A6 Avant vs. 5er Touring

A6 Avant 2.7 TDI gegen 525d Touring

— 30.03.2005

Audi sportlicher als BMW?

Audi sattelt auf: Europas Auto1, der A6, geht jetzt als Avant ins Rennen. Im Diesel-Derby trifft er auf den 5er.

Vom Arbeitstier zum Rennpferd

Frher haben wir unsere Kombis hchstens vor den Pferdeanhnger gespannt. Heute sind viele dieser Arbeitstiere lngst selbst Rennpferde. Das gilt ganz sicher fr den 5er Touring. Ganz frisch will sich auch der neue A6 Avant, gerade zu Europas Auto1 gewhlt, mit diesem Titel schmcken. Wie es sich fr echte Zugpferde gehrt, haben wir beide als Diesel gewhlt.

Der A6 Avant 2.7 TDI mu zunchst keinen Respekt vor dem 5er haben. Er scharrt zu Recht schon krftig mit den Hufen. Bis in die letzte Karosseriefalte ist er auf Tempo gestriegelt, bepackt mit TDI-Muskeln und von edler Abstammung aus Ingolstdter Gestt. Diesen Newcomer lassen wir gegen den ebenfalls durchtrainierten BMW 525d Touring antreten.

Auf einer Auktion htten die Zchter von BMW zunchst mehr zu erwarten. Denn fr den praktischen 5er beginnt das Mindestgebot bei 41.050 Euro, der Audi ist schon ab 38.900 Euro zu haben. Dabei mten Interessenten auf den A6 noch etwas drauflegen, um in der Ausstattung mit dem BMW gleichzuziehen. Konkret: Erst fr 40.530 Euro hat auch der Audi Extras wie Reifendruck-Kontrolle, elektrische Sitzverstellung, Funktionstasten am Lederlenkrad oder einen Diesel-Partikelfilter an Bord. Schnheit hat eben ihren Preis, besonders wenn die Pracht-Tierchen so krftig im Futter stehen.

Technische Daten und Testwerte

Mit 180 PS kommt der Audi in die Hufe, 177 PS sind es beim BMW. Soviel vorab: Auf der Bahn setzt der A6 seine drei PS nicht in Vorsprung um. 225 km/h Hchstgeschwindigkeit erreichen beide, im Sprint galoppiert der schwchere 525d sogar voraus. Immerhin: Der Futterbedarf spricht mit 8,4 Litern (BMW 9,0) fr Audi.

Getriebe- und Motoreigenschaften

Schwerer wiegen die Unterschiede im Charakter. Antraben im Audi ist nicht ganz einfach. Man mu den A6 sensibel mit leicht schleifender Kupplung locken, denn die rckt sehr spitz ein. Wer nachlssig antreibt, ruckelt los wie ein Reitschler. Oder man erteilt die Kommandos weniger sensibel und schwingt die Drehzahl-Peitsche. Dann aber berfordern die brigen 380 Nm Drehmoment den Frontantrieb, der A6 scharrt mit den Hufen.

Der BMW setzt sich wrdevoller in Bewegung. Traktionsprobleme beim Antraben sind ihm so fremd wie Dithmarscher Kohl im Futtertrog eines arabischen Vollbluts. So galoppiert er dem A6 auf den ersten Metern freudig davon. Aber: Beim Wechsel in den zweiten Gang bockt der Fnfer etwas strrisch. Die sehr weich aufgehngte Antriebseinheit schwingt beim Schalten, das ist beim zgigen Einkuppeln als federndes Rucken sprbar. Besser wrde beiden eine Automatik passen, aber die gibt es im Audi nur mit dem quattro-Antrieb (ab Juni).

Viel mehr Klasse beweist der BMW, wenn er erst einmal munter in Fahrt gekommen ist. Der Motor dreht willig hoch und macht schon bei niedrigen Touren ordentlich Druck. Ab Autobahn-Tempo ist vom Sechszylinder nichts mehr zu hren, die ebenfalls nicht lauten Wind- und Rollgerusche bernehmen jetzt die Fhrung. Das gilt auch fr den mechanischer klingenden Audi-TDI. Er luft subjektiv sogar ein wenig leiser, ist nur beim Blick auf die Mewerte lauter.

Jetzt im Winter fallen sogar Steinchen auf, die in den hinteren Radhusern prasseln und so gar nicht zum Geruschniveau des Audi passen. So etwas ist dem 5er fremd. Weniger optimal dagegen: der breite Getriebetunnel im 525. Hier mssen groe Jockeys den rechten Unterschenkel nach innen drehen, um gut zu sitzen und das ermdet auf Dauer.

Innenraum-Gestaltung und Bedienung

Erstklassige Arbeit bei der Innenraum-Gestaltung erledigten die Audi-Entwickler. Die Ingolstdter haben im Detail mehr Liebe investiert als die Mnchener. Klar, der 5er ist ebenfalls hochwertig verarbeitet, alles fat sich nett an, sieht ordentlich aus. Aber der Audi wirkt in allen Ecken wie ein sndhaft teures, modernes Mbelstck. Haargenau eingepate man mu fast sagen eingeprete Metall-Rahmen um die Holzeinlagen, elegant montierte Luftdsen in den Trverkleidungen wirken erstklassig. Dazu ein MMI-Bedienknopf, der so herrlich mechanisch einrastet wie ein Tresor-Zahlenschlo.

Dagegen dreht sich der synthetisch wirkende iDrive-Knubbel des 5ers wie ein Kinderspielzeug. berhaupt, wir wissen es, die Bedienung ber diesen Zentral-Schalter ist nicht optimal gelst. Ein Beispiel: Um die Luftverteilung vom Kopf auf den Furaum zu lenken sind mehrere Schritte ntig. Zuerst Men-Tastedrcken, iDrive nach links schieben, drehen, jetzt draufdrcken, noch zweimal nach unten schieben, erneut drehen. chz. Jetzt haben wir zwar endlich warme Fe, sind aber vom Verkehr abgelenkt und fast auf der Gegenfahrbahn gelandet. Bei Audi klappt das viel schneller und weniger umstndlich.

Beim Griff in die Zgel beweisen unsere Galopper ebenfalls unterschiedlichen Charakter. Direkter und mit hherem Kraftaufwand belegt zeigt sich die BMW-Lenkung. Zackig, aber auch angenehm leichtgngig reagiert der Audi auf Befehle zur Richtungsnderung.

Fahrkomfort und Kofferaumvolumen

Gute Beurteilungen verdienen aber beide, zumal sich A6 und 5er trotz hohen Wagengewichts fgsam dirigieren lassen. Sowohl Audi als auch BMW interessiert es dabei wenig, ob sie rauhes Geluf oder glatte Ebene unter die Rder bekommen. Der Fahrkomfort ist gut, mit Vorteilen fr den A6, der aber auch mit Luftfederung (1900 Euro) zum Test antrabte. Fr hohe Fahrstabilitt und vorbildliche Bremsen verdienen beide gute Noten, der BMW setzt sich durch seinen souvernen Heckantrieb und einen Tick bissigere Bremsen etwas ab.

Auch wenn die schicken Traber fast zu schade sind, um schnde Fracht zu schleppen natrlich gucken wir ihnen noch in die Packtaschen. Mit Klapp-, Halte-, Gurt- und Fachsystemen (jeweils Aufpreis) lassen sich beide Frachtabteile luxuris aufpeppen. Die 500 Liter Ladevolumen des BMW gehen noch in Ordnung, der Audi fat eine Ladung Hafer mehr. Rcksitzlehnen, die sich nicht einmal vollends flach legen lassen, sind dagegen selbst fr diese dynamischen Laster eher lausig.

Standesgemer wirken dagegen elektrisch bettigte Heckklappen. Gegen Aufpreis ffnen und schlieen die Luken leise surrend auf Knopfdruck. Das gibt zwar keine Wertungspunkte. Aber es pat so schn zu dieser rassigen Kombi-Zucht.

Kosten und Ausstattungen

Kostenvorteil fr Audi: Der Grundpreis ist geringer, und die einzelnen Ausstattungsdetails kosten geringfgig weniger. Ein wichtiges Serien-Detail fehlt dem A6 jedoch: der Diesel-Partikelfilter.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn Die Ingolstdter haben saubere Arbeit geleistet. Die Verbindung aus dem sparsamen V6-TDI, der kundenfreundlichen Preispolitik und einer erstklassigen Innenraumanmutung macht aus dem stattlichen Audi den verdienten Sieger. Spurtstrker, durch den souvernen Heckantrieb dynamischer und wendiger trabt der BMW an. Doch vor allem wegen des hheren Grundpreises (es gibt ihn eben nicht billiger) und weil er keine echte Garantie bietet, fhrt der Touring hinter dem Avant ins Ziel.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung