80 Jahre Nürburgring — 22.06.2007
Und ewig lockt der Wald
Der "Ring" feiert 80. Geburtstag: Die Nordschleife des Nürburgrings war und bleibt ein Mythos. Ein Rückblick.
Doch nicht nur PS-Pilger aus aller Welt lieben den Nürburgring. Sondern auch die Einheimischen. Mit den Fans kommt das Geld, die Rennstrecke ist der Motor der Region. Das war schon immer so. Kurz nach der Eröffnung, am 18. Juni 1927 wurde klar, welche wirtschaftliche Kraft diese frühe Form der Freizeitindustrie entfalten würde. Aus Gaststätten mit Fremdenzimmern wurden Hotels, aus Kuhweiden Parkflächen; die Rennen zum Segen einer Region, die zu den ärmsten Deutschlands gehörte.
30er Jahre: Wirtschaftskrise und Silberpfeile
Juni 1927. Nach der Eröffnung des Nürburgrings mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise meldete die Rennstrecke spätestens seit dem Beginn der legendären Silberpfeil-Ära immer neue Rekordzuschauerzahlen. 1934 - das Geburtsjahr der Silberpfeile, die ihre Premiere am Ring feierten. Die Legende: Das Mercedes-Team kratzte im Frühjahr 1934 in der Nacht vor dem Rennen eigenhändig den Lack von ihrem W25-Rennwagen ab, um das Gewichtslimit von 750 Kilogramm einzuhalten. Das silbrig glänzende Aluminium der blanken Karosserie gab dem Auto dann seinen Namen. Beim Eifelrennen 1939 stellte Hermann Lang mit seinem Zwölfzylinder-Mercedes mit 9:52 Minuten einen Rundenrekord auf, der bis 1956 ungeschlagen bleiben werden sollte. Rudolf Caracciola gewann wieder einmal den Großen Preis von Deutschland. Der vorerst letzte Sieg auf dem Ring. Im Zweiten Weltkrieg blieb kein Raum für den Motorsport – das Sporthotel an der Tribüne wurde zum Notlager und Lazarett; die Rennstrecke in den letzten Kriegsmonaten durch Panzer schwer beschädigt.40er und 50er Jahre: Wirtschaftswunder, Massen und Motoren
Doch der Ring sollte noch eine Chance bekommen. Bereits kurz nach Kriegsende begann der Wiederaufbau und schon 1947 startete mit dem "Eifel-Pokal-Rennen" eine neue Nürburgring-Ära. Der Eintrittspreis damals: fünf Reichsmark – inklusive Verzehrbon für Wein, Wurst und Brot. Vier Jahre später, im Jahr 1951, die erste Formel-1-Weltmeisterschaft – der Ring wurde wieder international. Beim Großen Preis von Europa 1954, schätzten die Organisatoren mehr als 400.000 Zuschauer. Juan Manuel Fangio siegte und wurde zum Motorsport-Idol der Fünfzigerjahre. Er gewann vier Jahre in Folge den Großen Preis von Europa.Die Sechzigerjahre hatten ihr eigenes Idol. Wolfgang Graf Berghe von Trips war der neue Publikumsmagnet, der 1961 um den Sieg auf dem Nürburgring kämpfte. Wirtschaftswunderzeit – da gehörte der Motorsport zum neuen Selbstbewusstsein einer ganzen Nation. Begleitet von einem für damalige Zeiten gewaltigen Medienrummel fieberten 1961 über 100.000 Zuschauer mit dem Gentlemen-Racer. Graf Berghe von Trips verlor gegen den an diesem Tag unschlagbar scheinenden Stirling Moss. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch. 1969 – neue populäre Fahrer wie der Belgier Jackie Ickx sorgten für Massenbesuche bei den Motorsportveranstaltungen. Autorennen wurden beliebter denn je, die Fahrer wie Popstars verehrt. Höhepunkt des Jahres war der Große Preis von Deutschland, den Jackie Ickx für sich entschied. An diesem Tag ahnte keiner, dass die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke in Frage gestellt werden könnte. Doch bereits ein Jahr später war es soweit: Nach einer Serie schwerer Unfälle forderten mehrere Fahrer eine umfangreiche Umgestaltung der Grünen Hölle, wie die Strecke durch die Eifel-Wälder noch immer ehrfurchtsvoll von den Fahrern genannt wird.
70er- und 80er-Jahre: Ende mit Schrecken, Neuanfang mit Grand Prix
17 Millionen Mark ließen sich die Nürburgring-Verantwortlichen die Umbaumaßnahmen kosten – die Strecke bekam Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken. Und 1971 wieder einen Grand Prix. Über 130.000 Zuschauer umjubelten den Sieger Jackie Stewart. Doch der hohe Anspruch, den die Nordschleife an die Fahrer stellte, blieb weiterhin ein Thema. Als am 1. August 1976 Niki Lauda schwer verunglückte, kommt das Aus. Der Nürburgring verliert erneut seine Formel-1-Zulassung – auf McLaren-Ford gewann der Brite James Hunt das letzte Formel-1-Rennen auf der Nordschleife.Der Aufsichtsrat beschloss den Bau einer neuen, kürzeren und moderneren Rennstrecke. Nach zähen Verhandlungen und nicht zuletzt dank der Bewegung "Rettet den Nürburgring" setzte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel am 30. November 1981 den ersten Spatenstich. Drei Jahre später, am 12. Mai 1984, wurde die neue 4,542 Kilometer lange Strecke mit einem großen Programm aus Show und Motorsport eröffnet. Am 7. Oktober 1985 startete die Formel 1 erstmalig auf der neuen Strecke. Der Sieger: Michele Alboreto auf Ferrari. Als weitere Premiere zog das Musikspektakel Rock am Ring erstmals neue Besucherströme in die Eifel. Ein Jahr später fand der erste Truck-Grand-Prix des ADAC statt – ein Überraschungserfolg, der sich zu einer der tragenden Säulen des Veranstaltungsprogramms entwickeln werden sollte.

































