ADAC-Chef tritt zurück

ADAC: Prüfbericht zu Manipulationen

— 11.02.2014

Hersteller wollen Preise zurückgeben

Der Prüfbericht für den ADAC fällt schlecht aus – bei der Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" wurde auch die Reihenfolge manipuliert. Die großen deutschen Autohersteller wollen ihre "Gelben Engel" zurückgeben.

Die großen Autohersteller reagieren verschnupft auf die jahrelangen Manipulationen beim "Lieblingsauto der Deutschen" beim ADAC. BMW, Daimler und VW kündigten unisono an, alle vom ADAC vergebenen "Gelben Engel" zurückzugeben. Gefälschte Preise seien für sie wertlos. Laut einer externen Prüfung hatte der ADAC nicht nur die aktuelle Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" im Jahr 2014, sondern auch die der Jahre zuvor manipuliert. Der Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von Deloitte zufolge wurde die Teilnehmerzahl aufgeblasen und die Reihenfolge der Gewinner verändert. Als Gründe für die falschen Ergebnisse nannten die Wirtschaftsprüfer sowohl vorsätzliche Veränderungen als auch eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten. Laut dem Untersuchungsbericht hatte der ehemalige Kommunikationschef Michael Ramstetter, der für die Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" verantwortlich war, die Daten für die Abstimmung umfassend manipuliert. Auf seinem Rechner fanden die Prüfer verschiedene simulierte Szenarien, bei denen Stimmenzahl wie Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Modellen willkürlich verändert worden waren. Diese Simulationen seien auf der Basis unvollständiger Zahlen erfolgt.

Nach Auswertung von Deloitte wurden für das angebliche "Lieblingsauto der Deutschen" insgesamt 45.202 Stimmen abgegeben. 3271 Stimmen fielen auf den VW Golf, 1703 Stimmen auf den BMW 3er, 1664 Stimmen auf den Audi A 3, 1320 Stimmen auf die Mercedes A-Klasse und 1184 Stimmen auf den Skoda Octavia. Für das Siegerauto VW Golf wurden in einem ADAC-Papier von Dezember 2013 als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt, was eine Verzehnfachung der tatsächlich abgegebenen Stimmen bedeutet. Der BMW 3er kam im offiziellen Ergebnis dagegen gar nicht mehr vor; stattdessen rutschte der BMW 5er auf Platz 5.

Rechtliche Schritte gegen Ramstetter

Die Wirtschaftsprüfer sahen klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden seien. Die Untersuchungen der Jahre 2005 bis 2013 seien aber noch nicht abgeschlossen. Je nach Ergebnis würden rechtliche Schritte gegen Ex-Kommunikationschef Ramstetter vorbereitet. Die Prüfer gehen bislang davon aus, dass dieser im Alleingang gehandelt hat. Hinweise, dass der ADAC vor der Preisverleihung Kontakt zu Autobauern hatte und in der Folge bestimmte Modelle bevorzugt haben könnte, gibt es offenbar nicht.

Die ADAC-Zentrale hatte die Suspendierung Meyers vorbereitet – der trat dann selbst zurück.

Kurz bevor der Bericht bekannt wurde, hatte ADAC-Präsident Peter Meyer seinen Rücktritt erklärt – und war damit dem drohenden Rausschmiss zuvorgekommen. Bislang hatte der 64-Jährige alle Rücktrittsforderungen an sich hatte abperlen lassen. Sein Rückzug überrumpelte die ADAC-Zentrale. Sie konterte kurz nach der Mitteilung, dass man Meyers Schritt zur Kenntnis nehme – ohne die in solchen Fällen üblichen Worte des Bedauerns oder des Dankes. Vizepräsident August Markl übernimmt den Posten kommissarisch. Markl will den größten europäischen Automobil-Club bis Mai leiten – dann bestimmt die Hauptversammlung einen Nachfolger. Beobachter rechnen damit, dass der künftige Chef von außen kommen wird.  Der ADAC zählt nach jüngsten Berichten knapp 19 Millionen Mitglieder, wappnet sich aber für eine Austrittswelle. ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair kündigte an: "Die Auszeichnung 'Gelber Engel' wird es in Zukunft definitiv nicht mehr geben. "Immer mehr Kritiker fordern einen radikalen Neuanfang des Automobil-Clubs, der auch Versicherungen und Reisen anbietet sowie als Lobbygruppe in Berlin gegen Pläne für eine Pkw-Maut kämpft. Dabei geht es auch um die Frage, ob der ADAC weiterhin als Verein geführt werden kann. An diesem Status will der Club nicht rütteln, sondern sich mit einem 10-Punkte-Plan reformieren. Der ADAC besteht seit 1903.

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