Ackerrallye Dithmarschen 2005

Ackerrallye Dithmarschen 2005 in Trennewurth Ackerrallye Dithmarschen 2005 in Trennewurth

Ackerrallye Dithmarschen 2005

— 29.08.2005

Pflugshow auf vier Rädern

Motorsport mal anders: Bei der Ackerrallye in Trennewurth darf gerempelt und gerammt werden – so lange, bis nichts mehr geht.

Gesucht wird das "letzte fahrende Auto"

Bei einer Rallye gewinnt der Fahrer, der die vorgegebene Strecke in der kürzesten Zeit zurücklegt. Was aber, wenn es keine Strecke gibt, sondern nur ein rechteckiges Stück Stoppelacker? Man fährt so lange, bis keiner mehr kann. Klingt langweilig? Nicht, wenn erlaubt ist, was sonst zur Disqualifikation führt: das mutwillige Anrempeln anderer Teilnehmer. Und genau das ist das Salz in der Suppe der Ackerrallye Dithmarschen.

Elf Mal ging's bereits wacker übern Acker. Die Idee zu dem Spektakel kam den geistigen Vätern Thorsten Holtmeier, Thomas Mutspill, Peter Harder und Mike "Welle" Warneck im Jahr 1994: Mit einigen ausgedienten, aber fahrbereiten Golf, Kadett und Konsorten rempelten und rammten sie mit einer Handvoll weiterer unerschrockener Bastler auf einem Acker bei Trennewurth. So lange, bis nichts mehr ging. Das gefiel den vier Männern so gut, daß sie ein Jahr später die erste offzielle Ackerrallye auf die Beine stellten. Seitdem streiten sich die Teams vor stetig wachsender Zuschauerzahl um die Auszeichnungen, die im Motorsport wohl einzigartig sein dürften: "Bester Crasher", "Letztes fahrendes Auto" und "Schönstes Auto".

Die Verschrottungsorgie ist vor allem eine Gaudi. Und so tragen die Boliden ihre meist nicht ganz ernst gemeinten Namen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in Freihand-Schönschrift auf ihrem Blechkleid. An ein paar Regeln müssen sich die Fahrer von "Koppelfräser", "Mir doch Latte" oder "Aaltöter" dennoch halten. So ist es verboten, stehende Kontrahenten frontal zu rammen, und ein Überrollbügel ist ebenso vorgeschrieben wie Hosenträgergurt und seitliche Verplankung zum Schutz des Fahrers.

Nichts für schwache Youngtimer-Nerven

Dennoch ist die Zerstörung der Fahrzeuge so sicher wie das Amen in der Kirche. Aus diesem Grund befinden sich viele Modelle aus den 80ern im Starterfeld: günstig wie ein Butterbrot und einfache Technik. So gibt es ein Wiedersehen von Ford Orion, Opel Kadett und Volkswagen Passat der ersten Generation, die vor ihrem Ableben noch einmal zeigen dürfen, wie haltbar sie doch eigentlich sind. Youngtimer-Fans sollten daher lieber Abstand von diesem Beulen-Happening nehmen. Ihnen dürfte das Herz bluten, wenn Porsche 924 und DAF 66 besprüht und zerschweißt werden, um sich schließlich gegenseitig den Garaus zu machen.

Damit die automobilen Davids der 80er nicht gegen die Goliaths aus dieser Zeit antreten müssen, teilen sich die Fahrzeuge in zwei Gruppen ein: Alles, was leichter als eine Tonne ist, fährt gegeneinander. Und alles, was schwerer ist. Das Ergebnis: stundenlange Auffahr-Orgien mit fachkundigem Kommentar von Mike "Welle" Warneck über die Lautsprecheranlage. Zu Beginn des Rennens klingen die meist vierzylindrigen Vergasermotoren noch kräftig und nehmen willig Gas an. Nach und nach geht das Geräusch in ein Kreischen über, die schalldämpferbefreiten Fahrzeuge betteln um das fehlende Öl oder Kühlwasser. Schließlich bleiben die ersten aus dem Kühler qualmend oder mit Achsbruch stehen – bis in Highlander-Manier nur noch einer übrig ist. Oder bis der Regen kommt.

Am letzten August-Wochenende kam er heftig. Der natürliche Feind des Ackerrennens verwandelte den tonhaltigen Boden innerhalb kürzester Zeit in einen klebrigen, tiefen Erdbrei, in den sich die Räder der Fahrzeuge unweigerlich eingruben. Während die weniger wetterfesten der rund 3000 Zuschauer das Weite suchten und für Chaos auf dem Parkplatz sorgten, waren vier Bergungsfahrzeuge in der Arena im Dauereinsatz. Die verbeulten Crashcars wurden angeschoben, blieben aber nach wenigen Metern erneut stecken. Das machte keinen Spaß. Auch die Rennleitung sah das so und beendete das offizielle Rennen vor deutlich reduzierter Zuschauermenge.

Bester Crasher in diesem Jahr wurde übrigens "Mac Gyver" mit seinem Golf II. Zur Vergabe des Titels des letzten fahrenden Autos kam es allerdings nicht. Das rettete einigen Fahrzeugen zwar das Leben – zumindest in diesem Jahr. Ihr Schicksal bei der nächsten Ackerrallye dürfte dennoch besiegelt sein. Zumindest, solange es nicht regnet.

Autor: Roland Niederlich

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