Abarth 124 Spider und 595 Competizione

Abarth 124 Spider und 595 Competizione (2016) im Test: Fahrbericht

— 01.11.2016

Abarth gegen Abarth

Eine Marke, zwei völlig verschiedene Konzepte: Abarth 124 Spider trifft 595 Competizione. Welcher Abarth knallt mehr? AUTO BILD machte den Test!

Tatort: Nürburgring. Auf der Grand-Prix-Strecke treten der brandneue Abarth 124 Spider und der aufgefrischte Abarth 595 gegeneinander an. Kurzer Geschichts-Exkurs: Erst mit der Neuauflage des Fiat 500 wurde auch die Traditionsmarke Abarth wiederbelebt. Mit dem 124 Spider hat Abarth nun auch endlich wieder einen echten Sportwagen im Programm. Dass der Fiat 500 in der Abarth-Version Spaß macht, hat er schon oft genug bewiesen. Also starten wir mit dem hauseigenen Herausforderer, dem neuen 124 Spider.
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Nichts gegen Automatikgetriebe – aber die Handschaltung passt viel besser zu einem Sportler wie dem Spider.

Schon vor der Abfahrt wird klar, dass der Abarth 124 Spider ein echter Sportwagen ist. Der Einstieg ist schmal, die Sitzposition extrem tief. Dann der bange Blick nach rechts: Welches Getriebe steckt hier eigentlich drin? Antwort: die klassische Handschaltung. Zum Glück! Nicht, dass das sequenzielle "esseesse"-Getriebe per se schlecht wäre, es passt einfach nicht in den Abarth 124 Spider. Vielleicht ist meine Ansicht etwas altmodisch, aber eine puristische Fahrmaschine braucht eine Handschaltung. Und einen zünftigen Sound. Wer den Startknopf drückt, der wird angebellt – der Sound des Klappenauspuffs klingt böse und nach deutlich mehr als den angegebenen 170 PS. Wir merken uns: Sound und Optik können die Italiener. Der Abarth 124 Spider sieht tatsächlich verdammt gut aus. Die schwarzen Hauben sind eine Hommage an den legendären Fiat 124 Spider aus den Sechzigern und Siebzigern, echte Abarthisti wissen das natürlich. Aber wie sieht es mit Fahrspaß bei der Neuauflage aus? Ab auf die Strecke, das Zeitfenster ist kurz.

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Das Getriebe im 124 Spider ist gut gelungen

Abarth 124 Spider: 170 PS schieben den 1060 Kilo leichten Roadster in 6,8 Sekunden auf Tempo 100.

Zum Eingewöhnen fahren wir erst mal im normalen Modus. Die Gasannahme des 1,4-Liter-Vierzylinders ist für einen Turbomotor sehr direkt. Der Durchzug ist ordentlich, könnte angesichts des niedrigen Gewichts aber noch besser sein. Die 170 PS lassen den nur 1060 Kilo leichten 124 Spider in 6,8 Sekunden die 100-km/h-Marke knacken. Dabei sind die Schaltwege extrem kurz und knackig – ein tolles Getriebe. Die Lenkung ist direkt und gibt ausreichend Rückmeldung. Insgesamt ist der Abarth 124 Spider aber spitz zu fahren. Ein kleines bisschen zu schnell in die Kurve, und das Heck kommt sofort – ehe es massiv vom ESP eingebremst wird. Sicherheit geht zwar vor, aber wir wollen Spaß! Also den Sport-Modus per Kippschalter aktiviert, er sitzt – ganz im Dodge-Viper-Stil – hinter dem kurzen Schaltknauf und neben der Handbremse. Sofort lässt die Elektronik mehr zu, und der Fahrspaß steigt. Jetzt erinnert das Ganze schon sehr an den Toyota GT86. Wer richtig driften will, der schaltet das ESP komplett aus. Das lassen wir heute mal lieber, denn die Kombination aus Pirelli-Winterreifen plus nasser und kalter Grand-Prix-Strecke ist gefährlich.

Fiat Abarth 124 Spider (2016) im Test: Fahrbericht

Das kostet der Abarth 124 Spider

Im 595 Competizione ist der Sound noch emotionaler

Abarth 595: Brembo-Bremsen sind mit an Bord, das neue Sperrdifferenzial kostet extra.

Zeit für einen Boxenstopp mit Autotausch. Also rein in den 595 Competizione! Aber was ist das? Sitze ich in einem Auto oder an der Bar? Auch wenn die Sitzposition im Fiat 500 schon oft bemängelt wurde, hat Abarth die Sitzkonsolen beim Facelift nicht tiefergelegt – man hat also weiterhin das Gefühl, auf statt im Auto zu sitzen. Sei's drum, hier geht es um den Fahrspaß. Und der ist riesig: In der Topversion des 595 leistet der Turbomotor dank größerem Turbolader noch mal zehn PS mehr als im Spider. Auch wenn die Zahlen etwas anderes sagen: Vom Gefühl her ist der Competizione schneller als der 124 Spider. Ob das am noch emotionaleren Sound oder vielleicht doch an den Streckenbedingungen liegt? Fakt ist: Der Abarth 595 Competizione macht auf dem nassen Nürburgring unfassbaren Spaß. Die Schaltwege sind kurz, wenn auch nicht so knackig wie beim Spider. Die Brembo-Bremse ist schon nach einer Runde auf Temperatur und hat die gut 1100 Kilo schwere Rennsemmel jederzeit voll im Griff. Das Fahrwerk ist eine Wucht, das neuentwickelte Sperrdifferenzial reguliert die Kraft zwischen den Vorderrädern perfekt. Wer hier Untersteuern erntet, der fährt wie ein Hooligan. Im Normalfall zieht einen das im 2890 Euro teuren Performance Pack enthaltene Sperrdifferenzial sauber aus der Kurve raus. Anders als beim 124 Spider ist man mit dem 595 Competizione sofort schnell unterwegs. Man braucht keine Eingewöhnung, und der "Compe", wie er von einigen Fahrern genannt wird, verzeiht sogar kleine Fahrfehler.

Fiat 595 Abarth Competizione (2016) im Test

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Welches Auto passt zu welchem Zweck?

Der 595 Competizione ist ideal zum Heizen auf der Rennstrecke. Der 124 Spider ist ein Kurvenräuber.

Welcher Abarth macht nun also mehr Spaß? Vor dem großen Fazit müssen wir mal festhalten, dass man die beiden italienischen Spaßmobile unter objektiven Gesichtspunkten gar nicht miteinander vergleichen kann. Abarth 124 Spider gegen Abarth 595 Competizione, das heißt auch: Roadster gegen Kleinwagen, Hinterrad- gegen Vorderradantrieb, zwei gegen vier Sitzplätze, 40.000 Euro gegen 24.790 Euro. Aber hier geht es um Fahrspaß, und diese Disziplin beherrschen beide Abarth. Es kommt also eher auf das Einsatzgebiet an. Kurz und knapp: den 595 Competizione zum Heizen auf der Rennstrecke, den 124 Spider zum sportlichen Kurvenräubern auf der Landstraße. Dass der 595 Competizione so viel Spaß auf der Rennstrecke bringt, liegt natürlich auch daran, dass es sich hierbei um das Topmodell der 595er-Baureihe handelt. Mehr Leistung, größere Bremsen, strafferes Fahrwerk und das optionale Sperrdifferenzial zeigen ihre Wirkung. Den brandneuen Abarth 124 Spider gibt es aktuell nur in einer Version. Aber wer weiß, vielleicht legt Abarth ja noch mal nach. Ein 124 Spider Competizione oder esseesse, das wäre doch was. Ich denke da an den 300 PS starken Abarth 124 Rallye, der 2016 auf dem Autosalon Genf stand.

Abarth 124 Spider und 595 Competizione

Autor:

Jan Götze

Fazit

Wenn ich mich entscheiden dürfte, dann würde ich den 595 Competizione nehmen: klein, alltagstauglich und sauschnell. Unterm Strich einfach ein Spaßmobil. Wer 40.000 Euro oder mehr in einen Abarth investieren möchte, der bekommt mit dem 124 Spider einen sportlichen Roadster mit gutem Komfort in der schickeren MX-5-Hülle. Oder auch einen gebrauchten 695 Biposto!

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