ADAC 24h-Rennen 2012

ADAC 24h-Rennen 2012: Vorschau

— 18.05.2012

Zauber der Nordschleife

Am 19. Mai 2012 startet zum 40. Mal das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Die Faszination und Brisanz der über 20 Kilometer langen Strecke sind bis heute geblieben.

Bernd Schneider (47) erinnert sich amüsiert an die Vorbereitungen auf sein erstes 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zurück. "Damals bin ich ein paar Wochen vorher mit Frank Biela und Manuel Reuter von den Ford-Werken in Köln mit serienmäßigen Sierra Cosworth zum Nürburgring gefahren", erzählt der inzwischen fünffache DTM-Rekordmeister. "Wir haben damit trainiert, uns bei den Touristenfahrten auf die Nordschleife eingeschossen." Das war 1986. Später im Rennen wären die drei Ford-Junioren mit einem auf über 300 PS aufgemotzten Sierra fast Vierte geworden. Wenn nicht eine Stunde vor Rennende der Motor "die Segel gestrichen" hätte, wie Schneider noch immer bedauert.

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Mercedes SLS AMG GT3 (ca. 541 PS): Einen dieser V8-Boliden pilotiert "Mister DTM" Bernd Schneider.

26 Jahre später, bei der nunmehr 40. Auflage des Tag- und Nachtrennens durch die Wälder der Eifel, sitzt Schneider wieder am Steuer. Sein damaliges Training im Pkw ist heute undenkbar, um sich als Fahrer für das mit über 170 Fahrzeugen (eingeteilt in verschiedene Klassen) größte Autorennen der Welt zu qualifizieren. Selbst der frühere Formel-1-Pilot Nick Heidfeld (35) musste dem Veranstalter bei einem vierstündigen Rennen zur Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN) beweisen, dass er der Herausforderung gewachsen ist. Er startet erstmals bei den "24 Stunden" im McLaren des Gemballa-Teams.

Rückblick: Die Highlights des ADAC-24h-Rennens 2011

Porsche 911 GT3 R (ca. 497 PS): Das Duo Krumbach/Lieb geht als Favorit ins 24h-Rennen.

Um den Sieg und die Spitzenpositionen fahren heute reinrassige Rennautos der GT3-Klasse. Ihre Basis sind Straßensportwagen wie Audi R8, Aston Martin Vantage, BMW Z4, McLaren MP4-12C oder Porsche 911. Techniker des Automobil-Weltverbandes FIA und des Veranstalters ADAC Nordrhein passen die Leistung dieser Autos an, sodass alle ähnlich schnell sind. Bernd Schneider, mittlerweile hauptberuflich Mercedes-Repräsentant, wird auf einem Mercedes SLS des Hankook Team Heico starten. Trotz über 500 PS zählt er sich nicht zu den Favoriten auf den Gesamtsieg. "Das Ziel ist mein Ziel", spielt er auf sein Schicksal mit dem Langstrecken-Klassiker an. Weder beim Debüt 1986, noch bei einem seiner späteren Versuche hielt die Technik.

Zu den Siegaspiranten zählen 2012 die vier BMW Z4 von Schubert und Vita4One, der vom Phoenix-Team durchgeführte Werkseinsatz von zwei Audi R8 LMS ultra sowie zwei Porsche des Manthey-Teams. Sie alle werden vom jeweiligen Hersteller mindestens mit dessen Profi-Werksfahrern unterstützt. Meistens aber auch durch Ingenieure, weitere Experten und Budget. "Irgendeinen klaren Favoriten auszumachen, ist totaler Blödsinn", weist BMW-Werksfahrer Jörg Müller (42) eine von Experten angekündigte Vormachtstellung der BMW von der Hand. "Wir gehören aber zu den Mitfavoriten, keine Frage."

Schmale Auslaufzonen, fiese Kurven und Wetterkapriolen

McLaren MP4-12 C GT3 (ca. 520 PS): Mit Nick Heidfeld ist ein populärer, aber eher unerfahrener Nordschleifen-Pilot am Steuer.

Es wird wieder ein spannender Kampf an der Spitze. Doch was zählt, ist nicht nur, die Gegner zu schlagen. Was seit der ersten Auflage 1970 bis heute geblieben ist, ist die unberechenbare Strecke. Über 20,832 Kilometer windet sich die 1927 eröffnete Nordschleife Berge hinauf und in Täler hinunter. Schmale Auslaufzonen und uneinsehbare Kurven sind nur eine Tücke. Oftmals kommen noch Wetterkapriolen hinzu: Während es auf einem Teil der Strecke regnen kann, scheint hinter dem nächsten Hügel die Sonne, ist der Asphalt trocken. Darauf müssen Fahrer und Teams vorbereitet sein.

Schneider: "Das Rennen ist für alle interessanter geworden"

1970 konnten die Piloten mit ihren teils normalen Straßenautos und -Reifen einfach weiterfahren. Heute halten die Mannschaften an den Boxen verschiedene Reifentypen parat, um unter allen Bedingungen möglichst schnell zu sein. Die Fans lieben den Wettstreit gegen genau diese Extreme der Natur, die Gegner, die Dunkelheit, die Müdigkeit. 250.000 säumten mit ihren Grills, Lagerfeuern und Zelten im letzten Jahr die Strecke. Feierten, während sich pro Auto zwischen zwei bis vier Fahrer bei der Strapaze abwechselten. "Das Rennen ist über die Zeit für alle interessanter geworden", sagt Bernd Schneider. "Aber es ist heute auch sehr viel schwerer, das Rennen zu gewinnen."

Autor: Martin Westerhoff

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