24h-Rennen 2006

24-Stunden-Rennen am Nürburgring 24-Stunden-Rennen am Nürburgring

24h-Rennen 2006

— 16.06.2006

Rock am Ring

Hochklassigen Sport gab's auch diesmal beim 24h-Rennen in der "Grünen Hölle". Und autobild.de fuhr mit – virtuell an der Playstation. Ein Live-Bericht.

Das verspricht Rennsport der Extraklasse, ein hartes Stück Arbeit und gleichzeitig ein Mordsspaß zu werden: 24 Stunden lang wird das AUTO BILD-Rennteam auf dem Asphalt und auf der Playstation2 um Ruhm und Ehre kämpfen – bei Deutschlands größtem Motorsport-Event, dem 34. ADAC Zurich 24h-Rennen. autobild.de fährt mit und berichtet live von der 24 Stunden langen Fahrt über die "Grüne Hölle" aus Bits und Bytes, mit Seitenblick auf das Rennen auf der echten Nordschleife. Am Samstag (17. Juni) um 14.00 Uhr geht es los: mit dem Audi A4 DTM im Gran Turismo4-Rennsimulator.

Während draußen die letzten Vorbereitungen für das reale Rennen laufen – unter anderem mit AUTO BILD-Testfahrer Dierk Müller-Sonntag –, flimmern in der Erlebniswelt Nürburgring schon die Computer-Monitore. Insgesamt sechs Teams werden sich auf der Playstation2 ein genauso spannendes Rennen liefern wie die lärmenden Boliden ein paar Meter weiter auf der realen Strecke. In loser Folge gibt es an dieser Stelle Live-Berichte – vom vermutlich härtesten Rennen, das je auf einer Konsole gefahren wurde, von den Real-Life-Racern und natürlich von der Atmosphäre in der Eifel. Fiebern Sie mit, wenn der Ring gerockt wird!

Samstag, 17. Juni, 10:00 Uhr

Die Nächte in der Eifel sind kalt – und kurz. Seit acht Uhr dröhnen am Nürburgring schon wieder die Motoren. Nicht nur auf der Rennstrecke, sondern vor allem auf der nahen Bundesstraße. Die ersten Motorsportverrückten treffen bereits mit der entsprechenden Geräuschkulisse ein. Ob so eine kurze Nacht nach einem entspannten Grillabend im AUTO BILD-Fahrerlager eine gute Vorbereitung für ein 24-Stunden-Rennen ist? In ein paar Stunden werden wir es wissen, wenn die Monitore und die Playstations angeworfen werden.

Einen Vorgeschmack vom nahenden Spektakel auf der echten Strecke gab es bereits gestern beim freien Training zum realen 24h-Rennen und bei der Youngtimer-Trophy – echter, ehrlicher Rennsport, wo ein Kadett C Coupé auch mal einen alten M3 versägt, am Ende aber ein Porsche 911 RSR gewinnt. Bei der Qualifikation zum Hauptrennen ein riesengroßes Starterfeld von 226 Teams mit mehr als 800 Fahrern. Da soll noch einer durchblicken. Entsprechend wuselig geht es in der Boxengasse zu, wo sich mehrere Teams eine Garage teilen müssen. Der Service-Bereich gleicht einem Ameisenhaufen im Ausnahmezustand.

Da dürfte das virtuelle Rennen überschaubarer werden: Hier treten nur sechs Teams mit jeweils zwölf Fahrern an. Es verspricht aber mindestens ein genauso harter Fight wie bei den Real-Life-Racern zu werden. Und körperlich anspruchsvoll wird es auch: Nicht nur, weil die ganze Nacht durchgefahren wird, sondern vor allem weil eine erste Sitzprobe in den Simulatoren gestern Abend gezeigt hat, daß ein knapp zwei Meter großer autobild.de-Redakteur keine annähernd bequeme Position finden kann – die Pedalerie ist zu nah am Sitz. Ob dadurch gute Rundenzeiten verhindert werden und wie der Start gelaufen ist, das lesen Sie in ein paar Stunden an dieser Stelle.

Samstag, 17. Juni, 15:30 Uhr

Seit einer Stunde läuft die Rundenhatz auf der virtuellen Nordschleife. Die gute Nachricht vorweg: Bei den Testfahrten kurz vor dem Start hat sich die drangvolle Enge im Cockpit nicht als so nachteilig herausgestellt wie befürchtet. Daß ich trotzdem nicht eine einzige saubere Runde auf die Strecke zaubere, hat andere Gründe. Zuwenig Konzentration, mangelndes Können vielleicht, oder einfach der Druck, fürs AUTO BILD-Team alles geben zu müssen.

Als erster hatte nach klassischem "Le Mans"-Start Qualifikant Daniel Burda für uns ins Lenkrad gegriffen und mit Zeiten um 6:34 Minuten ordentlich losgelegt. Das könnte für eine Position ganz vorne reichen, aber im Nissan-Team sitzt ein Magier am Lenkrad – 6:06 Minuten sind außerirdisch. Da reicht mein Talent am Lenkrad des 460 PS starken DTM A4, wie oben erwähnt, nicht ganz aus. Als ich nach einer halben Stunde an Mark Bourichter übergebe, liegen zwar alle Teams noch in einer Runde, der Rückstand auf die führenden Falken dürfte aber bereits bei fünf Minuten liegen. Nun, das Rennen ist ja noch lang, und ein 24h-Rennen wird nicht in den ersten 90 Minuten entschieden.

Die echten Renner sind auch schon auf der Strecke. Wenig überraschend hat der Porsche 911 GT3 von Manthey Racing die Führung aus der Qualifikation behauptet. Ganz aussichtsreich auf Platz sieben liegt der BMW M3 GTR – das gleiche Fahrzeug hat im letzten Jahr für das Schnitzer-Team gewonnen. Darüber würde sich das Team Reader Motorsport im Moment wohl auch freuen: Der eingesetzte Lamborghini Gallardo steht schon zur Reparatur in der Box – es wird nicht der Letzte sein, den es bis morgen erwischt. Noch frei von Problemen ist AUTO BILD-Testfahrer Dierk Müller-Sonntag. Zwar ist der Audi A3 mit der Startnummer 103 vom 56. auf den 60. Platz zurückgefallen, aber er läuft ohne Probleme. Ob das so bleibt, und wie es an der Playstation weitergeht, lesen Sie hier in ein paar Stunden.

Samstag, 17. Juni, 21:00 Uhr

Dank der sechs Cracks aus der freitäglichen Qualifikationsrunde hat das AUTO BILD-Team die rote Laterne in der Erlebniswelt wieder abgegeben. Mit zwei Runden Rückstand auf den Führenden sieht es jetzt schon wieder etwas besser aus. Und Daniel Burda, Uwe Theis, Christian Linkmann, Patryk Dobrowski und der extra aus der Schweiz angereiste Pascal Voigt geben weiter Gas. Die Print- und Online-Profis mögen in echten Autos auf echten Rennstrecken schnell sein – das bedeutet hier leider nichts. Und es macht nichts: Dann fahren die Playstation-Experten eben längere Turns.

Über dem Eifelkurs senkt sich langsam die Sonne, jetzt zieht langsam die quälend lange Nacht in der grünen Hölle hinauf. Zeit für einen Rückblick auf den Nachmittag an der Strecke: An Brünnchen, Karussel und am Pflanzgarten campieren so viele Vollgas-Freaks, daß es jeden Digitalkamera-Speicher sprengen würde, wenn man sie alle fotografieren wollte. Deshalb gibt es auch nur zwei besonders schöne Exemplare in der Galerie. Die bombastische Stimmung rund um die Nordschleife läßt sich mit einem unbewegten Bild sowieso nicht einfangen. Etwas schlechter ist die Laune beim AUTO BILD-Team, das den Audi A3 über die echte Strecke prügelt – ein Reifenplatzer bedeutet eine langsame Fahrt mit anschließendem Boxenaufenthalt. Das kostet Zeit und 100 Plätze. Aber die Truppe um Dierk Müller-Sonntag ist zurück auf der Strecke und macht den verlorenen Boden wieder gut.

Nicht mehr ins Rennen eingreifen wird der VW Golf R-TDI mit der Startnummer 255. Im Streckenabschnitt Wehrseifen schießt ihn Eric van de Poele im Maserati Gransport GT3 ab und es kommt zu einem heftigen Überschlag. Heiner Immigs Golf bleibt auf dem Dach liegen, das sieht dramatisch aus. Zum Glück passiert den Fahrern nichts – beide können ihr Fahrzeug unverletzt verlassen, aber weiterfahren ist für beide unmöglich.

Vor mir liegt noch eine letzte Runde am Simulator – nicht zu lange natürlich, ich will ja den Profis nicht das Rennen kaputtmachen –, dann geht es in die Boxengasse, ein bißchen Atmosphäre schnuppern. Und danach? Vielleicht noch einen Drink zur Nacht und ab ins Bett – denn Online-Redakteure müssen schlafen, auch wenn das Internet nie ins Bett muß. Morgen ist ja auch noch ein Tag ...

Sonntag, 18. Juni, 7:00 Uhr

Was für eine Nacht! 24h-Rennen sind am besten, wenn es dunkel ist – auch wenn man wegen des nicht abreißenden Lärms der hochgezüchteten Rennwagen kaum zur dringend benötigten Nachtruhe kommt. Tiefschlaf? Fehlanzeige! Und das gilt im Besonderen für die Boxengasse. Hier herrscht auch nachts die gleiche hektische Betriebsamkeit, wie schon den ganzen Tag über. Mit dem Unterschied, daß es einfach besser aussieht, wenn die Sonne untergegangen ist. Auch die Autos auf der Strecke geben mit ihrem gleißenden Scheinwerferlicht ein noch beeindruckenderes Bild ab.

Hier liegt die größte Schwäche der Playstation-Variante in der Erlebniswelt. Das Licht und das Wetter auf der virtuellen Strecke wechseln nie – hier ist es immer ungefähr 15 Uhr bei blauem Himmel und ein paar Schäfchenwolken. Auch die Führung im Rennen hat noch nicht gewechselt: Unverändert führt Nissan, dahinter liegt T-online. Und dann kommt das AUTO BILD-Team – in einer Runde mit Falken und Sport Auto. Jetzt ernten die Qualifikanten langsam den Lohn ihrer durchweg starken Rundenzeiten.

Und ganz sicher ist die gute Plazierung auch ein Verdienst unserer Geheimwaffe Jean-Marie Rathje. In der Freitagsqualifikation auf Höhe der Top-Zeiten, konnte er erst gegen zwei Uhr heute Nacht zum ersten Mal für AUTO BILD ins Lenkrad greifen – der Abi-Ball seiner Schwester stand einem früheren Renneinsatz im Wege. Jetzt hat er die Top-Zeit des Teams auf 6:06 Minuten geschraubt. Mit ihm dürfte es auch noch ein paar Plätze nach vorne gehen. Mal sehen, wo wir um 14 Uhr stehen, wenn an den Simulatoren die Zielflagge geschwenkt wird.

Während in der echten Boxengasse auch am frühen Morgen noch überall schlafende Menschen zu sehen sind, scheinen die Playstation-Profis kein ausgeprägtes Ruhebedürfnis zu haben. "Mir fallen auch schon die Augen zu, aber ich muß ja gleich fahren", sagt zum Beispiel Christian Linkmann. Auf der echten Strecke dürfte so eine Einstellung ziemlich sicher zum Unfall führen, aber am Simulator funktioniert's. Und hier bleibt ein Crash – bis auf die zerstörte Rundenzeit – für die Autos absolut folgenlos.

Das ist bei den Real-Life-Racern ganz anders, aber Dierk Müller-Sonntag und sein Audi A3 sind, bis auf den zerlegten Reifen gestern Nachmittag, von schlimmeren Schäden verschont geblieben. Das AUTO BILD-Team liegt mit 68 gefahrenen Runden auf Platz 69. An der Spitze ist gegen den Manthey-Porsche kein Kraut gewachsen – mit mittlerweile 101 Runden liegt er schon seit Rennstart auf Platz eins und hat gerade den zweitplatzierten Alzen-Porsche überrundet.

Sonntag, 18. Juni, 12:00 Uhr

Zwei Stunden vor Ende des 24h-Rennens auf der Playstation gibt es noch mal schnell ein kurzes Update. Passiert ist ... nichts. Keine Positionswechsel, keine technischen Ausfälle, keine Dramatik auf und neben der Strecke. Gut fürs AUTO BILD-Team, denn das bedeutet: immer noch Platz drei. Die Cracks zeigen kaum Anzeichen von Müdigkeit und fahren nach wie vor teuflisch schnelle Runden. Wenn beim zweitplazierten T-online noch was schiefgeht, ist für uns vielleicht noch die Silbermedaille drin.

Auf der "echten" Strecke sieht es mit den Positionswechseln an der Spitze ähnlich aus wie in der Erlebniswelt. Der Manthey-Porsche führt immer noch, dahinter seit Stunden die Alzen-Mannschaft – ebenfalls auf Porsche GT3. Die knapp 200.000 Zuschauer langweilen sich trotzdem nicht. An der Strecke ist die Hölle los. Wie immer eigentlich, in diesem Jahr allerdings vollkommen ohne Niederschläge. Heißt: Outdoor-Action auf trockenen Plätzen, statt wie in der Eifel üblich im knietiefen Schlamm.

Sonntag, 18. Juni, 15:00 Uhr

Die schwarz-weiß karierte Flagge ist geschwenkt – bei den Konsolensportlern und den Real-Life-Racern. Seit zwei Uhr ist in der Erlebniswelt wieder die normale beschauliche Ruhe eingekehrt. Schön, wenn nicht mehr der Lärm von sechs Simulatoren durch die Halle dröhnt. Noch schöner ist es, daß das AUTO BILD-Team den Sprung aufs Siegertreppchen geschafft hat. Wie es sich schon in den frühen Morgenstunden abzeichnete, springt am Ende hinter dem Team Nissan und T-online der dritte Platz raus.

Ohne die sechs Profis aus der Freitagsqualifikation wäre das aber sicher nur ein schöner Traum geblieben. Das Ergebnis hat also noch zwei Plätze Luft nach oben. Dazu müssen die Print- und Online-Redakteure aber noch ordentlich Trainingsrunden absolvieren. Es ist ja ein ganzes Jahr Zeit.

Auf der echten "grünen Hölle" gibt es zum Rennende auch keine Überraschung mehr – aber einen Riesenerfolg: Nach zahllosen Anläufen haben es die Lokalmatadoren vom Manthey Racing Team endlich geschafft, das 24h-Rennen in der Eifel zu gewinnen. Dahinter mit einer Runde Rückstand der Porsche GT3 der Alzen-Truppe. Dierk Müller-Sonntag und seine Kollegen landen am Ende auf dem 45. Platz. Nicht schlecht, wo hier doch ankommen schon die halbe Miete ist.

Ich müßte jetzt auch mal wieder ins Auto – auf die Bahn Richtung Norden. Nach drei Tagen am Nürburgring lockt die Aussicht, in einem richtigen Bett zu schlafen. Vor allem ohne die Geräuschkulisse von 230 Rennautos, die rund um die Uhr um die Strecke heizen. Schwamm drüber! Das 24h-Rennen am Ring schlaucht zwar gehörig, es bleiben aber so viele großartige Eindrücke hängen, daß es in knapp einem Jahr ganz sicher wieder kribbeln wird ...

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