VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

Abgasskandal: Hersteller schreiben an die EU

— 02.10.2015

Autobauer warnen vor Überreaktion

Europas Autobauer haben aus Angst vor schmerzhaften Konsequenzen aus dem Abgasskandal die EU angeschrieben. Verbraucherschützer fordern dagegen einen Runden Tisch.

(Reuters/cj) Die europäischen Autobauer haben angesichts des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen vor einer Überreaktion der Politik gewarnt. "Wir sollten Maßnahmen vermeiden, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche untergraben", erklärte der Präsident des europäischen Autoverbandes ACEA, Renault-Chef Carlos Ghosn, in einem Reuters vorliegenden Brief an den EU-Industrieministerrat. Schließlich stehe die Autoindustrie für gut zwölf Millionen Arbeitsplätze in Europa. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte am Freitag (2. Oktober 2015) davor, den Technologiestandort Deutschland und seine Schlüsselindustrie infrage zu stellen. "Ein Generalverdacht ist fehl am Platz", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Wie aus dem Schreiben des ACEA hervorgeht, fürchtet die Autoindustrie, dass wegen des Abgasskandals die gerade noch verhandelten Vorgaben zum neuen Messverfahren "Real Driving Emissions" (RDE) verschärft werden. Die Frage, wie Emission realistischer gemessen werden könnten, dürfte nicht vermischt werden mit den Abgas-Manipulationen von VW, appellierte Ghosn in dem Brief. Er äußerte darin den Verdacht, die USA wollten mit ihrem Vorgehen im Abgasskandal die Marktführerschaft der Europäer bei Diesel-Autos attackieren.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

Verbraucherschützer forderten dagegen, die Angaben der Hersteller zu Abgas- und Verbrauchswerten besser zu regulieren und zu kontrollieren. "Autokäufer können sich nicht auf die Angaben der Hersteller verlassen", monierte Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Um Verbraucher künftig vor Täuschung und Schaden zu schützen, muss jetzt gehandelt werden." Er forderte einen Runden Tisch mit Vertretern von Autobauern, Händlern, Politik und Verbrauchern mit dem Ziel, eine bessere Regulierung aus ausreichende Kontrollen zu erreichen.

Das könnte der Abgasskandal VW weltweit kosten

Mögliche Strafen und Forderungen im Ausland

6,5 Milliarden Euro hat der VW-Konzern wegen des Abgasskandals ergebniswirksam zur Seite gelegt. Doch das wird bei weitem nicht reichen, das geben auch die VW-Verantwortlichen zu. Denn weltweit fordern neben Dieselfahrern auch Regierungen und Umweltbehörden rasche Aufklärung, sie haben eigene Abgasmessungen angeordnet und erste Klagen erhoben. Experten rechnen damit, dass die Affäre VW bis zu 50 Milliarden Euro kosten könnte. Hier lesen Sie, welche Länder aktuell Strafzahlungen und Erstattungen prüfen oder fordern.

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Mit dem neuen RDE-Verfahren sollen die Schadstoffwerte auch im Straßenbetrieb und nicht länger nur auf dem Rollenprüfstand gemessen werden. Denn bisher ist die gemessene Schadstoffbelastung nur im Labor unter den Grenzwerten, während Autos im Fahrbetrieb ein Mehrfaches des Erlaubten ausstoßen. Die EU-Kommission will die neuen Messverfahren schneller, nämlich bis Ende 2015 verabschieden. Sie sollen für alle Neufahrzeuge ab Herbst 2018 gelten. Der ACEA kündigte in dem Schreiben an, die Hersteller könnten das erst bis September 2019 schaffen. BMW-Chef Krüger erklärte dagegen, die Auto-Konzerne müssten täglich am Vertrauen ihrer Kunden arbeiten. Dazu gehöre auch, "dass wir uns ohne Wenn und Aber an die Vorgaben der Politik halten".

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