Abwrackprämie

Abwrackprämie Abwrackprämie

Abwrackprämie

— 22.01.2009

Alles Schrott?

Alle reden von der Umweltprämie. 2500 Euro Zuschuss vom Staat, das klingt verlockend. Auf den ersten Blick. AUTO BILD klärt, was außer Altautos noch auf der Strecke bleibt bei dem Neuwagen-Deal.

Nun hat es endlich einen einen Namen, das Zugpferd des Konjunkturprogramms II: Umweltprämie heißt es, auch Abwrackprämie genannt. Damit zeigt es nicht nur dem kränkelnden Neuwagenabsatz die Zähne, sondern will auch ökologisch sein. Die Umweltprämie – 2500 Euro – gilt rückwirkend ab dem 14. Januar 2009. Anspruch hat jeder, der sein mindestens neun Jahre altes Privatauto verschrotten lässt, um einen Neu- oder Jahreswagen zu kaufen. Die Regelung läuft bis Ende 2009 – beziehungsweise bis der Sonderfonds von 1,5 Milliarden Euro aufgezehrt ist. Erhoffte Effekte: Die kurzarbeitende Autoindustrie wird beschäftigt, gleichzeitig die Verjüngung des Kfz-Bestandes forciert – gemäß Angela Merkel das wichtigste Ziel der Klimaschutzpolitik.

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2500 Euro vom Staat? Reizen nicht jeden Autofahrer. "So sorgenfei wie mein Golf läuft doch kein anderes Auto", meint Ingried Ewert.

Klingt toll. Attraktiv ist die Regelung in jedem Fall für Besitzer entsorgungsbedürftiger Karren, die sowieso mit einem Neuwagenkauf spekulieren. Aber bereits jetzt ist absehbar, dass maßgeblich Hersteller billiger Autos profitieren werden. Also Dacia, Daihatsu, Kia und Co. Klar, mancher dürfte auch zu einem VW Fox greifen. Doch der kommt aus Brasilien. Den deutschen Autobauern hilft die Umweltprämie insofern kaum. Wie ebenfalls den rund 750.000 Bundesbürgern, die in der Automobil- und Zulieferindustrie arbeiten – und die mit ihren Steuern das Milliardenprogramm mitfinanzieren. Die Umweltprämie als Geschenk zu sehen wäre eh falsch. Immerhin gibt es sie nur für Privatleute, die mit dem Neuwagen volle 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. Heißt: Ab einem Kaufpreis von etwa 15.700 Euro bekommt das Staatssäckel die spendierten 2500 Euro in voller Höhe zurück.

Reichen 2500 Euro als Kaufanreiz? autobild.de-Umfrage zur Abrackprämie

Abwrackprämie? Nein danke! "Das ist staatliche Förderung einer idiotischen Wegwerf-Kultur", urteilt Porsche-924-Fahrer Kai-Uwe Blum.

Der nächste Rechenfehler lauert hinter der Vermutung vieler, ihr altes Auto sei nichts mehr wert. Was Branchenfremde wissen sollten: Weil die Kauflaune in Sachen Auto jahrelang kontinuierlich nachgelassen hat, stieg die Nachfrage nach älteren Gebrauchten deutlich an, manche robuste Spardose legte sogar wieder an Wert zu. "Ein 1996er VW Polo in gepflegtem Zustand ist heute spürbar teurer als noch vor drei Jahren", sagt Gebrauchtwagenhändler Carsten Eggers über die seltsame Entwicklung. Kandidaten für die Umweltprämie sollten deshalb zunächst den Marktwert ihres Altautos ermitteln und von dem warmen 2500-Euro-Regen abziehen. Was dann übrig bleibt, zählt. Falls der Rechner überhaupt eine schwarze Zahl auswirft.

Drei Tonnen Rohöl pro Neuwagen

Deutlich klarer ist indes der Umweltaspekt der Entsorgungswelle. Nur nicht in die beabsichtigte Richtung. Denn gesamtökologisch betrachtet ist am ehesten das Auto im grünen Bereich, das nicht erst mit hohem Energieaufwand neu gebaut werden muss, sondern schon lange Zeit relativ umweltverträglich unterwegs ist. Walter Stahel vom Institut für Produktdauer-Forschung in Genf nennt Zahlen: "Wenn wir ein Altauto gegen einen Neuwagen tauschen, der einen Liter Benzin pro 100 Kilometer spart, dann müssen wir ihn rund 375.000 Kilometer weit fahren, um die gesamte CO2-Bilanz zu verbessern. Denn erst nach dieser Strecke egalisiert er den Energiegehalt von drei Tonnen Rohöl, den seine Herstellung beansprucht." Ein Argument, gemäß dem auch der Verkehrsclub Deutschland die Umweltprämie für "ökologisch kontraproduktiv" hält.

Christian Suhr fährt einen Audi 100 CD, Bj. 1986. Er meint: "Die Umweltprämie ist ein Youngtimer-Killer. Und deshalb ein Skandal".

Derweil befürchtet die Youngtimer-Szene eine Massenvernichtung der Nachwuchs-Oldies. Das zeigen die von uns eingefangenen Kommentare mehrerer Altwagenfahrer, die sich für ein neues Modell interessieren. Manche befürchten italienische Verhältnisse – aufgrund der Abwrackprämien fehlen dort weitgehend Autos vor Baujahr 1990 im Straßenbild. Mittlerweile spekulieren in Italien auch andere staatliche Branchen auf Fördergelder. Gerade erst hat der Textilverband eine Entsorgungsprämie für Altkleider gefordert.

Abwrackprämie vom Staat: Das müssen Sie beachten

Wichtig, so lange der genaue Weg zur Auszahlung der Umweltprämie noch nicht feststeht: Bei der Altauto-Abgabe auf einen Verwertungsnachweis bestehen, außerdem sämtliche Fahrzeug- und Abmeldedokumente kopieren!
Vor der Entsorgung des Altautos zunächst dessen etwaigen Marktwert ermitteln – viele Kandidaten sind mehr wert, als ihre Besitzer glauben.
Die 2008 eingeführte, für zwei Jahre geltende Steuerbefreiung neuer Autos bleibt unabhängig von der Umweltprämie bestehen.
Wer sein Altauto gewerblich zugelassen hat, hat keinen Anspruch auf die Umweltprämie.
Die 2500 Euro gibt es nur, wenn das Altauto vor der endgültigen Abmeldung mindestens ein Jahr lang auf denjenigen zugelassen war, der als Halter des neuen Wagens eingetragen wird.
Ein Jahreswagen wird nur dann subventioniert, wenn er bislang auf einen Kfz-Händler, -Hersteller oder -Importeur zugelassen war.
Ob bereits bestellte, aber noch nicht gelieferte Autos begünstigt werden, ist noch nicht geklärt.
In der Presse verfolgen, ob die geplante Gesamtsubvention von 1,5 Milliarden Euro im Laufe des Jahres aufgestockt wird; die Prämie wird nur gezahlt, wenn noch Geld im Topf ist.
Nähere Infos: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

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