9/11: Zehn Jahre danach

Die Autos vom 11. September Die Autos vom 11. September

9/11: Zehn Jahre danach

— 11.09.2011

Die Autos vom 11. September

Zehn Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center lagern immer noch Autowracks in einer Halle in New York. Einige von ihnen kommen demnächst ins Museum am Ground Zero. Ein Besuch in Hangar 17.

Objekt D-0009 ist am Ende doch nur Blech. Wertloses Metall, beiseite geräumt, um darunter Leichen zu bergen und Vermisste zu suchen. Randnotizen, all die Autos, die am 11. September 2001 in New York und Washington zerstört wurden. Bei fast 3000 Toten und unzähligen Tragödien an diesem Tag und in den Monaten und Jahren danach. Was ist da ein verbrannter Polizeiwagen? Oder die vage Idee eines Autos, zerknüllt wie ein Blatt Papier? Noch zehn Jahre danach sind sie stumme Zeugen eines schrecklichen Tages, sind Mahnmale, die jeden Betrachter erschauern lassen. New York City, Internationaler Flughafen John F. Kennedy, Hangar 17. Die linke Hälfte einer unscheinbaren grau-weißen Halle, in der früher Flugzeuge repariert wurden, ist seit zehn Jahren Aufbewahrungsort ausgewählter Trümmer von den Anschlägen auf das World Trade Center.

2012 kommen Autos aus Hangar 17 in die Gedenkstätte an Ground Zero

Das macht sprachlos: Zertrümmerte Autos, die teils wie makabre Kunstwerke wirken.

In den knapp 7500 Quadratmeter großen Hangar wurde zwischen Ende September 2001 und Sommer 2002 alles gebracht, was bei den Aufräumarbeiten mit "Save" beschriftet wurde – und somit auserwählt war, gerettet zu werden, um nachfolgende Generationen an den fürchterlichsten Terroranschlag der Geschichte zu erinnern. Im kommenden Jahr soll an Ground Zero das "National September 11 Memorial & Museum" eröffnet werden. Mitten in Hangar 17 steht ein klimatisiertes Zelt, 30 mal 60 Meter, in dem die Autos des 11. September parken. Artefakte, die wie makabre Kunstwerke wirken und ihre Besucher sprachlos machen. Mächtige Einsatzwagen der Feuerwehr, verbeult, angekokelt, Brandblasen überall. Ein gelbes Taxi, das Dach eingedrückt, die Motorhaube grotesk verdreht. Ein Notarztwagen, Modell Ford Excursion, die Frontscheibe ins Innere gedrückt, Brocken von Gebäudewänden auf der Rückbank, daneben liegt eine "New York Times" vom 11. September 2001. Einsatzfahrzeuge der New Yorker Hafenbehörde, das Blech vernarbt, Tausende kleine Kratzer.

Inmitten der ganzen Zerstörung finden sich hin und wieder intakte Teile

Fast intakter Innenraum inmitten all der Zerstörung. Hat hier ein Mensch überlebt?

Lkw-Räder, Motorblöcke, von unvorstellbaren Kräften außer Form gebracht. Die Achsen nach dem Bösen. Manchmal, warum auch immer, findet sich inmitten der Zerstörung ein auf wundersame Weise unversehrtes Teil: ein intakter Gurt, ein Funkgerät. Wie neu. Hier stehen Autos, die nachdenklich machen. Hat darin ein Mensch überlebt? Oder kam jede Hilfe zu spät? Parkte der Wagen an diesem Morgen zufällig unter den Türmen? Oder fuhr er mit Vollgas ins Verderben, um zu retten, was zu retten ist? Rund 4300 Autos wurden am 11. September 2001 bei den Anschlägen zerstört, 300 davon am Pentagon in Washington. Das zumindest gab der Verband der US-Autoversicherer ein Jahr nach den Terrorakten offiziell bekannt. Von den rund 300 beschädigten Einsatzfahrzeugen der New Yorker Polizei steht kein einziges im Hangar. 120 wurden in den Wochen danach verschrottet, der Rest wieder instand gesetzt. "Wir waren so stolz auf unsere Arbeit, aber dann gab es mächtig Ärger, weil nicht ein einziges Auto des New York Police Department in dem Museum stehen wird", sagt Bob Martinez, Chef des NYPD-Fuhrparks.

Hangar 17 leert sich langsam, erste Stücke sind museumsreif und bereits abtransportiert. Wie dieser Klumpen, 150 Zentimeter breit, 60 Zentimeter hoch, der einst vier Etagen World Trade Center war, bevor Hitze und Druck zuschlugen. Oder U-Bahn-Waggons, Monate nach dem Terror aus den Schächten gezogen. Das Stück der Antenne, die auf dem Nordturm stand, liegt noch in der Halle. Teile, die es nicht ins Museum schaffen, sollen in ganz Amerika als Mahnmale aufgestellt werden. Auch in Europa wollen sie die Erinnerungsstücke zeigen. Eines der zentralen Ausstellungsstücke des Museums an Ground Zero wird ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr sein. In Folie verpackt, wartet es auf seine letzte Reise. Es wurde gewählt, weil es wohl das erste Auto war, das zum brennenden Nordturm fuhr. Nicht einer der elf Männer auf dem Feuerwehrauto überlebte.

Autor: Hauke Schrieber

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