25 Jahre Brabus

25 Jahre Brabus 25 Jahre Brabus

25 Jahre Brabus

— 17.04.2003

Die Ich-GmbH

In 25 Jahren machte Bodo Buschmann aus einer Studenten-Bude den größten eigenständigen Tuner der Welt. Hausbesuch beim Brabus-Boss.

Der Brabus-Boss sieht alles, merkt alles

"Sven, Sven!" Die Stimme ist gar nicht mal so laut, die sich ihren Weg da quer durch die Werkshalle bahnt, und doch scheint sie den Raum bis in die letzte Ecke auszufüllen. "Sven, Sven!", ruft Bodo Buschmann (47) noch mal, dann faltet er die Hände hinter dem Rücken und wippt auf den Zehenspitzen. In solchen Momenten wirkt er immer ein wenig wie ein Feldherr.

"Sven, guck mal hier!", befiehlt der Brabus-Boss jetzt seinem herbeigeeilten Pressesprecher Sven Gramm und zeigt auf den Crossblade, in dem Buschmann gleich fotografiert werden soll. "Da an der rechten Radnabe, die Stelle da, da ist doch ein kleines bisschen Flugrost. Mensch, das hätte doch schon mal jemand wegmachen können, da verlieren wir jetzt unnötig Zeit."

Und so geht das munter weiter: "Sven, Sven!", ruft Buschmann, wenn Gramm schauen soll, ob das nächste Fotomotiv vor einem 6.3-Biturbo-Motor gut aussieht. "Sven, Sven!", ruft Buschmann auch, wenn er wissen will, ob der Werkstattwagen im Hintergrund nicht vielleicht doch stört. Kurz gesagt: Der Mann sieht alles, der Mann merkt alles. Und wenn es sein muss, dann kümmert er sich auch um alles. Die Brabus GmbH ist nicht denkbar ohne ihren Gründer und geschäftsführenden Alleingesellschafter. Im Grunde ist Brabus eine Ich-GmbH.

250 Millionen Euro Umsatz pro Jahr

Am 4. November 1977 gründete Buschmann das Unternehmen, damals war er noch Jura- und BWL-Student und fuhr einen Strichachter, der ihm als Serienmodell zu langweilig war. In einer kleinen Halle gegenüber dem Mercedes-Benz-Autohaus seines Vaters baute er die ersten 20 Autos um. Heute, 25 Jahre später, ist Brabus der größte eigenständige Autotuner der Welt. Der Mercedes-Benz-Veredler macht 250 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und ist in mehr als 80 Ländern vertreten. "Es gibt Momente", sagt Bodo Buschmann auf dem Weg in sein Büro, "da staune selbst ich."

Er wirkt jetzt ganz anders als eben noch in der Halle. Nicht mehr der große, kräftige, allgegenwärtige Buschmann. Der dieses grelle grüne Brillengestell, für das man wirklich eine Menge Selbstbewusstsein braucht, gar nicht tragen müsste, um bemerkt zu werden. Jetzt, wo er über die Vergangenheit spricht und über die Zukunft von Brabus, wirkt Buschmann nicht wie ein Feldherr. Er ist nachdenklich. Ruhig. Leise.

"Die ersten drei bis vier Jahre mit Brabus waren unbeschwerter, weil man ungestümer rangehen konnte", sagt Buschmann, während er sich einen Zigarillo anzündet. "Heute ist die Verantwortung größer, heute hat man mehr zu verlieren." Es geht ja nicht mehr nur um ihn und ein paar Kumpels, sondern um mehr als 350 Mitarbeiter.

Brabus wächst und wächst und wächst

Was natürlich nicht heißen soll, dass es ihm weniger Spaß machen würde als in den Anfangsjahren, als die Spoiler noch auffälliger waren und man ihn in der Szene Bodo Ballermann nannte. "Aber der Spaß hat sich verändert. Heute macht es mir Spaß, zu sehen, wie die Faszination einer Idee um die Welt geht. Wenn mir in Tokio 400 Presseleute zuhören, erfüllt mich das mit Stolz."

Oder die Geschichte neulich in Osaka. Da bat ihn ein japanischer Kunde, auf dem cremefarbenen Interieur seiner S-Klasse zu unterschreiben. Ein bisschen peinlich war ihm das schon. Nach der dritten Bitte hat er dann doch unterschrieben. "War gar nicht so einfach. Man hat ja nur eine Chance, es gut zu machen", sagt Buschmann – und lacht wie ein vergnügter Junge.

Schon seltsam: Deutschland klagt und jammert und heult, aber Buschmann lacht, und Brabus wächst und wächst und wächst. Das Joint Venture Smart-Brabus, die Chrysler- Tuningschmiede Startech, die Brabus-Niederlassung in Newport bei Los Angeles sollen längst nicht alles gewesen sein: "Es gibt noch viele weiße Flecken auf der Landkarte, wo wir nicht vertreten sind. Und wo wir schon sind, da werden wir die Strukturen verbessern. Wir wachsen weiter", kündigt Buschmann an und begründet das so: "Je internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, desto unabhängiger wird es von der Konjunktur und von Krisen in einzelnen Staaten." Sowohl die Anschläge vom 11. September als auch die Talfahrt in Deutschland gingen an der Bottroper Edelschmiede fast spurlos vorbei. Brabus geht immer.

Perfektion, bis es an die Substanz geht

Dass Buschmann es so weit geschafft hat, kommt ja nicht von ungefähr. Er selbst meint: Es liegt an seiner Leidenschaft für Autos und an seinem Drang nach Perfektion. Man muss sich da nur mal in seinem Büro umschauen: Alles fein säuberlich sortiert. Hier die Autozeitschriften, dort Prospekte, da Notizen. Und zwar exakt auf Kante gelegt, kein Blatt guckt schief hervor.

Diese Perfektion erwartet Buschmann sowohl von sich als auch von seinen Leuten – und wenn es an die Substanz geht: Heute zum Beispiel ist er um halb sechs aufgestanden, vor 22 Uhr wird er das Büro nicht verlassen. Selbst einer wie Buschmann wirkt da ein wenig berufsmüde. "Ich möchte bestimmt nicht arbeiten, bis ich 67 bin. In sieben oder acht Jahren will ich anfangen, kürzer zu treten", sagt er. Hm! Brabus ohne Buschmann? Buschmann ohne Brabus? Kann man sich irgendwie kaum vorstellen ...

Das ist Brabus Klaus BRAckmann und Bodo BUSchmann hießen die beiden Studenten, die 1977 Brabus gründeten. Dafür waren damals laut Gesetz noch zwei "natürliche Personen" notwendig. Nach vier Wochen kaufte Buschmann seinem Kommilitonen die Anteile für 1000 Mark ab. Heute ist Brabus der renommierteste Mercedes-Benz-Tuner, veredelt pro Jahr etwa 7000 Pkw und macht mit mehr als 350 Mitarbeitern etwa 250 Millionen Euro Umsatz. Schärfstes Projekt: Im Sommer kommt der Brabus E V12 auf Basis der neuen E-Klasse – 640 PS stark, 340 km/h schnell, 300.000 Euro teuer.

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