Friedhof der VW-Schummel-Diesel in den USA

Abgasskandal: Hersteller schreiben an die EU

Autobauer warnen vor Überreaktion

Europas Autobauer haben aus Angst vor schmerzhaften Konsequenzen aus dem Abgasskandal die EU angeschrieben. Verbraucherschützer fordern dagegen einen Runden Tisch.
(Reuters/cj) Die europäischen Autobauer haben angesichts des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte bei Volkswagen vor einer Überreaktion der Politik gewarnt. "Wir sollten Maßnahmen vermeiden, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche untergraben", erklärte der Präsident des europäischen Autoverbandes ACEA, Renault-Chef Carlos Ghosn, in einem Reuters vorliegenden Brief an den EU-Industrieministerrat. Schließlich stehe die Autoindustrie für gut zwölf Millionen Arbeitsplätze in Europa. Auch BMW-Chef Harald Krüger warnte am Freitag (2. Oktober 2015) davor, den Technologiestandort Deutschland und seine Schlüsselindustrie infrage zu stellen. "Ein Generalverdacht ist fehl am Platz", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

Wie viele Autos sind betroffen?

Der Skandal nimmt riesige Ausmaße an. Allein bei den Fahrzeugen mit dem manipulierten Motor EA 189 sind weltweit bis zu elf Millionen Autos der Marken VW, Skoda, Seat und Audi betroffen, acht Millionen davon in Europa. In den USA wurden 482.000 Dieselfahrzeuge manipuliert, und zwar bei VW Jetta, Golf, Beetle, Passat und Audi A3 der Baujahre 2009 bis 2015. In Deutschland wurden seit 2008 2,8 Millionen Autos mit dem fraglichen Motor EA 189 zugelassen; 2,4 Millionen davon sind aktuell noch auf den Straßen unterwegs und werden zurückgerufen. Konkret geht es um ...

Welche Autos sind betroffen?

... die Vierzylinder-Diesel 1.2 TDI (geringe Stückzahl), 1.6 TDI und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm, die zwischen 2009 und 2014 von VW, Audi, Seat und Skoda verbaut wurden. In Deutschland steckt der Mogelmotor in 577.000 Audi der Baureihen A1, A3, A4, A6, TT, Q3 und Q5. Bei Skoda sind betroffen: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland ...

Welche Autos sind betroffen?

... sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, weitere Modelle hat VW noch nicht genannt. Seat verweist auf seine Internetseite. Kunden von VW können auf der Webseite info.volkswagen.de mithilfe ihrer Fahrgestellnummer prüfen, ob das eigene Auto betroffen ist. Skoda, Seat und Audi bieten diesen Service ebenfalls an: Unter skoda-auto.de, seat.de und audi.de gibt es entsprechende Infoseiten.

Was wird VW noch vorgeworfen?

Der Abgasskandal weitet sich zunächst sechs Wochen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe aus und erfasste die CO2-Emissionen von Fahrzeugen. Am 3. November gibt VW bekannt, dass es bei rund 800.000 Fahrzeugen zu "Unregelmäßigkeiten" bei der Angabe von CO2-Werten und damit des Verbrauchs bei der Typzulassung gegeben hat. Inzwischen ergaben laut VW interne Prüfungen und Messkontrollen, dass es keine rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben und CO2-Werte gab. Nur für wenige Modellvarianten müssen die Verbrauchswerte leicht angepasst werden.

Welche Modelle sind dies?

Polo 1,0 l TSI BlueMotion 70 kW EU6 7-Gang-DSG
Scirocco 2,0 l TDI BMT 135 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 1,2 l TSI BMT 77 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf Cabriolet 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf 2,0 l TDI BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Passat Alltrack 2,0 l TSI 4MOTION BMT 162 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 2,0 l TDI SCR 4MOTION BMT 176 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 1,4 l TSI ACT 4MOTION BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe

Wer ist die EPA und was macht sie?

Autohersteller müssen bei der EPA (United States Environmental Protection Agency) ihre Modelle testen lassen, um die Genehmigung für einen Verkauf der Autos in den USA zu erhalten. Die Behörde gilt als mächtige Institution. Weil für Stickoxid in den USA strenge Grenzwerte bestehen, geht die EPA streng gegen Verstöße vor. Volkswagen räumt beim Motor EA 189 die Vorwürfe schnell ein. Beim 3.0-Liter TDI dementiert der Hersteller die Vorwürfe zunächst, um Ende November doch den Einbau einer "unzureichend dokumentierten Software" einzuräumen.

Wie geht es weiter mit betroffenen Autos?

Die technische Umrüstung der Dieselmotoren mit Manipulations-Software wird  einfacher als befürchtet. Für die beiden größeren Antriebe hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Vorschläge aus Wolfsburg genehmigt. So sollen die in der EU verkauften Wagen umgerüstet werden:

Wie sollen 2,0-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 2,0 Liter Hubraum sind rund 5,2 Millionen Autos betroffen. Bei denen ist nur Software-Update nötig. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor etwa 30 Minuten.

Wie sollen 1,6-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 1,6 Liter Hubraum sind rund drei Millionen Autos betroffen. Bei ihnen ist sowohl ein Software-Update als auch eine technische Lösung nötig, letzterer aber weniger umfangreich als zuvor angenommen - es reicht der Einbau eines Strömungstransformators (Gitternetz) vor dem Luftmassenmesser. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor weniger als eine Stunde.

Wie sollen 1,2-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Letzlich sind vom kleinsten EA 189 mit 1,2 Liter Hubraum rund 300.000 Autos betroffen: Auch bei ihnen reicht wie beim 2,0-Liter-Motor ein Software-Update aus.

Muss ich als VW-Halter für mein Auto geradestehen?

Wohl nicht. Das Bundesverkehrsministerium nimmt VW in die Pflicht, für Folgekosten des Abgasskandals einzustehen, sei es für Umrüstung von Autos oder Nachzahlung von Kfz-Steuern. VW sagt dies zu.

Was sind die Vorwürfe bei 3,0-Liter-Dieseln?

Anfang November wirft die US-Umweltbehörde EPA dem Volkswagenkonzern zudem vor, in den USA auch 3,0-Liter-Diesel manipuliert zu haben. Damit wären auch Porsche Cayenne, VW Touraeg und Audi A6 vom Skandal betroffen. VW betonte zunächst, "dass keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern". Ende November rudert der Konzern zurück, und verweist auf eine "nicht ausreichend dokumentierte Software". Laut der EPA handelt es sich dabei um eine Abschaltevorrichtung.

Wie reagiert Audi als Entwickler der großen Diesel?

Audi, aus dessen Entwicklungsabteilung der 3,0-Liter-Diesel stammt, gibt zu, dass die eingebaute Software so nicht genehmigt wurde. Jetzt sollen die betroffenen Autos verändert und nachträglich von der US-Umweltbehörde genehmigt werden. Es geht um rund 75.000 Fahrzeuge der Typen Porsche Cayenne, VW Touareg, Audi A6, A7, A8, Q5 und Q7 ab Modelljahr 2009.

Was ist ein AECD?

Die EPA wirft VW den Einsatz eines "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) vor. Das ist ein Hilfsgerät zur Emissionskontrolle, das unter anderem die Motordrehzahl, den eingelegten Gang und auch die Außentemperatur erkennt. Braucht das Auto beispielsweise wegen besonders niedriger Außentemperaturen oder bei hoher Belastung mehr Leistung, schaltet das AECD die energieverbrauchende Emissionskontrolle teilweise oder sogar ganz ab. Dann hat das Auto zwar ausreichend Leistung, stößt aber auch mehr Abgase aus. Die EPA hält den Einsatz dieses AECD für eine Manipulation der Abgaswerte, Audi bestreitet dies noch und will verhandeln.

Warum hat VW die Abgaswerte manipuliert?

VW stand nach eigenen Angaben Mitte der 2000er-Jahre unter enormem Druck, einen neuen Dieselmotor zu entwickeln, der die strengen US-Grenzwerte einhalten konnte. Statt einer teuren, aufwendigen technischen Lösung habe man sich zum Einbau der wesentlich günstigeren Schummel-Software entschieden. Begünstigt wurde dieses Fehlverhalten Einzelner durch Schwachstellen in Prozessen und die Haltung in einigen Teilbereichen des Unternehmens, Regelverstöße zu tolerieren. Ohne die Manipulation auf dem Prüfstand hätten die betroffenen Autos mit dem Motor EA 189 in den USA wohl kaum eine Typzulassung bekommen.

Manipulieren auch andere Autohersteller?

Viele andere Autobauer wehren sich entschieden gegen den Vorwurf, sie würden auch Abgaswerte manipulieren (oder hätten dies in der Vergangenheit getan). Selbst wenn es so wäre, könnte es ihnen zurzeit niemand nachweisen. Volkswagen hat die Manipulationen erst zugegeben, nachdem der Hersteller von der US-Umweltbehörde EPA mit auffälligen Messwerten konfrontiert wurde. Mittlerweile hat auch der ADAC Messwerte veröffentlicht: Sie stammen ...

Manipulieren auch andere Autohersteller?

... von Euro-5- und Euro-6-Dieseln, die unter realitätsnäheren Bedingungen (WLTC statt NEFZ) getestet wurden. Die Zahlen sind zwar nicht gesetzlich relevant, aber alarmierend: Viele Modelle unterschiedlicher Hersteller, die auf dem NEFZ-Prüfstand bislang unauffällig waren, stoßen etwa bei höherer Geschwindigkeit wesentlich mehr Stickoxide aus als bislang angenommen. Ein Nachweis für eine Manipulation ist das nicht.

Wusste das denn vorher niemand?

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, betonte, ihre Behörde weise bereits seit Ende der 1990er Jahre darauf hin, "dass auch in Deutschland die realen Schadstoff-Emissionen höher sind als die Typ-Prüfwerte, die auf dem Rollenprüfstand ermittelt wurden". Eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag im Juli 2015 ergab zudem, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) von der Existenz spezieller Testbetriebs-Software wusste.

Warum wurde bislang in Deutschland nicht ermittelt?

Auch den deutschen Behörden war bekannt, dass zumindest bei manchen Fahrzeugtypen der Abgasausstoß im Straßenbetrieb deutlich höher ist als auf dem Prüfstand. Anders als in den USA hat die deutsche Umweltbehörde aber nicht wie die US-amerikanische EPA reagiert und eigene Tests durchgeführt, sondern sich auf die Herstellerangaben verlassen.

Welche Folgen hat die Affäre für VW?

Die Folgen des Abgasskandals für VW zeichnen sich mittlerweile in Grundzügen ab. In den USA erreicht VW Ende Juli die Einigung auf einen Vergleich über 15,3 Milliarden Dollar. Allerdings sind noch die Klagen mehrerer US-Bundesstaaten anhängig. Auch ist nicht raus, ob Einzelpersonen nicht weiter Sammelklagen gegen VW forcieren. Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie könnte im schlimmsten Fall den Gewinn, den VW mit den manipulierten Fahrzeugen erzielt hat, abschöpfen. Ein Risiko, das schwer zu beziffern ist.

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

VW geht davon aus, dass nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern überhaupt von den veränderten Programmen in der Motorsteuerung wussten. Wer am Ende die Verantwortung trägt, ist offen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten davon aber nichts gewusst. Bisher ...

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

... hat VW neun Mitarbeiter beurlaubt. Konzernchef Martin Winterkorn trat kurz nach Bekanntwerden der Affäre zurück - weist aber jede persönliche Verantwortung von sich.

Was ist in den USA anders?

In den USA sind die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) deutlich niedriger, erlaubt sind hier nur umgerechnet ca. 44 Milligramm pro Kilometer (70 Milligramm pro Meile), in Deutschland sind es 80 Milligramm. Traditionell pochen die US-Behörden auf die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben. Gerade in Kalifornien, wo mit die weltweit schärfsten Abgasauflagen herrschen, ist die Umweltbehörde eine mächtige Institution.
Wie aus dem Schreiben des ACEA hervorgeht, fürchtet die Autoindustrie, dass wegen des Abgasskandals die gerade noch verhandelten Vorgaben zum neuen Messverfahren "Real Driving Emissions" (RDE) verschärft werden. Die Frage, wie Emission realistischer gemessen werden könnten, dürfte nicht vermischt werden mit den Abgas-Manipulationen von VW, appellierte Ghosn in dem Brief. Er äußerte darin den Verdacht, die USA wollten mit ihrem Vorgehen im Abgasskandal die Marktführerschaft der Europäer bei Diesel-Autos attackieren.

Friedhof der VW-Schummel-Diesel in den USA

Verbraucherschützer forderten dagegen, die Angaben der Hersteller zu Abgas- und Verbrauchswerten besser zu regulieren und zu kontrollieren. "Autokäufer können sich nicht auf die Angaben der Hersteller verlassen", monierte Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Um Verbraucher künftig vor Täuschung und Schaden zu schützen, muss jetzt gehandelt werden." Er forderte einen Runden Tisch mit Vertretern von Autobauern, Händlern, Politik und Verbrauchern mit dem Ziel, eine bessere Regulierung aus ausreichende Kontrollen zu erreichen.

Das könnte der Abgasskandal VW weltweit kosten

Mögliche Strafen und Forderungen im Ausland

6,5 Milliarden Euro hat der VW-Konzern wegen des Abgasskandals ergebniswirksam zur Seite gelegt. Doch das wird bei weitem nicht reichen, das geben auch die VW-Verantwortlichen zu. Denn weltweit fordern neben Dieselfahrern auch Regierungen und Umweltbehörden rasche Aufklärung, sie haben eigene Abgasmessungen angeordnet und erste Klagen erhoben. Experten rechnen damit, dass die Affäre VW bis zu 50 Milliarden Euro kosten könnte. Hier lesen Sie, welche Länder aktuell Strafzahlungen und Erstattungen prüfen oder fordern.

Australien: mehr als 60 Milliarden Euro

In Australien droht eine Millionenklage gegen VW. Sollten hier Dieselautos mit aktivierter Software verkauft worden sein, könnte dieser Gesetzesverstoß eine Strafe von bis zu 1,1 Millionen australischen Dollar (692.000 Euro) pro Auto nach sich ziehen, sagte ein Sprecher der Verbraucherschutzbehörde Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) der Nachrichtenagentur dpa. Seit 2009 sind in Australien nach neuesten Erkenntnissen rund 91.000 VW mit Dieselantrieb verkauft worden. Außerdem wurde nun eine erste Sammelklage von rund 700 VW-Besitzern gestartet.

Belgien: rund 100 Millionen Euro

Belgien erwägt nach Informationen des NDR, zu Unrecht gezahlte Umweltprämien und gewährte Steuernachlässe von VW zurückzufordern. Der Schaden wird demnach auf rund 100 Millionen Euro beziffert. In Belgien sind etwa eine halbe Million Autos betroffen, fast 20.000 mehr als in den USA.

Spanien: ca. 700 Mio Euro

Volkswagen zahlt nach dem Abgasskandal Subventionen in Spanien zurück. Dazu habe sich der Konzern bereiterklärt, teilte das spanische Industrieministerium laut der Nachrichtenagentur Reuters mit. Spanien hatte Verbraucher beim Kauf eines (vermeintlich) schadstoffarmen Autos mit 1000 Euro je Fahrzeug unterstützt und von Volkswagen gefordert, diese Prämien zu ersetzen. Das Industrieministerium ließ offen, wie viel Geld von VW nun in die Staatskasse fließt. In Spanien sind laut VW knapp 680.000 Autos mit dem Schummel-Motor verkauft worden.

Texas: etwa 90 Millionen Euro

Ein Landkreis im US-Bundesstaat Texas hat Volkswagen wegen des Abgasskandals verklagt. In dem am 30. September 2015 angestrengten Gerichtsverfahren fordert Harris County bis zu 25.000 Dollar pro Verstoß pro Tag – bei 6000 in der Region verkauften VW-Diesel macht das mehr als 100 Millionen Dollar (89 Millionen Euro). VW habe durch sein betrügerisches Handeln die Bemühungen des Landkreises zur Verbesserung der Luftqualität und zum Schutz der Bürger untergraben. In Harris County liegt unter anderem die Millionenmetropole Houston.

Brasilien: bis zu elf Millionen Euro

VW hat in Brasilien nach Angaben des Autohändlerverbands Fenabrave seit 2010 fast 84.000 Amarok-Pick-ups verkauft. Die Umweltbehörde Ibama will nun untersuchen, ob Volkswagen dabei gegen brasilianische Emissionsgesetze verstoßen hat. Falls dies der Fall ist, droht laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Strafe von umgerechnet bis zu elf Millionen Euro. Nach Aussage des brasilianischen VW-Manager Antonio Megale kommt die Technik, mit der VW Abgaswerte manipulierte, in Brasilien aber grundsätzlich nicht zum Einsatz.

Südkorea

Volkswagen muss in Südkorea womöglich rund 120.000 Fahrzeuge zurückrufen. Wie das Umweltministerium des asiatischen Landes mitteilte, will die Regierung bis November 2015 eine Entscheidung fällen, welche Maßnahmen VW umsetzen muss. Auch ein Verkaufsstopp sei denkbar. Bis November würden die Abgaswerte von VW- und Audi-Modellen (auch mit Euro-6-Motoren) getestet, danach die Diesel-Varianten anderer Hersteller. Zudem haben laut Reuters mittlerweile mindestens 100 VW-Fahrer Klagen gegen den Konzern eingereicht. Sie fordern eine Annullierung ihrer Kaufverträge und eine Rückerstattung des Kaufpreises.

Großbritannien: Riesen-Sammelklage, Höhe unbekannt

Gleich nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen hat Großbritannien angekündigt, eigene Abgasmessungen durchführen zu wollen. Laut Medienberichten steht VW in Großbritannien eine ungeheure Sammelklage bevor: Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, trommeln zwei Anwaltskanzleien, Slater & Gordon und Leigh Day, Käufer von Dieselfahrzeugen zusammen. Insgesamt sind in Großbritannien etwa 1,2 Millionen Millionen Autos mit dem Mogel-Motor EA 189 unterwegs.

USA: 18 Milliarden Euro plus X

In den USA drohen Volkswagen Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Euro. Zudem laufen diverse Sammelklagen, deren Ergebnis aber nicht abzuschätzen ist. Bekanntermaßen können Schadensersatzklagen gegenüber Konzernen in den USA aber schwindelerregend hohe Zahlungen nach sich ziehen. Bei 482.000 betroffenen Autos wird das wahrscheinlich der höchste Betrag in einem betroffenen Land.

Schweiz: unbekannt

Dem Volkswagen-Importeur Amag zufolge sind in der Schweiz 128.802 Fahrzeuge mit von Abgasmanipulationen betroffenen Dieselmotoren zugelassen. Der Verkauf von Neuwagen mit den fraglichen Dieselmotoren wurde mit einem vorläufigen Zulassungsverbot bis auf weiteres gestoppt. Das Bundesamt für Straßen kündigte an, Maßnahmen auszuarbeiten, die verhindern, dass neue oder aus dem Ausland importierte gebrauchte Modelle der betroffenen Modelle auf die Straße kommen. Vorher hatte die Behörde mit dem vorsorglichen Entzug der Typengenehmigung gedroht.

Frankreich: unbekannt

Die französische Regierung erwägt nach dem Diesel-Skandal bei Volkswagen, eine Rückzahlung öffentlicher Förderung zu fordern. Wenn der Verkauf angeblich sauberer Fahrzeuge mit Fördergeldern zusammenhänge, „dann müssen diese öffentlichen Hilfen zurückgezahlt werden”, sagte Umweltministerin Ségolène Royal dem französischen Fernsehsender BFMTV. Nähere Angaben zur möglichen Höhe von Forderungen machte Royal nicht. In Frankreich sind etwa 950.000 Fahrzeuge betroffen. Es wurden Stichproben-Tests bei 100 Fahrzeugen angekündigt, die Justiz hat Vorermittlungen eingeleitet.

In Italien werden 1000 Fahrzeuge geprüft, die Staatsanwaltschaft Turin hat die Ermittlungen aufgenommen. Außerdem ist die Kartellbehörde auf den Plan getreten und ermittelt "wegen möglicher Irreführung von Verbrauchern durch Emissionsangaben in der VW-Werbung".
Mit dem neuen RDE-Verfahren sollen die Schadstoffwerte auch im Straßenbetrieb und nicht länger nur auf dem Rollenprüfstand gemessen werden. Denn bisher ist die gemessene Schadstoffbelastung nur im Labor unter den Grenzwerten, während Autos im Fahrbetrieb ein Mehrfaches des Erlaubten ausstoßen. Die EU-Kommission will die neuen Messverfahren schneller, nämlich bis Ende 2015 verabschieden. Sie sollen für alle Neufahrzeuge ab Herbst 2018 gelten. Der ACEA kündigte in dem Schreiben an, die Hersteller könnten das erst bis September 2019 schaffen. BMW-Chef Krüger erklärte dagegen, die Auto-Konzerne müssten täglich am Vertrauen ihrer Kunden arbeiten. Dazu gehöre auch, "dass wir uns ohne Wenn und Aber an die Vorgaben der Politik halten".

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