50 Jahre Corvette

50 Jahre Corvette 50 Jahre Corvette

50 Jahre Corvette

— 21.11.2002

Ein alter Traum

Herzlichen Glückwunsch: "Amerikas einziger Sportwagen" existiert ein halbes Jahrhundert. AUTO BILD test & tuning erlebte den "American Dream" in allen fünf Generationen – und erfuhr schon einiges über die sechste.

Automobile Kriegserklärung an Europa

Ein bisschen Fantasie ist schon nötig, um sich den Sound einer Corvette vorzustellen: Was da aus den Endrohren großvolumiger Achtzylinder blubbert, klingt wie auf kleiner Flamme vor sich hin kochende Nudeln in etwas zu wenig Wasser, und das ganze zwei Oktaven tiefer und halb so schnell. Aber es macht genau so viel Appetit, wenn nicht gar Hunger – auf lässiges Cruisen, ein bis zwei Wrigley's kauend, immer Richtung Sonne.

Harley Earl, als Heckflossen-Erfinder eine Designer-Legende und gleichzeitig Chef der ersten GM-Design-Abteilung "Art and Colour Section", sowie sein Landsmann Ed Cole, Chefingenieur bei Chevrolet, hatten weniger Nudeln als vielmehr die Konkurrenz im Sinn, als sie ihren Bossen Anfang der fünfziger Jahre die Entwicklung eines Sportwagens vorschlugen. Jaguar, MG, Triumph sowie die Austin-Healey schnappten sich ohne Gegenwehr US-Marktanteile – alleine Jaguar verkaufte im Jahr 1952 mehr als 3000 Stück des XK 120.

Kurz darauf war die mit einer Fiberglas-Außenhaut überzogene automobile Kriegserklärung an Europa fertig. Internes Kürzel: C1. Das "C" stand für "Corvette", die Bezeichnung für kleine, schnelle britische Kriegsschiffe. Die C1 wurde zunächst mit dem 150 PS starken "Blue-Flame"-Sechszylinder ausgestattet. Bald darauf wurden nur noch V8-Motoren eingebaut, und – egal welches Baujahr – sie blubbern auch heute noch, wie nur Achtzylinder blubbern können.

"50th Anniversary"-Jubiläums-Corvette

Etwa die Hälfte aller rund 1,2 Millionen gebauten Corvette fahren immer noch und begeistern eine stetig wachsende Anzahl von Fans. Earls C1 fasziniert durch seine unglaubliche Lässigkeit. Zora Arkus-Duntovs (der Kraft-Papst der Corvette) C2 überzeugt durch starke Motoren und den martialischen Namen Sting Ray (Stachelrochen, als Coupé mit dem berühmten "Splitwindow" am Heck).

Die C3 verschlägt den Atem durch ihr unverwechselbares "Coke-Bottle-Design" von William Mitchell, Larry Shinoda und David Holls, das an prallgefüllte Muscleshirts erinnert. Die C4 schließlich überrascht durch ihre von Designer Jerry Palmer zu verantwortende Gradlinigkeit, und die aktuelle C5 verblüfft – unter anderem – durch die bloße Tatsache, dass sich selbst die etwas konturlose neueste Generation rund 1000-mal pro Jahr in Europa verkaufen lässt. Happy Birthday, Corvette! Und was kommt jetzt?

Natürlich C6. "Das wird ein komplett neues Auto", verspricht der Corvette-Chefingenieur David C. Hill. "Es wird ungefähr die gleiche Architektur wie die C5 aufweisen, aber außen kleiner werden. Es wird sehr leicht zu dirigieren sein. Insgesamt bleibt die Corvette sehr amerikanisch." Natürlich besitzt sie serienmäßig den neuen Corvette-Stolz, die "magnetische Fahrwerkregelung" – die jetzt bereits in der C5-Jubiläums-Corvette "50th Anniversary" eingesetzt wird und mit der moderne Corvette nachgerüstet werden können.

C6 mit 400-und-noch-viel-mehr-PS?

Bei der so genannten "Magnetic Selective Ride Control" regelt der Bordcomputer gemeinsam mit ringförmigen Elektromagneten im Stoßdämpfer und winzigen Metallpartikeln in der Hydraulikflüssigkeit die Dämpfung eines jeden Rades – bis zu 1000-mal in einer Sekunde. Chevrolet verspricht ein wesentlich präziseres Handling. Wer Interesse am Sondermodell hat, sollte sich beeilen: nur 175 Exemplare sind für Europa vorgesehen, das Coupé kostet 65.500 Euro, das Cabrio 71.500 Euro.

Kurz: Die Corvette lebt. Anfang 2004, auf der Detroit Motor Show, will Hill die C6 präsentieren, auf dem Genfer Salon kurz darauf ist Europapremiere. Wie stark der Wagen wird, weiß er noch nicht – aber vielleicht erlaubt GM-Chefentwickler Bob Lutz die von Hills Mannschaft gewünschten 400-und-noch-viel-mehr-PS. So gestärkt, sollen jährlich 33.000 Stück weltweit verkauft werden.

Wer übrigens glaubt, die Amerikaner würden sich mit zurückhaltendem V8-Geblubber bei der restriktiven Höchstgeschwindigkeit von rund 70 Meilen pro Stunde begnügen, irrt. Im Land der sehr begrenzten Tempomöglichkeiten wird gerne mal abseits der wachsamen Obrigkeit auf einsamen Highways aufs Gas gedrückt. Egal in welcher Generation ...

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