AC Schnitzer ACS4 Sport: Fahrbericht

AC Schnitzer ACS4 Sport: Fahrbericht

— 14.04.2015

M4 für die Rundstrecke

AC Schnitzer dopt den BMW M4 auf über 500 PS und verpasst dem Coupé ein rennstreckentaugliches Fahrwerk. Wir haben ihn auf dem Handlingskurs ausprobiert.

Video: AC Schnitzer ACS4 Sport (2015)

BMW M4 mit 510 PS

Im Starterfeld des 30. Conti-Tuning-Tags von Continental und AUTO BILD SPORTSCARS gibt sich der AC Schnitzer ACS4 Sport fast schon zurückhaltend. Stärkere und vor allem lautere Autos sind angereist. Kein Grund, den Schnitzer zu ignorieren. Bei den Präsentationsläufen der Tuner auf dem Handlingkurs zeigt sich: Zwischen den Sportlern von Techart, Brabus, ABT, 9ff und Arden ist der ACS4 Sport ein verdammt schneller Kandidat. Kein Wunder, die bereits hochpotente Basis von BMW heißt nämlich M4. Vorfreude kommt auf, denn wir sind die Ersten, die den frisch in Genf 2015 vorgestellten AC Schnitzer auf einer Rennstrecken-Ausfahrt inspizieren dürfen.

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Optimiertes Fahrwerk für die Rennstrecke

Dank Gewindefahrwerk liegt der Schnitzer deutlich tiefer. Mehr Sturz an der Vorderachse sorgt für höhere Kurvengeschwindigkeiten und mehr Grip.

Begegnet man dem AC-Schnitzer-M4 auf Augenhöhe, imponiert der Bolide dann doch. Der finstere Blick der Tagfahrlichter wird durch die aggressive Frontschürze bestens ergänzt. Die ist im Gegensatz zum Serienteil an den Seiten mit Flaps und mittig mit einem großen Splitter bestückt, der bedrohlich nah am Asphalt schnüffelt. Dazu der grelle Lackton namens "Sakhir Orange" und die breiten Backen, unter denen riesige 21-Zöller tief in den Radhäusern stehen. Am Heck prangen ein Carbon-Diffusor, rechts und links davon jeweils zwei Endrohre mit AC-Schnitzer-Blenden und der große, feststehende Flügel. Hier steht der etwas andere M4 – nämlich der für die Rennstrecke. Wie passend, dass der Testwagen mit der M-Carbon-Keramik-Bremse ausgestattet ist und per Doppelkupplungsgetriebe schaltet. Im Innenraum weitestgehend bekanntes BMW-M-Terrain: Ein Aluminium Handbremsgriff und die Alu-Pedalerie sind die einzigen Unterschiede zur Serie. Nur für den Rennstrecken-Einsatz hat Schnitzer im Testwagen Vollschalensitze verbaut. Die wirken im nobel ausgestatteten M4-Innenraum sehr puristisch. Hat man sich in die knapp geschnittene Fahrerschale gezwängt, wiederholt sich das Kontrastgefühl, denn als erstes fällt der Blick auf das moderne Head-up-Display.

Turbo-Schub statt linearer Leistungsentfaltung

79 PS Mehrleistung zum M4 lassen den Schnitzer zwei Sekunden schneller auf 200 km/h sprinten.

Es imponiert auch die Leistung, denn im Reihensechser lauern 510 PS und 645 Newtonmeter. Ein neues Motorsteuergerät entlockt dem 3,0 Liter großen Biturbo 79 Zusatz-PS und 95 Newtonmeter mehr Drehmoment. Die Einführungsrunde offenbart: Wo das Serientriebwerk mit einer sehr linearen Leistungsabgabe besticht, offenbart der ACS4 Sport mehr Turbo-Bums. Im oberen Drehzahlbereich geht es deutlich wuchtiger zur Sache. Jenseits der 4500 Touren scheint der Motor die nächste Schub-Stufe zu zünden. Der Reihensechser knurrt dabei zwar ordentlich, wirkt klanglich gemessen an der äußerst deftigen Leistungsentfaltung beinahe gesittet. Gefühlt kann man nämlich mit dem ACS4 Sport auf der Geraden einen 911 Turbo ausbeschleunigen. In der Realität fehlen zum Porsche lediglich 1,5 Sekunden auf 200 Sachen. Gesteigerte Performance offenbart der Schnitzer auch abseits der Geraden. Selbst ohne Rennfahrertalente erkennt man das extrem präzise Einlenkverhalten, weshalb das flotte Durcheilen von Wechselkurven schon nach der ersten Runde ohne Kurskorrekturen gelingt. In engen Kurven fühlt sich der BMW, ein immerhin gut 1,6 Tonnen schweres und knapp 4,70 Meter langes Coupé, mit dem Schnitzer-Fahrwerks-Upgrade eine Nummer kleiner und handlicher an. Das enorme Drehmoment macht schaltfaul: Nach ein paar Runden verzichtet man hier und da auf das Runterschalten. Die 645 Newtonmeter drücken den ACS4 Sport einen Gang höher ebenso vehement aus der Kurve.
Technische Daten (Herstellerangaben) AC Schnitzer Serie
Basis: BMW M4 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Zylinderzahl 6 in Reihe 6 in Reihe
Verdichtungsverhältnis 10,2 : 1 10,2 : 1
Leistung (kW/PS) 375 / 510 317 / 431
bei Drehzahl 6800 U/min 5500 - 7300 U/min
Maximales Drehmoment 645 Newtonmeter 550 Newtonmeter
bei Drehzahl 4000 U/min 1850 - 5500 U/min
Kraftstoff ROZ 98 - 102 ROZ 95 - 98
Fahrzeugmasse nach EG 1612 Kilogramm 1612 Kilogramm
Emissionswerte/ Abgasnormen Basisfahrzeug
CO2-Emission kombiniert 194 g/km 194 g/km
Abgasnorm EU 6 EU 6
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 250*/280** 250*/280**
0-100 km/h 4,0 Sekunden 4,1 Sekunden
0-200 km/h 12,0 Sekunden 14,2 Sekunden
80-180 km/h 6,2 Sekunden 7,9 Sekunden
80-200 km/h 8,2 Sekunden 10,3 Sekunden
* abgeregelt
** mit optionalem M Drivers Package/ with optional M Drivers Package

Porsche-Turbo-Schreck für unter 100.000 Euro

21-Zoll-Räder sind beim BMW 4er die Grenze des Machbaren. Die Schmiedefelgen und die Frontschürze hemmen jedoch das Alltagstalent des ACS4 Sport.

Die knapp 80 PS Mehrleistung gibt es bei Schnitzer für 4200 Euro. Eine Zwei-Jahres-Garantie ist im Preis enthalten. Der 21-Zoll-Radsatz (Schnitzer Design Typ-VIII) fällt mit 8083 Euro fast doppelt so teuer aus. Die gleichen Schmiedefelgen gibt es ebenfalls in 19 Zoll für 6225 Euro, Montage und Mischbereifung inklusive (VA: 255/35 R 19 HA: 275/35 R 19 oder VA: 245/30 R 21 HA: 295/25 R 21). Addiert man die Kosten für Fahrwerk, Schürzen und Spoiler hinzu, landet man bei gut 20.000 Euro, die man zusätzlich zum mindestens 72.500 Euro teuren Basis-M4 berappen muss. Ein günstiges Angebot, denn dafür befindet man sich nicht nur in den Leistungsgefilden eines Porsche 911 Turbo, man hat vor allem für den Trackday das passende Auto in der Garage, um ganz vorne mitzufahren. Auch wenn die anderen dabei mehr auffallen.
Autor:

Fazit

Wozu einen 431 PS starken BMW M4 tunen? Diese Frage stellt sich nach einer Fahrt im ACS4 Sport garantiert nicht mehr. Der von AC Schnitzer gedopte M4 lässt sich leichter und präziser als das Serien-Fahrzeug über die Rennstrecke scheuchen. Das enorme Drehmoment sorgt dabei für phänomenalen Schub. Den unbeschwerten Alltagseinsatz schränken die großen Räder, das tiefergelegte Fahrwerk und die Schürze mit dem großen Frontsplitter allerdings ein.

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