A4 Avant 3.0 quattro gegen C 320 T 4MATIC

Audi A4 Avant 3.0 quattro gegen Mercedes C 320 T Elegance 4MATIC Audi A4 Avant 3.0 quattro gegen Mercedes C 320 T Elegance 4MATIC

A4 Avant 3.0 quattro gegen C 320 T 4MATIC

— 09.10.2002

Baut Mercedes den besseren quattro?

Mercedes C 320 4MATIC contra Audi A4 Avant 3.0 quattro: teuer, temperamentvoll. Und am Ende fast gleich.

Nobellaster mit konkurrenzloser Qualität

Was der Audi quattro in der Werbung nicht alles kann! Er schleppt Lastzüge, zieht Wasserskiläufer durch die Gischt und klettert sogar eine verschneite Sprungschanze hinauf (den Trick mit dem Seilzug haben wir dann später durchschaut). Dabei geht es in der Käufergunst längst nicht so steil bergauf – beim A4 wählen gerade zehn Prozent aller Kunden den Allrad. Egal, quattro zieht. Und sei es als letztes Ass am Stammtisch: "Hat dein Mercedes nicht."

Das muss die Stuttgarter so gewurmt haben, dass sie erstmals vorstellen, wonach vermutlich niemand gefragt hat: eine C-Klasse mit Allradantrieb. quattro auf Schwäbisch heißt 4Matic und kostet im C 320 T Elegance 4MATIC exakt 44.312 Euro. Darin stecken 2146 Euro Aufpreis gegenüber dem "normalen" C 320 mit Heckantrieb. Und 5462 Euro mehr als für den vergleichbaren Audi A4 Avant 3.0 mit Tiptronic.

Kann eine 4MATIC wirklich so viel besser sein? Diese Zahl darf uns noch mal kurz den Mund trockenlegen: 44.312 Euro – wir sehen hier wohl den teuersten Weg, sein Geld in rund 4,50 Meter Auto zu stecken (abgesehen von einem C 32 AMG, aber den zählen wir mal zu den Sportwagen). Allerdings auch den lustvollsten Weg, denn auf diesem einsamen Gipfel der Nobellaster erklimmt deutscher Autobau eine Qualität, die (Verzeihung nach Fernost) Japan bislang nicht erreicht hat.

Perfekte Sitze und feine Materialien

Da stehen zwei Edelkombis, durchkomponiert nach allen Regeln der Kunst. Und die lautet: Schön müssen sie sein. Ihre sanften Rücken verströmen eine unaufdringliche Eleganz, jede Blechsicke passt wie eine Bügelfalte. Wer würde hier mit matschigen Schuhen einsteigen? Die haben genauso Hausverbot wie kleckernde Farbeimer im Heck.

Man sitzt perfekt. Wer in der ersten Reihe Rückenschmerzen bekommt, der sollte wirklich mal beim Orthopäden vorbeischauen. Das Auge freut sich an feinen Stoffen und Materialien, im Mercedes stören jedoch Kleinigkeiten wie klapprige Scharniere am Deckel der Mittelkonsole.

Von großzügiger Weite allerdings kann keine Rede sein. Im Fond des Audi klagen schon 13-Jährige über zu wenig Platz, hinter der hohen Fensterlinie fühlen sie sich wie eingeschlossen. Die Schießscharten beschränken auch die Rundumsicht: Beim Zurücksetzen sind die schönen lackierten Stoßfänger arg gefährdet.

Schmuckschatulle statt Laderaum

Nun ein Blick unter die Heckklappe. Was sich hier auftut, ist kein Laderaum mehr, sondern eine sorgsam ausgelegte Schmuckschatulle. Mit Häkchen in Chrom, mit kleinen Geheimfächern seitlich und unten, mit Sitzlehnen, die einhaken wie Schlossriegel. Das Gepäck wandert über eine Nirosta-Schwelle und liegt auf feinstem Teppich. Diese Kofferräume sind eigentlich Showräume.

Schon deswegen werden sie spätestens bei der ersten Urlaubstour entzaubert – oder beim Blick auf richtige Kombis: Ein Ford Mondeo Turnier schluckt mit voll umgelegten Sitzen maximal 1700 Liter oder gut drei Taschen mehr als die C-Klasse (1384 Liter), vom Audi mit seinen 1184 Litern ganz zu schweigen. Avant-Fahrer werden niemals beim Umzug angerufen – und wenn, passt eine Ausrede immer: "Ausgerechnet heute kann ich leider schlecht."

Was diese Edel-Kombis wirklich können, ist eine gute Figur machen. Und das gilt dank Allrad auch an ein paar Tagen mehr im Jahr. Im Grunde genommen sind vier angetriebene Räder so unsichtbar wie Sauerstoff oder eine Lebensversicherung, von außen nur zu erkennen an den Schriftzügen am Heck.

Allrad – auf Kosten des Verbrauchs

So unauffällig bleiben sie auch die meiste Zeit, abgesehen von Verbrauch und Temperament. Die traurige Allrad-Wahrheit heißt leider: Der C 320 4MATIC sprintet sechs Zehntel langsamer auf Tempo 100 (8,3 Sekunden) als sein Bruder mit Heckantrieb und verbraucht alle 100 Kilometer 1,3 Liter Super mehr (Audi: vier Zehntel und 1,0 Liter). Happig, und was gibt es dafür?

Wer erwartet hatte, dass die Allradler auf trockener Strecke schneller um die Ecken gehen, wird enttäuscht. Bevor wir den Grip-Vorteil des Allrad fühlen, greift das elektronische Stabilitätsprogramm ein. Also, ESP aus, auf dem Testgelände sollen die beiden Farbe bekennen. Nun schiebt der A4 im Grenzbereich über die Vorderräder, wie von Audi gewohnt. Die C-Klasse dagegen hängt leicht das Heck heraus, macht dem sportlichen Fahrer mehr Spaß. Nur: Wer schaltet ESP aus? Aber endlich erfahren wir einen klaren Unterschied; wir hatten schon gedacht, der Allrad mache die Deutschen einander so ähnlich wie Zwillinge.

Sind sie beileibe nicht, weil der Audi die Kraft variabel zu 25 bis 75 Prozent auf eine Achse verteilen kann, während das Zentraldifferenzial im Mercedes starr 40 Prozent der Kraft nach vorn reicht und 60 nach hinten. Den Rest regelt die Elektronik mit Bremseneingriff – das aber bei Nässe so überzeugend, dass Zweifel über eine scheinbar simplere Technik verfliegen.

Der Geschmack entscheidet

Seit der M-Klasse 1997 ist Mercedes von der aufwendigen alten 4MATIC (mit automatischen Differenzialsperren) umgestiegen auf die Elektronik namens 4 ETS – auf Asphalt ein gelungenes Paket. Für den C 320 4MATIC sind bei Nässe Schienen verlegt.

So neutral bleibt der Audi nicht, zudem fehlt den Michelin-Reifen Grip. Erst wenn es ganz dicke kommt, spielt der Audi seine Technik aus. Auf Schnee und Eis wird er weiter kommen (falls nicht ein Flachlandtiroler auf Sommerreifen den Weg versperrt). Aber diese Fälle müssen wir auf einen späteren Wintertest verschieben.

Wen interesssiert das überhaupt? Bei der Frage "A4 oder C-Klasse?" entscheidet meist der persönliche Geschmack. Da wird die 4MATIC ein nettes Zusatz-Extra, um seinen C 320 oder C 240 weiter aufzurüsten. Es gibt kaum einen lustvolleren Weg, sein Geld in 4,50 Meter Auto zu stecken.

Fazit und Technische Daten

Fazit Sind wir feige, weil der Vergleich unentschieden endet? Nicht, wenn die Gegner sich so ähnlich geworden sind: Front- oder Heckantrieb, das zählt nun nicht mehr. Der Mercedes hat bessere Fahreigenschaften und mehr Platz, der Audi ist spritziger und klar günstiger. Und das auf einem so hohen Niveau, dass oft genug kein Zeitungsblatt zwischen die beiden passt. Werden Autos immer gleicher? Gerne, wenn es so geschieht.

Kosten und Ausstattungen

Während bei der C-Klasse die Fünfgangautomatik serienmäßig an Bord ist, hat der Audi-Fahrer die Wahl zwischen dem Sechsganggetriebe und einer Tiptronic. Vier angetriebene Räder gibt es in der C-Klasse auch für den kleinen Sechszylinder C 240, beim A4 neben dem 1.8T sogar für zwei Dieselmotoren.

Wertung und Endergebnis

Wir orientieren uns am Maßstab. Heißt: Das jeweils meistverkaufte Modell in Deutschland markiert in jedem Kapitel 100 Prozent. Für diesen Vergleich bedeutet das: Maß der Dinge bei den noblen Mittelklasse-Kombis ist der A4 Avant (40.265 Einheiten im ersten Halbjahr 2002). In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich, ob der C 320 T 4MATIC besser oder schlechter abschneidet als der Marktführer. So können Sie Ihren persönlichen Favoriten küren.

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