ADAC Cruze Cup: Tracktest

Wenn wir cruzen...

Motorsport-Action für jedermann – das ist der ADAC Cruze Cup. Der Markenpokal ist ideal für Einsteiger und verspricht reichlich Fahrspaß mit seriennaher Technik. AUTO BILD MOTORSPORT durfte als Gaststarter mitmischen.
Zugegeben, es ist schon ein etwas ungewöhnliches Gefühl. Montagmorgen, acht Uhr, und ich fahre nicht zur Arbeit, sondern zu einem Rennen. Der ADAC Cruze Cup macht Station am Eurospeedway Lausitz. Nichts Ungewöhnliches für Deutschlands Einsteiger-Rennserie schlechthin. Geheiligt sei hier, was günstig macht. Und dazu zählt eben auch, so wenig Streckenmiete wie möglich zahlen zu müssen. Nicht nur ein Werktag ist deshalb ein probater Termin. Nein, wie jeder Lauf dieses vom ADAC Weser-Ems initiierten Markenpokals geschieht auch heute wieder alles innerhalb eines Tages: freies Training, Qualifikation und vierstündiges Rennen.

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AUTO BILD MOTORSPORT-Redakteur Martin Westerhoff (rechts) teilte sich den Cruze vom Team Maurer mit Pietro Casillo.

Ich darf als Gaststarter beim schweizer Team Maurer Motorsport mitmischen. Zusammen mit einem Journalisten-Kollegen, dem Italiener Pietro Casillo, wechsele ich mich im Cockpit ab. Gemeinsam fahren, anteilig zahlen – ein weiteres Prinzip dieser Breitensport-Rennserie. Bis zu vier Piloten können sich einen der 141 PS starken Chevrolet Cruze teilen. Denn: die Langstreckenrennen dauern vier Stunden. Fahrzeit und Fahrspaß bleibt da genug für jeden. Das Fahrerlager ist bunt gemischt. Ob reine Amateur-Mannschaften mit einem Pkw und Trailer dahinter oder die in der Vergangenheit bereits in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft startende Maurer-Mannschaft: facettenreich geht es zu im Cruze Cup. Ebenso bei den Fahrern. Bestes Beispiel dafür sind unsere beiden Teamkollegen. Die 19-jährige Polin Maja Moeller versucht hier den Sprung vom Kartsport in eine Profi-Karriere zu schaffen. Ihr Fahrer-Kollege Gilbert Denzer aus der Schweiz, ein ruhiger Mittvierziger, frönt hier seiner Leidenschaft, seinem großen Hobby Motorsport.

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Im freien Training lasse ich Pietro erst einmal den Vortritt. Stehe an der Boxenmauer, beobachte unseren schwarz-gelben Cruze. Der Auftritt des seriennahen Tourenwagens kann sich sehen lassen. Mit der Fontlippe und dem Heckflügel sieht der Koreaner seinen Brüdern aus der WTCC, der Tourenwagen-WM, durchaus ähnlich. Aber außer stärkeren vorderen Bremsen, den erwähnten Karosserie-Anbauteilen, einem Sport-Fahrwerk sowie einer kompletten Sicherheitsausstattung samt Überrollkäfig sowie Schalensitz und Hosenträger-Gurten ist hier so gut wie alles gleich wie beim Serienauto. Und darf laut Reglement auch nicht geändert werden. Kostenkontrolle, das gilt insbesondere auch für die Fahrzeuge.
Als Pietro zum Fahrerwechsel an unsere Box zurückkehrt, ist er die neuntbeste Zeit von 14 Autos gefahren. Nicht schlecht für einen Ersttäter. Voller Optimismus wechseln wir. Helfen uns gegenseitig beim Ab- und Anschnallen, während zwei Mechaniker den Reifenluftdruck überprüfen. Akribisch achte ich darauf, die vorgegebenen 20 km/h in der Boxengasse nicht zu überschreiten. Ja, satte 40 Sachen langsamer als in anderen Serien sind im Cruze Cup hier gefordert. Die Sicherheit der Teams soll gewährleistet sein. Denn nicht überall können bezahlte Aufpasser stehen.

Mit dem knackigen Fahrwerk und Semi-Slicks lassen sich Kurven viel schneller durchfahren.

Am Ende der Boxengasse gebe ich Gas. Abgesehen vom dumpfen Röhren des Sportauspuffs und dem mit Wildleder überzogenen Rennlenkrad fühle ich mich dabei wie in einem Serienauto. Neben den Instrumenten ist das Armaturenbrett samt CD-Radio geblieben. Schnell ist aber klar: Mit dem knackigen Fahrwerk und den Semi-Slicks lassen sich Kurven viel schneller fahren. In der letzten Links vor der Start- und Zielgeraden versuche ich einen großen Bogen nach außen zu nehmen, damit viel Schwung zu holen. Ganz dicht fahre ich rechts an der hohen Betonmauer entlang. Stemme mich am Ende der Geraden etwa 150 Meter vor der ersten Linkskurve mit dem rechten Fuß voll auf die Bremse.

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Die Verzögerung drückt mich nach vorn in die Gurte. Ich schalte schnell vom fünften Gang runter in den vierten. Die Motorbremse nimmt mit Schwung raus. Wieder greife ich zum Schalthebel, wechsele vom Vierten in den Dritten. Einlenken. Die Geschwindigkeit passt. Etwas über das rechte Vorderrad schiebend biege ich in die Kurve ein. Dann fahre ich mit der rechten Seite über die Kerbs. Kurz hüpft der Cruze zweimal, als die Räder nacheinander  darüber rollen. Doch dann dreht der Motor urplötzlich hoch. Kein Vortrieb mehr. Hektisch greife ich zum Schalthebel. Muss feststellen, dass der dritte Gang rausgesprungen ist. Einlegen lassen will er sich nicht mehr, ebenso wenig wie der Fünfte. Das Team versucht alles, um das gebrochene Schaltgestänge zu reparieren.

Das Fahrerlager ist bunt gemischt: Im Chevrolet Cruze Cup geht es facettenreich zu.

Doch das Problem bleibt. In der Qualifikation ist nichts zu machen. Wir starten von der letzten Position, haben fast zehn Sekunden Rückstand auf das schnellste Auto. Im Rennen verbringen wir insgesamt eineinhalb Stunden an der Box. Wir fahren nur noch gegen uns selbst. Zumindest lässt sich der dritte Gang zeitweise wieder einlegen, der fünfte geht gar nicht mehr. Aufgeben gibt es aber nicht. Nach vier Stunden überqueren wir mit 47 Runden Rückstand über die Ziellinie. Der letzte Platz. Enttäuscht sind wir nicht. Denn an einem Montag in den Feierabend zu gehen und so einen rasanten Tag erlebt zu haben, ja, das hätte sich so manch ein anderer auch gewünscht.

Das ist der Cruze Cup

Die Clubsportserie trat im letzten Jahr die Nachfolge des seit 2006 bestehenden Dacia Logan Cup an. Die Serie richtet sich in erster Linie an Einsteiger. Teilnahmebedingungen: Jeder Fahrer benötigt mindestens eine nationale C-Lizenz und muss ADAC-Mitglied sein. Die Nennungsgebühr pro Lauf beträgt 850 Euro. Die Veranstaltungen beschränken sich auf einen Tag und bestehen aus einer einstündigen Trainingssitzung, einer 30-minütigen Qualifikation und dem vierstündigen Langstreckenrennen. Mindestens zwei und maximal vier Fahrer teilen sich ein Cockpit, pro Rennen müssen drei Pflichtboxenstopps absolviert werden. Ausstehende Termine 2011: 6.8 Papenburg, 19.8. Assen (NL), 1.10. Groß Dölln, 15.10. Oschersleben. Weitere Infos: www.adac-cruze-cup.com
Technische Daten Chevrolet Cruze LT Motor: Vierzylinder-Saugmotor, vier Ventile pro Zylinder • Hubraum: 1796 cm³ • max. Leistung kW/PS: 104/141 bei 6200 U/min • Drehmoment: 176 Nm bei 3800 U/min. • Beschleunigung von 0–100 km/h: ca. 10,0 s. • Topspeed: ca. 200 km/h • Getriebe: 5-Gang-H-Getriebe • Reifen: Dunlop 225/45 R 17 Semislicks • L/B/H (mm): 4597/1788/1410 • Radstand (mm): 2685 • Leergewicht: 1270 kg • Tankinhalt: 60 Liter. Preis: 19.020 Euro.

Autor: Martin Westerhoff

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