Abstände konstant. Die beiden ORECA-Dallara liegen auf den Positionen fünf und sechs.

15-16 Uhr Mit dem Klassensieg in der LMP 675 vor Augen humpelt der WR- Peugeot (Nr. 25) mit Plattfuß zurück zur Box. Somit erbt der Reynard-Lehmann von Walter Lechner jr. den Sieg. Riesenjubel bei Audi über den Hattrick. Doppelsieg in der GTS-Klasse für die Corvette. Luhr/Bernhard/Buckler siegen in der GT-Klasse.

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