80 Jahre Nürburgring

80 Jahre Nürburgring 80 Jahre Nürburgring

80 Jahre Nürburgring

— 22.06.2007

Und ewig lockt der Wald

Der "Ring" feiert 80. Geburtstag: Die Nordschleife des Nürburgrings war und bleibt ein Mythos. Ein Rückblick.

"Lange bevor ich auf meinen Europareisen zum ersten Mal etwas vom Kölner Dom hörte, lange bevor ich wusste, wie gut Sauerkraut und bayerisches Bier schmecken, kannte ich die Zahl der Nürburgringkurven, waren Karussel und Schwalbenschwanz vertraute Begriffe, auch wenn ich sonst kein Wort Deutsch sprach." Stellvertretend für viele seiner Kollegen und Motorsport-Fans überall auf der Welt, beschreiben diese Worte des australischen Rennfahrers Alan Hamilton die Ausstrahlung Europas traditions- und erfolgreichster Rennstrecke. Der Nürburgring fasziniert – seit nunmehr 80 Jahren. Formel 1, DTM, 24-Stunden-Rennen, Truck-Grand-Prix oder Rock am Ring haben sich in der Eifel längst zu bekannten Großveranstaltungen etabliert. Doch die Faszination gilt nach wie vor der alten Nordschleife. Die 20,8 Kilometer lange Ur-Strecke gilt weltweit als "die Rennstrecke“ überhaupt. Nicht nur wegen ihrer Länge. Keine der 33 Links- und 40 Rechtskurven ist gleich. Es ist eine wilde Berg- und Talbahn mit uneinsichtigen Kuppen, Bodenwellen, Sprunghügeln. Auch wenn die großen Rennserien aus Sicherheitsgründen heutzutage lieber auf der modernen, maximal 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Strecke fahren: Der "Ring“ ist für die Fans die Nordschleife. Und seit ihrer Eröffnung im Juni 1927 zieht sie sportliche Auto- und Motorradfahrer magisch an. Außerhalb von Rennveranstaltung kann bei den Touristenfahrten richtig Gas gegeben werden.

Doch nicht nur PS-Pilger aus aller Welt lieben den Nürburgring. Sondern auch die Einheimischen. Mit den Fans kommt das Geld, die Rennstrecke ist der Motor der Region. Das war schon immer so. Kurz nach der Eröffnung, am 18. Juni 1927 wurde klar, welche wirtschaftliche Kraft diese frühe Form der Freizeitindustrie entfalten würde. Aus Gaststätten mit Fremdenzimmern wurden Hotels, aus Kuhweiden Parkflächen; die Rennen zum Segen einer Region, die zu den ärmsten Deutschlands gehörte.

30er Jahre: Wirtschaftskrise und Silberpfeile

Start frei: 1928 nimmt das Teilnehmerfeld den Ring in Angriff.

Juni 1927. Nach der Eröffnung des Nürburgrings mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise meldete die Rennstrecke spätestens seit dem Beginn der legendären Silberpfeil-Ära immer neue Rekordzuschauerzahlen. 1934 - das Geburtsjahr der Silberpfeile, die ihre Premiere am Ring feierten. Die Legende: Das Mercedes-Team kratzte im Frühjahr 1934 in der Nacht vor dem Rennen eigenhändig den Lack von ihrem W25-Rennwagen ab, um das Gewichtslimit von 750 Kilogramm einzuhalten. Das silbrig glänzende Aluminium der blanken Karosserie gab dem Auto dann seinen Namen. Beim Eifelrennen 1939 stellte Hermann Lang mit seinem Zwölfzylinder-Mercedes mit 9:52 Minuten einen Rundenrekord auf, der bis 1956 ungeschlagen bleiben werden sollte. Rudolf Caracciola gewann wieder einmal den Großen Preis von Deutschland. Der vorerst letzte Sieg auf dem Ring. Im Zweiten Weltkrieg blieb kein Raum für den Motorsport – das Sporthotel an der Tribüne wurde zum Notlager und Lazarett; die Rennstrecke in den letzten Kriegsmonaten durch Panzer schwer beschädigt.

40er und 50er Jahre: Wirtschaftswunder, Massen und Motoren

Neuanfang: Nach dem Krieg wurde das Renngeschehen internationaler.

 Doch der Ring sollte noch eine Chance bekommen. Bereits kurz nach Kriegsende begann der Wiederaufbau und schon 1947 startete mit dem "Eifel-Pokal-Rennen" eine neue Nürburgring-Ära. Der Eintrittspreis damals: fünf Reichsmark – inklusive Verzehrbon für Wein, Wurst und Brot. Vier Jahre später, im Jahr 1951, die erste Formel-1-Weltmeisterschaft – der Ring wurde wieder international. Beim Großen Preis von Europa 1954, schätzten die Organisatoren mehr als 400.000 Zuschauer. Juan Manuel Fangio siegte und wurde zum Motorsport-Idol der Fünfzigerjahre. Er gewann vier Jahre in Folge den Großen Preis von Europa.

Die Sechzigerjahre hatten ihr eigenes Idol. Wolfgang Graf Berghe von Trips war der neue Publikumsmagnet, der 1961 um den Sieg auf dem Nürburgring kämpfte. Wirtschaftswunderzeit – da gehörte der Motorsport zum neuen Selbstbewusstsein einer ganzen Nation. Begleitet von einem für damalige Zeiten gewaltigen Medienrummel fieberten 1961 über 100.000 Zuschauer mit dem Gentlemen-Racer. Graf Berghe von Trips verlor gegen den an diesem Tag unschlagbar scheinenden Stirling Moss. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch. 1969 – neue populäre Fahrer wie der Belgier Jackie Ickx sorgten für Massenbesuche bei den Motorsportveranstaltungen. Autorennen wurden beliebter denn je, die Fahrer wie Popstars verehrt. Höhepunkt des Jahres war der Große Preis von Deutschland, den Jackie Ickx für sich entschied. An diesem Tag ahnte keiner, dass die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke in Frage gestellt werden könnte. Doch bereits ein Jahr später war es soweit: Nach einer Serie schwerer Unfälle forderten mehrere Fahrer eine umfangreiche Umgestaltung der Grünen Hölle, wie die Strecke durch die Eifel-Wälder noch immer ehrfurchtsvoll von den Fahrern genannt wird.

70er- und 80er-Jahre: Ende mit Schrecken, Neuanfang mit Grand Prix

1976: Niki Lauda – hier während des Trainings – verunglückte schwer.

17 Millionen Mark ließen sich die Nürburgring-Verantwortlichen die Umbaumaßnahmen kosten – die Strecke bekam Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. Und 1971 wieder einen Grand Prix. Über 130.000 Zuschauer umjubelten den Sieger Jackie Stewart. Doch der hohe Anspruch, den die Nordschleife an die Fahrer stellte, blieb weiterhin ein Thema. Als am 1. August 1976 Niki Lauda schwer verunglückte, kommt das Aus. Der Nürburgring verliert erneut seine Formel-1-Zulassung – auf McLaren-Ford gewann der Brite James Hunt das letzte Formel-1-Rennen auf der Nordschleife.
Der Aufsichtsrat beschloss den Bau einer neuen, kürzeren und moderneren Rennstrecke. Nach zähen Verhandlungen und nicht zuletzt dank der Bewegung "Rettet den Nürburgring" setzte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel am 30. November 1981 den ersten Spatenstich. Drei Jahre später, am 12. Mai 1984, wurde die neue 4,542 Kilometer lange Strecke mit einem großen Programm aus Show und Motorsport eröffnet. Am 7. Oktober 1985 startete die Formel 1 erstmalig auf der neuen Strecke. Der Sieger: Michele Alboreto auf Ferrari. Als weitere Premiere zog das Musikspektakel Rock am Ring erstmals neue Besucherströme in die Eifel. Ein Jahr später fand der erste Truck-Grand-Prix des ADAC statt – ein Überraschungserfolg, der sich zu einer der tragenden Säulen des Veranstaltungsprogramms entwickeln werden sollte.

90er: Schumi kommt und mit ihm neue Zuschauermassen

Publikumsmagnet: Von den 90ern bis 2006 zog Schumi die Fans an.

Die Neunzigerjahre standen ganz im Zeichen der Umorientierung. Der Motorsport blieb weiterhin die tragende Säule am Ring. Die Strecke erhielt jedoch eine noch stärkere Leitfunktion für Wirtschaftsentwicklung und Fremdenverkehr. Und einen neuen Star. Am 1. Oktober 1995 gewann Michael Schumacher als erster deutscher Fahrer auf dem Nürburgring einen Lauf zur Formel-1-WM – das Publikum jubelte ihm begeistert zu. Zwei Jahre später, 1997, wurde das neue hochmoderne Medical Center eingeweiht. Es folgten im Jahr 1998 weitere Neubauten. Eine neue Nordschleifenzufahrt wurde eröffnet, die Bilstein-Tribüne umfangreich umgebaut und die erste permanente Videowand an einer Rennstrecke eingeweiht. Der Indoor-Freizeitpark Erlebnis-Welt Nürburgring wurde im Mai 1998 feierlich eröffnet.

Das neue Jahrtausend – mit Vollgas in die Zukunft

Zu Beginn des neuen Jahrtausends gab der Nürburgring weiter Gas. Das Start- und Zielhaus, das Boxengebäude und der Conti-Turm fielen im Jahr 2000. Bis zum Großen Preis von Europa 2001 entstanden dafür drei weitere VIP-Loungen und ein hochmodernes neues Start- und Zielhaus. Das neue Fuji Digital Media Center mit modernster Technik bietet seitdem Journalisten und Fotografen auf über 1.650 Quadratmetern Platz. Im Jahr 2006 entschied die FIA, dass die Formel 1 ab 2007 nur noch einen Auftritt in Deutschland haben soll. Der Nürburgring wechselt sich deshalb im jährlichen Rhythmus mit dem Hockenheimring ab. Für die Zukunft rüstet sich der Ring demnächst mit dem Bau von neuen Indoor-Attraktionen. In einer Arena sollen 4.500 Sitzplätze entstehen. Denn nicht nur die grüne Hölle, sondern auch Konzerte oder Motocross-Events sollen Besucher in die Eifel ziehen. Autobild.de wünscht herzlichen Glückwunsch!

Autor: Martin Westerhoff

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