ADAC-Chef tritt zurück

ADAC-Hauptversammlung in Saarbrücken

— 12.05.2014

Große Reue, kleine Schritte

Der ADAC will mit dem bekannten Personal und möglichst kleinen Schritten aus der Krise kommen. Vieles möchte der Automobilclub in die Zukunft retten.

(dpa/brü) Mitten in der Krise setzen die ADAC-Funktionäre auf Geschlossenheit. Per Handzeichen segneten die Delegierten des 111 Jahre alten Autofahrerclubs die Reformpläne ihrer Führung einmütig ab. Zuvor hatte der amtierende Präsident August Markl die 197 stimmberechtigten Vertreter im Saal beschworen: "Ich bitte Sie herzlich, begleiten und unterstützen Sie uns auf dem vor uns liegenden, sicher langen und nicht einfachen Weg."

Die Pannen des ADAC

ADAC-Zentrale in München Preisverleihung Gelber Engel Karl Obermair
Dabei musste Markl – das war von Anfang an klar – ein Nein nicht fürchten. Die akribisch vorbereitete Hauptversammlung am 10. Mai in Saarbrücken war für den ADAC ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zurück in die Normalität. Doch der Weg bleibt steinig. Das Ansehen des mit knapp 19 Millionen größten deutschen Vereins hat durch die Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel und immer neue Berichte über Vetternwirtschaft nachhaltig gelitten.

"ADAC-Welt längst nicht in Ordnung"

"Das Vertrauen in die Institution ADAC ist schwer beschädigt", stellte Edda Müller fest. Die Chefin von Transparency International Deutschland sprach für den Beirat, den der ADAC zur Aufarbeitung der Krise eingesetzt hat. Sie ermahnte den Club auch, dass die bisher gezogenen personellen Konsequenzen kaum reichen dürften. "Damit ist die ADAC-Welt längst nicht wieder in Ordnung." Markl zeigte sich reumütig und kämpferisch. Es müsse selbstkritisch zugegeben werden, das an Berichten, der den ADAC als eine vor allem am Geldverdienen interessierte Organisation darstellen, "viel Wahres dran" sei.
Jetzt sollen laut Markl wieder die Interessen der Mitglieder über den kommerziellen Interessen seiner diversen Tochterunternehmen stehen. Damit stieß die Bundesführung bei den Delegierten, die oft seit Jahrzehnten vor Ort als Ehrenamtler arbeiten, auf offene Ohren. "Was die da oben mauscheln, ist nicht in Ordnung. Aber warum sollte ich aus dem ADAC rausgehen: Mir wird geholfen", zitierte Peter Borghaus aus dem größten ADAC-Regionalclub Nordrhein aus einem Gespräch mit einem ADAC-Mitglied.

In Saarbrücken entschied der ADAC auf seiner Hauptversammlung, dass der Club mit eher kleinen Schritten reformiert wird.

In der Aussprache warnten allerdings auch mehrere Delegierte davor, mit dem Versprechen eines "neuen ADAC" zu große Erwartungen zu wecken. Reformen ja, aber nur so lange sie dem Vereinszweck – Hilfe, Beratung und Vorteile für die Mitglieder – nicht schaden. An dem Plan, den Reformprozess mit den altgedienten Mitgliedern des Präsidiums umzusetzen, gab es keine Kritik. Auch billigten die Delegierten einstimmig den Vorschlag ihrer Führung, die anstehende Präsidiums-Wahl zu verschieben. Auf Dauer will Markl, Vorsitzender des mächtigen Regionalclubs Süd-Bayern, den Job nicht machen, aber erstmal auf dem Chefposten bleiben. "Wir wollen ein Gesicht von draußen", betonte er, doch bislang habe man keines gefunden. Bis zum Mai 2015 muss dies aber gelingen, dann wird neu gewählt.

Noch keine Übersicht über die Unternehmen

In Saarbrücken herrschte weitgehend Harmonie, doch beim Reformprozess müssen die kniffligen Fragen noch gelöst werden. Die positiv beantwortete "Vertrauensfrage" am Ende seiner Rede sei ein geschickter Schachzug von Markl gewesen, meinte Transparency-Chefin Müller. Doch werde es noch so manchen Konflikt geben, wenn es darum geht, die Reformen auch zu realisieren. Markl unterstrich: "Wir werden den ADAC nicht über Nacht reformieren". Aber alle Fragen würden innerhalb der nächsten Monate beantwortet.

"Transparenz" lautete das in Saarbrücken immer wieder genannte Ziel. Doch gerade da bleibt besonders viel zu tun. So konnten oder wollten Markl und die Geschäftsführung am Samstag keine genaue Übersicht über die ADAC-Wirtschaftsunternehmen geben. Das solle bei der Bilanz-Pressekonferenz im Juni geschehen. "Bisher war das nicht so nötig", sagte Merkel auf eine Reporterfrage. Hauptziel bleibt es, wie eh und je ein Verein zu bleiben. Steuerliche Erleichterungen seien dabei kein "primäres Ziel", beteuerte Markl.

Der Autoclub ACE wünschte seinem große Konkurrenten jedenfalls schon mal "für die Zukunft eine pannenfreie Fahrt", wie auf einem "mobilen Plakat" auf einem vor der Congresshalle parkenden Hänger zu lesen war. Der ACE mit seinen rund 580.000 Mitgliedern ist in den schweren Zeiten für den ADAC zwar gewachsen. Dennoch ist der gelbe Gigant gut 34 Mal größer als die Nummer zwei.

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