40 Jahre Lamborghini

40 Jahre Lamborghini 40 Jahre Lamborghini

40 Jahre Lamborghini

— 12.05.2003

Der Stierkampf geht weiter

Lamborghini: Was vor 40 Jahren begann, setzt Audi mit neuer Technik fort.

Wut auf Ferrari

Wer heute ahnungslos die Piazza dei Martiri in der norditalienischen Kleinstadt Sant' Agata Bolognese besucht, wird seinen Augen nicht trauen: Etwa 200 Lamborghini-Sportwagen, zusammen um die 60.000 PS stark, glänzen dort um die Wette. Grund des Vollgas-Treffens: Der hier ansässige Autohersteller feiert sein 40-jähriges Bestehen.

Vor wenigen Jahren noch prophezeiten Branchenkenner der Marke mit dem zornigen Stier im Wappen eine düstere Zukunft. Doch die Zeiten haben sich geändert: Mit zwei modernen Modellen steht man nun besser da denn je. Wurden in schlechten Jahren keine 100 Wagen montiert, entstanden 2002 immerhin 424 Exemplare Typ Murciélago; insgesamt sind bisher knapp 10.000 "Lambos" produziert worden.

Dass es einmal so kommen würde, hatte Traktoren-Fabrikant Ferruccio Lamborghini, Selfmade-Millionär mit italienisch-aufbrausendem Temperament, 1962 noch nicht geahnt, als er sich einen neuen Ferrari zulegte. Die Legende besagt, das neue Spielzeug habe mit diversen Mängeln den Unmut seines Besitzers erregt. Also stieg er kurzentschlossen in seinen Boliden und fuhr rüber zum Ferrari-Werk in Maranello. Dort wollte er dem Commendatore, wie Ferrari ehrfürchtig genannt wurde, mal deutlich die Meinung sagen. Doch Enzo soll Ferruccio durch die offene Bürotür als Bauern tituliert und gar nicht erst empfangen haben. Wutschnaubend zog Lamborghini ab. Und noch auf der Rückfahrt schwor er, es dem hochnäsigen Ferrari zu zeigen.

Miura macht den Stier weltberühmt

In Sant'Agata Bolognese stampfte er ein Werk aus dem Boden und engagierte fähige Techniker, um seinen ersten eigenen Sportwagen auf die Räder zu stellen. Einige Ingenieure warb er dafür von Ferrari ab. Autofans lieben solche Geschichten. Bereits auf der Turin Auto Show 1963 stand der Lamborghini 350 GTV, ein grünmetallic lackierter Zweitürer mit 347 PS-V12-Frontmotor und Heckantrieb. Kein Jahr später ging das Modell zunächst als 350 GT in Serie; bis 1968 entstanden knapp 400 Exemplare und eine Philosophie, die von schierer Leistung und Anti-Ferarrismus geprägt sein sollte.

Bis heute versucht man bei Lamborghini etwas schneller zu sein als die rote Konkurrenz - der kraftstrotzende Stier darf da als mehrdeutiges Symbol verstanden werden. Weltweite Berühmtheit erlangte das Firmenwappen 1967: Da stellte Lamborghini sein zweites und bis heute legendärstes Modell vor, den Miura. Das nach einem Kampfstier benannte und von Bertone gestylte Auto wird zu den schönsten Sportwagen aller Zeiten gezählt. Technik-Freaks ergötzten sich an einem besonders leichten Kastenrahmen oder dem aufwändig konstruierten, quer hinter der Kabine eingebauten V12-Triebwerk. Damit läutete der Miura eine Mittelmotor-Ära ein, der auch Ferrari ab 1969 folgen sollte. Lamborghini schaffte den Schritt vom Emporkömmling zum anerkannten Sportwagenproduzenten, ohne jemals in der Formel 1 gestartet zu sein.

Auf den 674-mal gebauten Miura folgte 1971 der radikale Countach. Dieser wieder von Bertone entworfenen Donnerkeil mit seinen bis zu 455 PS sollte das Image vom Lamborghini-Piloten nachhaltig prägen: extrovertiert, selbstverliebt - und ein wenig vulgär. Kaum weniger auffällig war der wuchtige Geländewagen LM002 (1986-92). In Form und Fahrleistungen etwas dezenter kamen die Modelle Espada (1968-78), Islero (1968/69), Jarama (1970-78) oder Urraco (1970-79) daher.

Audi haucht den Lambos meues Leben ein

Bereits 1972 hatte Ferruccio die Mehrheit seiner Edelschmiede an einen Schweizer Geschäftsmann verkauft, bevor er zwei Jahre später total ausstieg: Er soll den Spaß an schnellen Autos verloren haben und baute fortan Wein an, bevor er 1993 starb. Mit dem Abschied des Namensgebers schien der Niedergang des Hauses besiegelt; in Sant'Agata gaben sich neue Besitzer gegenseitig die Klinke in die Hand: Nach dem italienischen Lebensmittel-Tycoon Mimran (1980-87) hielten Chrysler (1987-94) sowie die indonesischen Unternehmen Megatech (ab '94) und V-Power (ab '95) zwar die Produktion und den Diablo am Laufen, modernisierten das Werk aber nur halbherzig.

Die Wende kam 1998, als VW-Tochter Audi den ganzen Laden für ein Butterbrot erwarb. Seither geht es in Sant'Agata wieder steil bergauf, denn die Ingolstädter investierten 155 Millionen Euro in moderne Anlagen und ein neues Modellprogramm. Die anfänglich skeptisch beäugten Tedesci sind heute hochgeschätzt, denn sie liefern ein technisches Know-how, von dem Lamborghini bisher nicht mal zu träumen wagte. Erstes Ergebnis der Anstrengungen ist der 2001 präsentierte und 338 km/h schnelle Murciélago (ab 224.000 Euro), den es 2004 auch als Spider geben wird: So fein abgestimmt und sauber verarbeitet war kein Lambo zuvor.

Im September kommt mit dem "kleinen", 139.000 Euro teuren Gallardo eine zweite Modellreihe auf den Markt, deren Montagelinie heute offiziell von Lamborghini-Chef Werner Mischke eingeweiht wird. Mit dem Gallardo will das Haus auch bei den Stückzahlen zulegen; bis Ende 2003 sollen 600, danach jährlich 1300 Exemplare gefertigt werden. Der V10-Motor mit 500 PS sowie ein relativ langer Radstand und kurze Überhänge weisen den Gallardo als sportliches Vollblut aus, das vor allem dem Ferrari 360 (400 PS) das Fürchten lehren soll. Ein Oben-ohne-Gallardo ist ebenfalls in Vorbereitung. Derzeit arbeiten in Sant' Agata 600 Menschen - so viel wie nie. Eines jedoch wird sich niemals ändern: Wer Lamborghini fährt, hat alle Aufmerksamkeit für sich - nicht nur auf der Piazza dei Martiri.

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