4x4 Challenge 2005 von AUTO BILD und Nissan

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4x4 Challenge 2005 von AUTO BILD und Nissan

— 22.11.2005

Abenteuer in Südafrika

So ein 4x4-Finale hatte bisher noch keiner erlebt: Bei der Entscheidung am Kap der Guten Hoffnung wollten Tausende von Lesern dabeisein. Aber nur für vier Frauen und zwölf Männer ging dieser einmalige Traum in Erfüllung.

Auf Tuchfühlung mit einer Elefanten-Herde

Fotograf Markus Heimbach zeigt wortlos auf den Dung am Wegesrand. Kein Zweifel, wir kommen näher. Äste vertrockneter Bäume peitschen gegen unseren Patrol. Jetzt kann es nur noch Minuten dauern. Es riecht schon nach ihnen. Dann ein Wasserloch. Wir stoppen. Im Unterholz knackt es. Augenblicke später bewegt sich der halbe Wald. Und dann ist es soweit: Eine Herde Elefanten spaziert in aller Seelenruhe um das Führungsfahrzeug unseres Nissan-Konvois. Urplötzlich stehen Elfenbein-Vierbeiner vor den 4x4-Kolossen aus Stahl. Der Leitbulle stellt die Ohren auf – schaut unruhig. Niemand redet, nur Motoren blubbern leise. Der Elefant verharrt kurz, um dann mit dem Rüssel erst hohes Gras herauszureißen und wenig später genüßlich vom Fluß zu kosten. Das Wasser interessiert ihn viel mehr als diese merkwürdigen Zweibeiner in ihren kleinen Blechdosen. Markus füttert derweil seine Digitalkamera mit spektakulären Fotos. Dann machen wir uns gaaanz langsam aus dem Staub.

Wenig später erreichen wir wieder die Küste des Indischen Ozeans. In Botlierskop, einem Game Reserve George nahe George, machen wir Pause. "Das war ein einmaliges Erlebnis", bringt's später einer der 16 Finalisten auf den Punkt, was wir alle denken. Südafrika zum Anfassen, Offroad pur, ohne Netz und doppelten Boden. Vier Tage zuvor begann dieses Abenteuer. Nach zwölf Stunden Flug schwebten wir knapp 600 Kilometer westlich über die faszinierende Kulisse des Tafelbergs bei Kapstadt ein. Zusammen mit den zwölf Männern und vier Frauen, die sich in vier europäischen Vorausscheidungen für dieses einzigartige Finale qualifiziert hatten.

Vor dem "SAS Waterfront"-Hotel, einem der besten Häuser von Capetown, steht die Wettbewerbs-Flotte ausdiversen X-Trail, Patrol und Pick-up bereit. Während afrikanische Hafenarbeiter im Trockendock Boote sandstrahlen, klingt von der Waterfront-Shoppingmeile heitere Musik herüber. Tourleiter Axel Merx gibt den 4x4-Desperados erste Anweisungen. "Am anderen Ende der Welt sitzen wir rechts am Steuer und fahren links. Alles klar?" Nach den Hinweisen im Roadbook setzt sich der Troß Richtung Chapmans Peak in Bewegung. Vorbei an den zwölf Aposteln, einem atemberaubenden Felsmassiv direkt an der Küste, entlang der endlosen weißen Sandstrände, landen wir bald an der Sandy Bay Beach.

Kajak-Teams stürzen sich in die Fluten

Meterhohe Wellen des anrollenden, eiskalten Atlantiks flößen den Teilnehmern schon jetzt gehörigen Respekt ein. Schließlich steht Sea-Kayaking im Ablaufplan, eines von unzähligen Fitneß-Tasks, die das Leistungs-Limit ausloten sollen. Jedem ist spätestens jetzt klar: Das wird kein Spaziergang.

Ein Kajak-Team nach dem anderen stürzt sich in die Fluten, kämpft sich durch bis zur Wendemarke weit draußen im offenen Meer. "Dann sah ich den sicheren Strand, dachte, da mußt du wieder hin", schnauft hinterher der Österreicher Anton Gächter. Zum Ausruhen kommt er nicht. Mit sandigen Füßen und geschultertem Kajak geht's jetzt im Dauerlauf steil den Berg hinauf. "Da folgst du nur noch dem Herdentrieb", stöhnt Rupert Riedl, der zweite Ösi im Feld.

Knapp 70 Kilometer weiter entlang der N 2 , kurz vor dem Franschhoek-Paß, liegt das 4x4-Revier Grabouw. Für die wunderschöne Landschaft hat kaum einer ein Auge übrig. Wer siegen will, muß sich voll auf die Offroad-Tasks konzentrieren. Schnelligkeit zählt hier nicht. Zentimeterarbeit ist gefragt. Bei jedem Gasstoß, bei jedem Lenkeinschlag. Den besten Durchblick behält Martin Kern aus Tübingen. Durch das Gewirr von Stangen und Kugeln, über die unübersichtlichen Bergauf- und Bergabpassagen aus Schotter und Staub steuert er den Patrol perfekt. Übung für Übung macht der 32jährige Unternehmensberater auf den sandigen Geröllpisten die Big Points.

Irre Dünenfahrten, waghalsiges Abseilen

Szenenwechsel: Mit Gurtzeug am Körper startet Raquel Esposito, auch "Bonito" genannt, nach unten. Dann ein kleiner Schritt, die Erde fällt weg. Unter ihren Füßen lauert der über 30 Meter tiefe Abgrund. Adrenalin pumpt durch ihre Adern – ein wenig Angst ist auch dabei. Doch nach einigen Metern beginnt es, ihr sogar Spaß zu machen. Sie lacht und genießt direkt an einem Wasserfall den Thrill am Seil.

Dann wieder rein ins harte Gelände. Dünenfahren in der Nähe von Atlantis im Norden von Kapstadt. Jeder glaubt, er müsse nur so schnell wie möglich die verzwickt gesteckten Kurse meistern. Doch weit gefehlt. "Fahren auf Sand ist nichts für weichgespülte Weekend-Offroader", weiß Martin Kern, der spätere Champion 2005. Gekonnt treibt er seinen Pick-up im spektakulären Dünenritt bis an die Grenzen des mechanischen Vortriebs. Besser geht's nicht.

Am nächsten Tag setzen wir irgendwo an der N 1 nach Worcester den Blinker, immer Richtung Paarl, eine der ältesten Weinstädte hier in der Kap-Region. Unsere Wagen schlängeln sich eine nicht enden wollende Serpentinen-Passage nach oben. Dann liegt der Paarl Rock vor uns, das drittgrößte Steinmassiv der Erde. 500 Meter unterhalb des Kinderpopoglatten Gipfels ist Endstation für 4x4. Jetzt geht es zu Fuß weiter. Hand in Hand und völlig ausgepumpt erreichen Anton, Rupert und Martin den Gipfel. Stolz blicken sie über alles hinweg in die unendliche Weite Südafrikas. Und selbst Martin Kern, der kernige Sieger, wird plötzlich ganz sentimental. Bei so einer Aussicht wird auch der härteste Abenteurer zum Romantiker.

Autor: Wolfgang Mache

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