Porsche 919 Hybrid - Update

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24h Le Mans: Weltmeister Bernhard

— 15.06.2016

"Porsche ist meine Formel 1"

Sportwagen-Weltmeister Timo Bernhard jagt den Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Er erklärt ABMS die Tücken des Langstrecken-Klassikers.

Herr Bernhard, vor dem Highlight in Le Mans: Wie fällt die Saisonbilanz bisher aus?

Timo Bernhard: Das Positive ist, dass die Performance von unserem Auto uns drei Fahrern richtig stark ist. Das Negative aber: Mit 1,5 Punkten hat sich das noch nicht auf unserem Punktekonto niedergeschlagen. In Silverstone haben wir souverän geführt, bis mein Teamkollegen Brendon Hartley mit einem GT-Fahrer kollidiert ist. In Spa hatten wir wieder die Pole und eine starke Rennpace – bis wir aufgrund der durch zahlreiche Kollisionen herumliegenden Teilchen zwei Reifenschäden hatten. Aber für einen Fahrer ist es immer am wichtigsten, dass die Leistungsfähigkeit vom Team und vom Auto da ist, daher habe ich für Le Mans trotz allem ein gutes Gefühl. Sie haben den Unfall in Silverstone angesprochen: Ist das Überrunden der langsamen Autos die größte Herausforderung in Le Mans? Gibt es da immer wieder Situationen, bei denen es sehr knapp wird?

Solche Situationen gibt es und das begleitet dich auch 24 Stunden lang. Wir leiten die Überholmanöver ein und tragen daher die Verantwortung. Für uns ist es immer ideal, wenn wir die langsamen Fahrzeuge, die auch am Limit fahren, auf den Geraden überholen. Das ist erstens sicherer für beide und zweitens verliert man dadurch keine Zeit. Riskant wird es immer, wenn man beim Anbremsen auf sie trifft. Wenn man da zu lange zögert, verliert man Zeit. Und wenn man zu aggressiv ist, wird es gefährlich. Das ist also rennentscheidend.

Bernhard hat gut lachen: 2015 holte er mit Mark Webber und Brendon Hartley den WEC-Titel

Was macht den Langstreckensport so faszinierend


Die Langstreckenszene ist die tollste Disziplin, die man im Motorsport machen kann. Der Verkehr ist nur ein Punkt, der sie komplex macht. Wir müssen auch ständig unseren Fahrstil anpassen, denn nachts ist es kälter als beim Rennstart in der Mittagshitze. Das verändert das Fahrverhalten des Fahrzeugs. Dann gibt es die Teamkomponente. Es ist noch wichtiger, den Teamgedanken in den Vordergrund zu stellen. Und die Strecke in Le Mans ist heute einzigartig. Sie führt über Landstraßen, die sich ständig verändern und die einen Charakter haben, der an ganz alte Zeiten erinnert.

Sie sprechen die Teamkomponente an: Wie ist es, auch auf die Leistung der Teamkollegen angewiesen zu sein?

Das ist in der Tat eine Umstellung, die bei mir aber schon vor 15 Jahren stattgefunden hat. Selbst wenn man nicht im Auto sitzt, verfolgt man das Rennen, als würde man selbst fahren. Man schaut ständig in die Datenaufzeichnungen, was der Teamkollege da gerade so treibt. Und es ist ja nicht nur ein Zusammenarbeiten – die Kameradschaft, die sich auch jetzt gerade mit Mark Webber und Brendon Hartley entwickelt, ist wirklich etwas Besonderes.

Schlafen Sie nachts auch während des Le-Mans-Rennens?

Das kommt immer drauf an, wann ich fahre. Letztes Jahr hatte ich gar nicht die Gelegenheit dazu, weil ich den Start gefahren bin und da ist man normalerweise gegen ein oder zwei Uhr wieder im Auto. Da lege ich mich dann nur nach meinem Stint für eine Stunde oder so mal kurz hin, das braucht man auch um Kraft zu tanken, aber ein richtiger Tiefschlaf ist das nicht. Es ist schon verwunderlich, wie der Körper das alles absorbiert. Auch ohne Schlaf haben wir keinen Performance-Verlust.

Bereiten Sie sich da dann anders vor?

Der Trainingsplan ist schon klar für Le Mans als Höhepunkt ausgerichtet. Le Mans ist körperlich am anstrengendsten - nicht nur von der Länge her sondern auch weil wir hier am schnellsten fahren. Das ist mental anstrengend, weil man hochkonzentriert ist und permanent entscheiden muss, kann ich jetzt noch Überholen oder nicht. Mein Laufpensum nimmt deutlich zu und ich laufe länger um die Zeit im Auto zu simulieren. Das Nackentraining wird ebenfalls erhöht um die Stärke weiter auszubauen und ich achte besonders auf meine Ernährung um den Körper bestmöglich vorzubereiten. Ich schaue natürlich auch, dass ich so ausgeruht wie möglich bin, um die volle Leistung abzurufen und versuche in der Woche davor ausreichend Schlaf zu bekommen.

Wie schwierig, ist es nachts zu fahren? Anders als die Formel 1 in Singapur gibt es da ja keine Streckenbeleuchtung. Sieht man da die Bremspunkte überhaupt?

In der Nacht zu fahren ist eine riesige Herausforderung, hat aber auch was ganz Besonderes. Man ist komplett für sich. Ich bin auch immer wieder überrascht, dass man im Vergleich zum Tag fast die gleichen Rundenzeiten fährt, manchmal sogar schneller, weil die Bedingungen besser sind. Die Ausleuchtung ist nur sehr punktuell, weil wir ja auch lange Waldstücke durchfahren. Man fährt da mehr nach Gefühl als auf Sicht. Ich muss aber auch sagen, dass in den letzten Jahren die Lichter gerade auch am Fahrzeug selbst immer besser geworden sind. Sie sind vom Winkel her besser auf den Scheitelpunkt der Kurve ausgerichtet.

Bernhard hat 2010 Le Mans schon gewonnen, jetzt will er den Sieg mit Porsche

Wie geil ist es, die rund 1000-PS-Prototypen zu fahren? Ist das fahrerisch die Königsklasse im Motorsport?


Würde ich schon sagen, auch wenn ich noch nie ein Formel-1-Auto gefahren bin. Es wäre mal interessant, einen Vergleich zu haben. Für mich sind die LMP1-Protorypen die geilsten Autos, sie sind echt sexy und super schnell. Gerade live ist die Beschleunigung beeindruckend, wenn alle PS abgerufen werden. Das kommt im Fernsehen gar nicht so rüber. Das Produkt, das die WEC derzeit zeigt, ist schon wirklich gut. Daher verfolgen das auch immer mehr Zuschauer. Da hilft der Mythos Le Mans, aber ein Teil davon machen auch diese Autos aus. Technisch sind sie außerdem sehr anspruchsvoll, was für Hersteller ein Ansporn ist, sich in der Serie zu engagieren. Für uns Fahrer sind die Autos eine coole Herausforderung: Sie lassen sich von Kurve zu Kurve immer anders fahren, weil wir nicht permanent Allradantrieb haben, sondern nur temporär.

Auch wenn Sie noch nie ein Formel-1-Auto gefahren sind: War oder ist die Formel 1 für Sie noch ein Thema?

Ich hatte schon Mal Kontakte in der Formel 1, aber das ist schon ewig her: Als ich noch Formel-Ford gefahren bin, durfte ich 1998 oder 1999 mal ins Sauber-Formel-1-Werk hineinschnuppern und es gab dann auch mal lose Gespräche. Aber zum Glück habe ich schon sehr früh ein Engagement bei Porsche gehabt und bin Werks-Junior geworden. Das war der richtige Schritt. Ich bin seither begeisterter Formel-1-Zuschauer, aber für mich hat sich das Thema nicht mehr gestellt. Aber ich bin ganz froh, denn für Porsche in Le Mans zu fahren, ist meine persönliche Formel 1. Das ist Top-Motorsport, da kommt nichts mehr drüber.

Sie sind Sportwagen-Weltmeister und haben die 24-Stunden-Rennen in Le Mans und am Nürburgring gewonnen: Was fehlt noch?

Der Anspruch ist, immer ein Stück besser zu werden und die Erfolge einzufahren. Der WM-Titel letztes Jahr war sicherlich ein großer Traum. Aber das große Ziel ist jetzt noch, mit Porsche Le Mans zu gewinnen. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich habe Le Mans 2010 schon mit Audi gewonnen und das Rennen als Sieger zu beenden ist schon etwas Beeindruckendes für die Vita, aber mit Porsche wäre das ein Sahnehäubchen oben drauf.

Das wird nicht einfach: Die Konkurrenz scheint aufgeholt zu haben...

Ich denke, dass die drei Hersteller insgesamt näher zusammen sein werden, das hat man ja in Spa schon ein bisschen gesehen. Das wird sich alles auf einem hohen Niveau abspielen und man darf keinen Gegner außer Acht lassen. Mein Gefühl sagt mir, dass wir anfangs ein sehr enges Rennen sehen werden und dann kommt die Haltbarkeit dazu, denn Le Mans ist anstrengend für Mensch und Material. Und ja, das kann man gar nicht vorhersehen. Ich denke wir sind da ganz gut aufgestellt, aber das Rennen ist ein Monster. Man muss schauen, dass man das Rennen selbst besiegt.

Werden die Porsche-Umstrukturierungen innerhalb des LMP1-Teams Auswirkungen haben?

Nach den Leistungen bisher muss ich sagen: Wir sind sehr gut vorbereitet. Die Mannschaft, gerade auch die Führungsriege um Fritz Enzinger und Andreas Seidl ist seit mehreren Jahren zusammengeschweißt - das gibt dem Team große Stabilität und ist das Wichtigste für mich.

Auch in der LMP1-Klasse wird über die Zukunft diskutiert. Was wünschen Sie sich?

Die Autos sind richtig cool, ich hoffe, dass man die in der Richtung weiterbehält. Denn sie machen beim Fahren und auch beim Zuschauen Spaß – das ist ein wichtiger Faktor, warum wir einen so großen Fanzuspruch haben. Wenn zwei weitere Hersteller dazukommen würden, würde das die Serie nochmal auf ein ganz neues Niveau bringen. Aber das Produkt ist richtig gut. In Le Mans sieht man immer wieder: Da schaut die ganze Welt zu.

Wäre die LMP1 auch etwas für Ihr Team, das Sie gemeinsam mit Ihrem Vater im ADAC GT Masters betreiben?

Im GT Sport und gerade in der Zusammenarbeit mit Porsche fühlen wir uns wohl. Die internationalen GT Serien wäre ein tolles Ziel für uns in der Zukunft, die LMP Szene ist aber einige Nummern zu groß und derzeit kein Thema.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller

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