50 Jahre Porsche 550 Spyder

Porsche 550 Spyder – Porsche Boxster S "50 Jahre Spyder" Porsche 550 Spyder – Porsche Boxster S "50 Jahre Spyder"

50 Jahre Porsche 550 Spyder

— 17.11.2004

Familien-Silber

Der erste nur für den Renneinsatz entwickelte Porsche wurde 1953 präsentiert – der 550 Spyder. Zum Geburtstag des Roadsters gibt es eine limitierte Ausgabe des (alten) Boxster S – und zwar exakt 1953 Stück

Der Spyder – James Deans Schicksal

Wir erinnern uns an das Foto. James Dean neben seinem silbernen Porsche Spyder mit der Startnummer 130 auf der Haube. Dahinter ein 55er Ford Country Squire und ein 53er Cadillac. Autos des amerikanischen Establishments, gegen das Dean in seinen Filmen – und auch privat – aufbegehrte. Eine makabre Fügung des Schicksal war es, daß ein solcher Straßenkreuzer ihm am 30. September 1955 die Vorfahrt nahm, als er mit seinen "little Bastard" genannten Porsche auf dem Weg zur Rennstrecke in Salinas, Kalifornien, war.

Der 24jährige Schauspieler war sofort tot, zwei Legenden wurden geboren. Die des ewig jungen James Dean und die des Porsche 550 Spyder – beide leben bis heute. Das Jubiläumsdatum ist irritierend. Der 550 Spyder wurde als Studie bereits 1953 auf dem Pariser Salon präsentiert, ging aber erst 1954 in Serie und wird deshalb – nach offizieller Porsche-Zählweise – in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt. 1954 belegte Hans Herrmann beim legendären Langstreckenrennen "Carrera Panamericana" den dritten Platz, seitdem tragen die sportlichsten aller Porsche den Beinamen "Carrera".

Zu Ehren des 550 wurde vom ideellen Erben, dem Boxster S, eine limitierte Sonderserie von exakt 1953 Stück aufgelegt, lackiert im schimmernden Silber des Carrera GT. Heute, beim Eindecken des Familien-Silbers, wird klar: Spyder und Boxster trennt mindestens ebensoviel, wie sie gemeinsam haben. Spyder bezeichnete im Kutschenbau einen leichten offenen Wagen, Boxster dagegen ist ein Kunstwort aus Boxermotor und Roadster.

Ein Eindruck von Luxus, wo keiner ist

Ein Leiterrahmen aus Rohren und ein in der Mitte angeordnete Motor der 550. Porsche-Konstruktion machten vor 50 Jahren klar, wohin es gehen sollte: in den Rennsport. Ohne jeden Kompromiß, wie an der handgedengelten Karosse zu erkennen ist. Sie ist so knapp über die 15-Zoll-Räder gezogen, als trüge der Spyder einen zu engen Anzug. Die treuherzig dreinschauenden Scheinwerfer an der runden Front mögen noch entfernt an den Käfer erinnern, sonst aber nichts mehr. Drei feine Rundinstrumente im simpel lackierten Armaturenbrett – erstaunlich komplett und seriennah bis hin zum Tageskilometerzähler – vermitteln einen Eindruck von Luxus, wo keiner ist.

Zwei Rennschalen und zwei lederne Kartentaschen komplettieren die Einrichtung. Der 550 Spyder ist in Leichtmetall getriebener Wettbewerb. Keine Stoßstangen, kein Zierrat, Holzlenkrad, zwei Insassen und Mittelmotor. Das puristische Konzept des Spyder zog die Trennlinie zur Serie, die mit dem 356 das Käfer-Prinzip des Heckmotors verfolgte. Heute sind Mittelmotor und Roadster-Zuschnitt Kennzeichen der Einsteiger-Baureihe bei Porsche. Die Ausrichtung allerdings ist eine andere: Boulevard statt Solitude. Der silberne Lack aus der Carrera-GT-Palette steht dem Boxster hervorragend, obwohl die Form schon leicht Patina ansetzt.

Der Armaturenträger mit seinen verschachtelten Skalen sorgt seit jeher für Verwirrung in der Wahrnehmung, dafür passen die Sitze perfekt, Eleganz zieht sich durch das Cockpit. Beim 550 Spyder dominieren nackte Rohre und gelochte Verstrebungen, beim Boxster zieren den Innenraum Leder und ziselierte Applikationen. Die wichtigste prangt in der Mitte: jene Plakette mit der Baunummer, die das Auto als durchnumeriertes Sondermodell ausweist. Dem Sondermodell-Boxster Nummer fünf steht der Spyder Nummer 64 gegenüber.

Insgesamt wurden 130 Spyder gebaut

James Deans Wagen kam sechs, sieben Nummern später, so ganz genau weiß es keiner mehr. Insgesamt wurden 130 Spyder gebaut, davon gingen 50 in die USA. Gepäck wird der Star wohl nicht dabeigehabt haben. Wo der Boxster über 260 Liter Kofferrauminhalt bietet, verteilt über zwei Mulden, besitzt der Oldie nur einen 95-Liter-Tank – die Befüllung erfolgt durch einen Stutzen in der Haube. Eine Umdrehung mit dem Vierkantschlüssel genügt, und der Spyder klappt in drei Teile auf, wobei der hintere der aufregendste ist.

Hier steckt der "Fuhrmann"-Motor, jenes legendäre Vier-Nockenwellen-Triebwerk, das der junge Ingenieur und Doktorant Ernst Fuhrmann – ab 1976 Porsche-Vorstandsvorsitzender – angeblich heimlich entwickelt haben soll. Eine Zwischenwelle in Motormitte ist das Schaltzentrum. Sie treibt durch je eine Königswelle auf jeder Seite eine untere Nockenwelle an. Von dort führt eine weitere Königswelle zur zweiten, oberen Nockenwelle. An deren Ende sitzt ein Zündverteiler, der die Doppelzündung für seine Motorseite regelt. Zehn Wellen, acht Kerzen für vier Zylinder.

Ein unerhört kompliziertes Triebwerk (Porsche-Typen-Nummer 547), das später mit mehr Hubraum sogar in 356 A und B zu haben war – als "Carrera". Höchst diffizil in Konstruktion und Einstellung, aber andererseits auch Maßstab in Sachen Leistung. Das Ritual des Anlassens ist zuerst ernüchternd: Den Finger fest auf den kleinen Knopf drücken, es ertönt ein mitleiderregendes Keuchen. Dann wieder eins und noch eins, und gerade bevor der Eindruck entsteht, die Batterie sei am Ende, explodiert der Boxermotor im Heck mit einem Schlag – das Tier ist erwacht.

Stichflammen schießen aus dem Auspuff

Erst bei unglaublichen 7800 Umdrehungen erreicht der kleine 1,5-Liter-Boxer seine Maximalleistung von 110 PS, das reicht für immerhin 220 km/h. Seine Umgangsformen sind ruppig: Unter 4000 Umdrehungen passiert nichts, kurz darüber alles und ab 6000 wieder weniger. Für ein Rennauto war das okay. Doch für den Einsatz im 356 wurde der Motor in zwei Stufen domestiziert: Außer dem Basismotor gab es ab 1958 im Carerra 356 A 1600 GS einen 1,6-Liter mit 115 PS bei 6500 Umdrehungen und als Krönung ab 1961 den Carrera 2000 GS mit 130 PS bei 6200 Umdrehungen.

Seinen Zenith erreichte der Motor im 904-Sportwagen: zwei Liter, 185 PS. Doch Ferry Porsche hielt den Motor für zu laut, zu kompliziert und zu teuer. Deshalb wurde für den kommenden 911 ein Sechszylinder entwickelt. Porsches langjähriger Motoren-Entwickler Hans Mezger hielt das für die richtige Entscheidung: "Damals gab es auf der ganzen Welt vielleicht acht sensible Monteure, die diesen Motor einstellen konnten. Heute sind es deutlich weniger..." Mit dem unerbittlichen, hochfrequenten Donnern eines Jagdfliegers schießt der 50 Jahre alte Porsche über die Piste.

Die offenen Ansaugtrichter der Doppelvergaser röcheln nach Luft, Stichflammen stoßen beim Schalten aus der Vier-in-eins-Auspuffanlage hervor. Ein spindeldürrer Schaltknüppel sortiert die vier Gänge, begleitet vom seltsam vertrauten Käfergeräusch aus Lüfterrad und Boxerrasseln. Vorderradaufhängung, Lenkung, Räder und Bremsen stammen vom Serien-356, sind den Anforderungen souverän gewachsen. Der winzige Streifen Plexiglas vor der Nase schützt erstaunlich effizient vor dem Wind.

Fahrleistungen und technische Daten

Der 550 Spyder kostete 24.600 Mark. Für das gleiche Geld gab es fünf Export-Käfer. Der Adenauer-Mercedes 300b, unbestrittenes Statussymbol der deutschen Nachkriegszeit, stand 1954 mit 22.000 Mark in der Preisliste. Der Boxster versteckt sein Herz tief im Inneren, erst nach langwieriger Demontage eines Deckels wird es sichtbar. Vier Nockenwellen steuern 24 Ventile, aus 3,2 Litern holt der Jubi-Porsche 266 PS, so daß in Sachen Literleistung fast Gleichstand besteht. Auch in Sachen Faszination hängt der Boxster dicht am Heck seines Vorfahren.

Der Sechszylinder-Boxermotor wird erst dort munter, wo andere schon wieder abregeln. Er dreht locker bis über 7000/min, die Anschlüsse der sechs Gänge passen perfekt. Aber: Dank bandscheibenverträglicher Feder- und Dämpferkennung faucht der Boxster zwar schnell, aber durchaus kommod ums Eck. Er hat eine Klimaanlage. Und ein Windschott. Es drängt sich ein Verdacht auf: Der Boxster S ist gar nicht der wahre Erbe des ersten Porsche-Rennwagens. Das ist wohl doch eher der messerscharfe und puristische Carrera GT. Der Boxster ist kein Racer, er ist einfach nur ein glänzender Sportwagen. Besonders in diesem Silber.

Technische Daten Porsche 550 Spyder Vierzylinder-Boxer-Mittelmotor, längs eingebaut • zwei Ventile je Zylinder • zwei Doppelfallstrom-Vergaser Solex 40 PJJ • Hubraum 1498 cm³ • Leistung 81 kW (110 PS) bei 7800/min • Hinterradantrieb • manuelles Vierganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung • rundum Trommelbremsen • Racing-Reifen 5 x 16 vorn, 5,25 x 16 hinten • Länge/Breite/Höhe 3600/1550/1015 mm • Radstand 2100 mm • Leergewicht 550 kg • Tankinhalt 68l • 0–100 km/h in unter 10 s • Höchstgeschwindigkeit 220 km/h • Preis (1953) 24.600 Mark

Technische Daten Porsche Boxster S "50 Jahre Spyder" Sechszylinder-Boxer-Mittelmotor, längs eingebaut • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 3179 cm³ • Leistung 196 kW (266 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 310 Nm bei 4600/min • Hinterradantrieb • manuelles Sechsganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung • rundum Scheibenbremsen • Reifen 225/40 ZR 18 vorn, 265/35 ZR 18 hinten • Länge/Breite/Höhe 4320/1780/1280 mm • Radstand 2415 mm • Leergewicht 1395 kg • Tankinhalt 64 l • 0–100 km/h in 5,7 s • Höchstgeschwindigkeit 266 km/h • Preis 59.192 Euro

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