307 CC gegen Mégane Coupé-Cabriolet

Vergleich: Peugeot 307 CC gegen Renault Mégane Coupé-Cabriolet Vergleich: Peugeot 307 CC gegen Renault Mégane Coupé-Cabriolet

307 CC gegen Mégane Coupé-Cabriolet

— 03.11.2003

Air France

Vier Plätze unter freiem Himmel, ein Dach als Reise-Versicherung und das alles zum Economy-Tarif – damit werden 307 CC und Mégane CC abheben.

Viersitzer? Eine elegante Lüge

Frankreich hat uns schon manche automobile Extravaganz beschert: das rollende Wohnzimmer namens Espace, einen dreisitzigen Sportwagen (Matra Bagheera) und zuletzt den Bonsai-SLK – der Peugeot 206+ CC ist Deutschlands meistgekauftes Cabrio. Der Erfolg ermutigt die Franzosen, nun erstmals viersitzige Cabrios mit festem Faltdach zu bauen. Fahren der Peugeot 307 CC und Renault Mégane Coupé-Cabriolet in die nächste Marktlücke – oder direkt ins optische Abseits?

Denn die Schmetterlinge, die sonst beim Anblick von Cabrios im Bauch losflattern, bleiben vor den beiden CC verschlafen liegen. "Schön sindse nich", urteilt das Herz. Was vorn noch schwungvoll beginnt, endet in einem Heck so breit und hoch wie der Tresen einer Bahnhofskneipe. Peugeot jedenfalls hat früher schönere Cabrios gebaut – elegantere Coupés sowieso.

Aber ein CC will ja beides sein, der Renault zudem noch rollender Wintergarten mit seinem serienmäßigen Glasdach (wie sich das wohl im Frühjahr aufheizt?) Haken wir also – ganz ungewohnt für Cabrios – zunächst ihre Nutztalente ab. Unter den riesigen Heckdeckeln warten Kofferräume, die locker für den Urlaub eines Paares reichen, vor allem, wenn die Rückbank als zusätzliche Gepäckablage dient. Die Bezeichnung "Viersitzer" tarnt nämlich eine elegante Lüge: Im Fond sitzen nur Kinder gut, Erwachsene stoßen unters Dach und mit den Knien gegen die Sitzlehnen – oder zerstören bei offenem Dach ihre Frisur. Wer je im Cabrio hinten gesessen hat, fragt beim nächsten Mal nach einem Taxi.

Winterfest in knapp 25 Sekunden

Immerhin bietet der Fond für Einkaufstüten mehr Platz als ein SLK, der im Alltag doch schmerzhaft kneift. Und im Vergleich zu Edel-Cabrios vom Schlag eines Audi A4 besitzen die beiden Hardtops einige erwärmende Vorteile: Man residiert heller dank der größeren Scheiben, die schmalen Dachpfosten geben bessere Rundumsicht, und im Herzen glimmt die sichere Freude, dass Stahldächer niemals ausbleichen oder reißen. Winterfest in 25 Sekunden – ohne Frage charmant.

Dass die Technik der Faltdächer noch reifen darf, zeigen die französischen Vorreiter im Detail: Der Fahrtwind pfeift laut ums solide Renault-Dach (gebaut bei Karmann), der Peugeot knistert geschlossen schon im Neuzustand aus vielen Ecken. Ob die beiden Falthimmel ein Autoleben lang wartungsfrei halten? Ein Blick auf das komplizierte Dachgestänge im Kofferraum weckt Zweifel, denn ein ganz normaler Heckaufprall könnte hier ähnliche Wirkung erzielen wie der Elefant im Porzellanladen.

So weit gleichen sich die beiden, als hätten die Firmen Werkspionage betrieben. Ein Knopfdruck in der Mittelkonsole startet die vollelektrische Dach-Show mit Sirren, Knacken und Falten – bis alle Fenster bündig versinken und ein makellos glattes Dekolleté ergeben.

Genussvoll gondeln im Mégane

Sind die Dächer verstaut, dann ist gefühlsechtes Cabrio-Erlebnis garantiert. Die lange Frontscheibe stört weniger als erwartet, der Wind pfeift schon ab Tempo 50 so kräftig um die Pfosten, dass hinten die Sicherheitsgurte flattern. Der Peugeot kehrt schon auf den ersten Metern den Sportler heraus: federt straffer, lenkt präziser und weckt mit seinem hellwachen 2,0-Liter-Motor die Lust am Gasgeben. Aber schnell wird klar, dass die knapp anderthalb Tonnen Leergewicht reichlich PS-Power schlucken und dass das schwere Dach für eine flottere Fahrweise immer an der falschen Stelle positioniert ist: entweder weit oben oder weit hinten im lang gezogenen Heck.

Dann doch lieber genussvoll gondeln, wie's der Mégane nahe legt. Seine Federung schluckt alles, die Lenkung sogar die Lust am Lenken. Sein Motor ist viel flotter, als er zunächst wirkt; schlanke 8,4 Liter Testverbrauch (natürlich nur bei geschlossenem Dach) halten die Kosten im Zaum.

Damit zum größten Hinguck-Faktor der Franzosen – dem Preisschild. 21.900 Euro steht drauf beim kleinsten Mégane mit 113 PS, scheuklappenlose Realisten lockt der 120-PS-Diesel für 24.200 Euro. Gegner? Der New Beetle ist Mode (ab 19.750 Euro), der Astra alt (ab 21.945 Euro), der Audi teuer (ab 32.900 Euro) – und alle haben nur Stoffdächer. Nun betrachtet man die Franzosen plötzlich mit Schmetterlingen im Blick ...

Technische Daten und Testwerte

Wichtiger Unterschied: Mit seinen sechs Gängen verlangt der Renault mehr Schaltarbeit, während der Peugeot mit fünf Gängen leicht auskommt und schaltfaul zu fahren ist – sehr Cabrio-mäßig.

Kosten und Ausstattungen

In der Ausstattung bewerten wir jeweils das Basismodell, als Fotowagen stellt Renault einen Privilège bereit. Bei Renault sind die Klimaautmatik (vezichtbar) und die Audio-Anlage (muss sein) extra zu bezahlen, dafür ist das Glasdach samt Rollo serienmäßig an Bord.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat Kennen Sie den Cabrio-Test? Einmal ums Auto laufen, und das Herz weiß: Der isses. Und der nicht. So entscheidet man in der wichtigsten Cabrio-Frage dieses Winters (!), ob man lieber den kantigen Renault mag oder den runderen Peugeot. Die Zeit drängt, im Frühjahr sind die günstigen Faltdach-Franzosen ziemlich sicher ausverkauft. Und wer's jetzt noch genau wissen muss: Der komfortbetonte, geräumigere Renault gewinnt, weil er besser bremst und weniger kostet. Aber interessiert das irgendjemanden bei dieser Herzensfrage?

Mégane CC oder 307 CC – Ihr Urteil

Testwerte sind harte Fakten. Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen aber nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Renault Mégane Coupé-Cabriolet und Peugeot 307 CC. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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