911 GT3 RS 4.0/GT3 R/Camaro ZL1/GT/Audi R8 GT/LMS ultra

Rennwagen gegen Straßenauto

Der Transfer zwischen Motorsport und Straße ist ein steinaltes Marketing-Versprechen mit teils stark schwankendem Wahrheitsgehalt. Doch diesmal wollten wir es genau wissen – und fuhren es heraus.



Drei Teams der ADAC GT Masters haben sich bereit erklärt, am Vergleich zwischen GT3-Siegel und TÜV-Stempel teilzunehmen. R8 GT und GT3 RS 4.0 sind wieder mit am Start. Dazu ein Camaro ZL1 sowie die jeweiligen Pendants aus der Rennserie. Klingt nach einer ziemlich wilden Mischung, trifft das Wesen der GT Masters letztlich aber sehr genau. Die Serie lebt von ihrer Vielseitigkeit. 33 Teams traten in der abgelaufenen Saison auf insgesamt 13 verschiedenen Fahrzeugen gegeneinander an. Das Besondere dabei: Das Reglement schert die Rennwagen nicht über den Einheitskamm; mitfahren darf alles, was der Automobilweltverband FIA als GT3-Fahrzeug absegnet.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Unter der Alu-Stahl-Karosserie arrangiert sich ein Fahrwerk mit amerikanisch dimensionierten Stahlträgern.

Chevrolet Camaro GT (650 PS, 280 km/h) Der Camaro GT vom Team Yaco Racing gehört zu den Publikumsmagneten der Serie. Nicht nur, weil er in feinster Muscle-Car-Tradition so ziemlich alles in Schutt und Asche hämmert, was sich neben seine Sidepipes traut, oder weil er eine optische Breitseite auffährt, die allenfalls noch ein Panzer toppen könnte, sondern auch, weil er im GT-Sport ein absoluter Exot ist. Der Bolide entsteht bei Reiter Engineering quasi in Eigenarbeit. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist der Camaro mit rund 230.000 Euro so etwas wie der Low-Budget-Renner der Serie. Und ganz nebenbei mit 650 PS und über 800 Newtonmeter auch der stärkste.

Überblick: Alle News und Tests zum Chevrolet Camaro

Chevrolet Camaro ZL1 (587 PS, 290 km/h) Ausreichend Kraft hat auch der Serien-Camaro zu bieten. Nur man­gelt es ihm an der nötigen Traktion, um diese auch in Vortrieb umzusetzen. Dabei trifft den ZL1 nur ein Teil der Schuld. Der andere (und größere) geht aufs Konto des Zubehör-Radsatzes. Wolfgang Kaufmann ein echter Profi, der selbst einmal Fahrer beim ADAC GT Masters war, driftet sich einige Runden die Hüfte locker, ehe er meint: "Auch hier ist Leistung wirklich das Letzte, woran es mangelt. Interessant zudem, dass Renn- und Straßenauto in etwa das gleiche Drehzahlspektrum nutzen. Das Fahrwerk ist besser, als ich dachte."

Überblick: Alle News und Tests zum Audi R8

Der R8 GT nutzt wie auch die Straßenversion einen 5,2 Liter großen V10-Sauger.

Audi R8 GT (560 PS, 320 km/h) Unzulänglichkeiten sollte der R8 GT nicht offenbaren. Schließlich durfte jeder, der sich einst für das auf 333 Exemplare limitierte Coupé entschied, den Gegenwert von rund zweieinhalb Camaros löhnen. Außerdem scheute die quattro GmbH damals nicht, die angebliche Nähe zum Rennsport selbst in die Welt hinauszu tragen. Das Paradoxe daran: Der R8 GT bleibt trotz Sitzschalen, Vierpunktgurten, Feuerlöscher und Überrollkäfig eigentlich ganz Audi. Im belederten Vollwert-Kokon weht feinstes Uperclass-Flair, nicht die herbe Würze öldunstiger Boxengassen. Wer im GT eine straßentaugliche Ableitung des Rennwagens sieht, liegt daher falsch.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Audi R8 LMS ultra (525 PS, 290 km/h)
Der R8 LMS ultra produziert Abtrieb wie kaum ein Zweiter. Dadurch ergeben sich Vorteile im Kurvigen, was laut Regelwerk eine Beschneidung der Längsdynamik zur Folge hat. Dennoch ist Kaufmann voll des Lobes, als er nach einigen Runden aus der tief positionierten Sitzschale des Prosperia UHC Speed-Renners klettert. "Das Auto hat ein grandioses Handling, lenkt hochpräzise ein und reagiert extrem feinnervig auf kleinste Lenkbefehle. In schnellen Ecken ist die Aerodynamik deutlich spürbar. Wo man im Camaro noch am Kämpfen und Lupfen ist, zieht man im Audi einfach mit Vollgas durch."

Überblick: Alle News und Tests zum Porsche GT3

Markant am GT3 RS 4.0 ist die flach heruntergezogene Schnauze samt Flics an den Flanken.

Porsche GT3 RS 4.0 (500 PS, 310 km/h) Im Falle des GT3 RS 4.0 verstehen sich Sportreifen von selbst. Kein Wunder, gilt er doch als letzte Vorstufe zum Rennsport, die man noch mit Kennzeichen bewegt. Und er gibt sich auch größte Mühe, diesem Ruf gerecht zu werden. Sein Motor pflegt die Verwandtschaft zum 911 RSR, das Fahrwerk wurzelt ebenfalls im Rennsport, Sitzschalen, Überrollbügel, Sechspunktgurte gab’s frei Haus, Radio und Klima nur, wenn man explizit danach fragte. Und optisch folgt der RS 4.0 ebenfalls dem Schönheitsideal des Motorsports: breite Schultern, großer Spoiler, flach heruntergezogene Schnauze. Letztlich verdeutlicht der Abgleich zum Rennwagen, wo die Zulassungsbestimmungen ihre Schranken gesetzt haben.

Performance-Grand-Slam: Jagd auf den Porsche 911er

Porsche GT3 R (500 PS, 290 km/h) Der GT3 R wiegt nochmals 145 Kilo weniger, baut hinten nochmals mächtiger in die Breite, taktet seinen 4,0-Liter-Boxer über ein extrem schnelles Sequenziellgetriebe und stützt seine Fahrdynamik auf einen Unterbau, der nicht nur bis ins geschmiedete Stützlager versteift, sondern auch in jeder erdenklichen Hinsicht einstellbar ist. Klingt kompliziert, lässt sich aber relativ simpel zusammenfassen: Der GT3 R hat eine enorm hohe Grundspeed und ein sehr ausgewogenes Handling. Sein Heckmotor-Layout kann dank der klebrigen Hinterachse all seine Vorzüge ausspielen. Die Bremsphase verlagert sich fast bis zum Scheitel, beschleunigt wird dort, wo der Camaro noch um Traktion ringt.

Straßen- gegen Rennwagen, mehr Infos dazu gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt als PDF im Online-Heftarchiv.

Verwandtschaft ersten Grades?

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
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Veröffentlicht:

04.01.2013

Preis:

2,00 €

Technische Daten Audi R8 GT Audi R8 LMS ultra Camaro ZL1 Camaro GT 911 GT3 RS 4.0 911 GT3 R
Motor V10 V10 V8, Kompressor V8 B6 B6
Hubraum 5204 cm³ 5204 cm³ 6162 cm³ 7883 cm³ 3996 cm³ 3996 cm³
kW (PS) bei 1/min 412 (560)/8000 386 (525)/8000 432 (587)/6000 478 (650)/6000 368 (500)/8250 368 (500)/k.A.
ECE-Normverbrauch auf 100 km 13,9 l Super Plus k.A. 15,6 l Super Plus k.A. 13,8 l Super Plus k.A.
0-100 km/h 3,6 s ca. 3,5 s ca. 4,3 s ca. 3,2 s 3,9 s ca. 3,5 s
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h ca. 290 km/h 290 km/h ca. 280 km/h 310 km/h ca. 290 km/h
Preis Serienfahrzeug (ohne Extras) 193.000 Euro 392.581 Euro ca. 80.000 Euro 232.050 Euro 178.596 Euro 362.355 Euro
Autor:

M. Iglisch

Fazit

Die Uhr teilt Motorsport und Straße in zwei Welten, das Gefühl vereint sie je nach Paarung mal innig, mal leger. Porsche konserviert Rennwagenflair als intensive Dosis, Audi kultiviert es zum bekömmlichen Erlebnis, während Chevrolet es im längsdynamischen Charakter bewahrt.

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