AC Schnitzer 99d/ACS5 Sport S: Fahrbericht

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AC Schnitzer 99d/ACS5 Sport S: Fahrbericht

— 31.03.2011

Ein Preis, zwei Welten

149.000 Euro muss berappen, wer einen dieser beiden Charaktertypen von
AC Schnitzer besitzen will. Dafür gibt es althergebrachte Power-Kost oder einen attraktiven und innovativen Vertreter der neuen grünen Welle.

Alle Jahre wieder wirft ein Hersteller ein Weltauto auf den Markt. Das soll in jedem Land der Erde einschlagen und die ultimative Rendite bringen. Aus diesem Ansatz resultieren austauschbare Langweilermodelle wie der erste Mondeo oder der Chrysler Neon, die sich in der Regel deutlich schlechter verkaufen als erhofft. Im Tuningsegment funktionieren derlei interkontinentale Projekte noch viel weniger als bei den Herstellern. Weshalb AC Schnitzer auf dem Genfer Salon 2011 zwei Fahrzeuge vorstellte, um alle Geschmäcker zu bedienen. Einziges verbindendes Merkmal: der Preis von je 149.000 Euro. "Die beiden sollen zeigen, wie groß die Spreizung im BMW-Segment sein kann. Und wie gut wir in der Lage sind, völlig konträre Bedürfnisse zu stillen", erklärt der technische Leiter Roman Fenners.

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V8-Biturbo-Power im ACS5 Sport S: Dem 407 PS leistenden Aggregat entlockt der Veredler mithilfe größerer Lader 540 PS.

Europäischen Ansprüchen wird AC Schnitzer mit dem innovativen 99d-Einzelstück auf Basis BMW Z4 gerecht; den Bedürfnissen der Amis, Asiaten, Araber und Russen mit dem ACS5 Sport S, einer Sportlimousine auf 5er-Basis. Letzterer ist ein Hans Dampf alter Schule. Und bringt alles mit, was einen automobilen Obermacker auszeichnet: Sportauspuff, fette Räder, Spoiler, Karbon, Power satt. Um genügend Leistung zu gewährleisten, greift AC Schnitzer auf den stärksten Motor zurück, den die Limo ab Werk zu bieten hat: den V8-Biturbo. Dem ursprünglich 407 PS leistenden Aggregat entlockt der Veredler mithilfe größerer Lader insgesamt 540 PS. Neben der elektronischen Optimierung kommt zudem ein 200-zelliger Sportkat zum Einsatz, der sowohl Vor- als auch Hauptkat ersetzt. Damit reduziert AC Schnitzer den Staudruck auf ein Minimum und würde mit Anlauf durch jede deutsche Abgasuntersuchung rasseln. Egal. Das Auto ist ja nicht für den hiesigen Markt bestimmt. Und dank des auffällig folierten Z4 bleibt die Umweltbilanz der Aachener dennoch ausgewogen.

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Schöne Räder, sportlicher Auspuff, nett anzusehende Bremse und Spoiler rundum: Auch so kann ein Öko aussehen.

Der 99d riecht verdächtig nach Tuning- statt Ökomobil. Was eiskalter Berechnung entspringt: "Damit demonstrieren wir, dass sich niedrige Emissionen, minimaler Verbrauch sowie Spaß an Tuning und Autofahren nicht ausschließen", erklärt Roman Fenners. "Weshalb wir ausdrücklich darauf geachtet haben, dass das Auto attraktiv aussieht." Der 99d verfügt über alle Zutaten, die einen BMW von AC Schnitzer auszeichnen: schöne Räder, sportlicher Auspuff, nett anzusehende Bremse und Spoiler rundum. Nahezu sämtlichen Teilen wohnt ein tieferer Sinn inne: Die Schmiederäder sind angelehnt an das klassische Typ-VIII-Design des Veredlers, jedoch speziell an die vergleichsweise geringe Radlast des Sportflitzers angepasst und deshalb pro Stück gerade mal 7,9 Kilogramm schwer. Zusätzliches Gewicht sparen Titan-Radbolzen und Distanzscheiben aus Magnesium; die Motorsportbremse verringert die Masse um weitere zehn Kilo. Zudem zeichnet sich die Anlage dank Retraction-Funktion durch reduzierte Reibung aus – im Fahrbetrieb heben sich die Bremsbeläge ein winziges Stück an.

Auch beim Auspuff genießt Diät Priorität. Die Anlage besteht aus derart dünnwandigem Edelstahl, dass an dieser Stelle weitere zwanzig Kilogramm abgezwackt werden konnten. Vergleichsweise geringe Einsparungen generieren die Kunststoffkotflügel, der Karbondiffusor und die Einlassöffnungen in der Motorhaube; Letzteren fallen immerhin 200 Gramm Blech zum Opfer. Einen großen Batzen macht der Verzicht auf das variable Blechverdeck aus, das gegen ein starr verschraubtes Hardtop aus Karbon getauscht wird. Und, abgesehen von 56 Kilogramm Gewichtsersparnis, einen netten Nebeneffekt mit sich bringt: Der Kofferraum wächst, ist allerdings nicht mehr so komfortabel nutzbar wie beim Serienauto, ersetzt AC Schnitzer die Kofferraumklappe doch durch einen Aufsatz (34 Kilo Gewichtsersparnis). Der kann im Belade-Ernstfall durch Öffnen zweier Schnellverschlüsse abgenommen werden.

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Im Innenraum geht die Hungerkur weiter: Anstelle der gewichtigen Seriensitze kommen schmale Karbonschalen zum Einsatz. Das Radio muss inklusive vier von sechs Lautsprechern den Rückzug antreten; seinen Platz nimmt ein multifunktionales iPhone ein. 1199 Kilogramm wiegt der 99d unterm Strich. Kombiniert mit einem 350 PS starken Turbomotor, hätte man einen veritablen Clubracer. Daran hat AC Schnitzer jedoch kein Interesse – und hält im Motorraum die größte Überraschung parat: ein Dieselherz aus dem 320d Efficient Dynamics. AC Schnitzer verbaut das Aggregat inklusive Getriebe, tunt es zudem von 163 auf 190 PS. Und hat damit Fahrleistungen zu bieten, die komplett zeitgemäß sind – bei einem Verbrauch von gerade mal 3,8 Liter Diesel. Woraus sich wiederum ein CO2- Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer ableitet, mit dem das Auto auf einem Niveau mit Sparbrötchen vom Schlage eines Toyota iQ liegt. Ein erster Fahreindruck führt zu interessanten Einsichten. Welche das sind, lesen Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel inklusive Technik- und Testwerttabelle finden Sie in AUTO BILD SPORTSCARS 4/2011 oder als Download im Heftarchiv.
Ben Arnold

Ben Arnold

Fazit

Kopfmenschen entscheiden sich für den 99d. Der Technologieträger beweist, dass sich Fahrspaß und grüner Anstrich vertragen. Echtes Kribbeln im Bauch verursacht hingegen der rassige 5er. Schön zu sehen, wie viel Spaß Tuning machen kann, wenn alles erlaubt ist.

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