ADAC-Schulbustest 2010

ADAC-Schulbustest 2010

— 19.05.2010

Kritik an deutschen Schulbussen

Laut ADAC-Schulbustest 2010 sind viele Schulbusse zu schnell unterwegs, dazu oft überfüllt und dreckig. Der Verband Deutscher Busunternehmer hat die Testmethode kritisiert.

Der ADAC hat bei einer Stichprobe gravierende Mängel bei Schulbussen auf Strecken in ganz Deutschland festgestellt. Busfahrer fuhren demnach viel zu schnell, Busse waren dreckig und Haltestellen zu weit weg von der Schule. Das sind zumindest die Ergebnisse der zufälligen und nicht repräsentativen Stichprobe, die der ADAC am Mittwoch (19. Mai 2010) in München veröffentlichte. Auf dem letzten Platz landete die Buslinie 676 auf der Strecke Langwaden–Bensheim in Hessen – vor allem auch, weil die Fahrer selbst auf engen, unübersichtlichen Straßen zu schnell fuhren und damit "Kopf und Kragen riskierten", wie es in der ADAC-Mitteilung hieß.

Die Testergebnisse des ADAC im Überblick

ADAC-Testerinnen – allesamt weiblich – hatten für die Stichprobe inkognito 36 Schulbus-Strecken überprüft.

Die Buslinie 861 im brandenburgischen Eberswalde ging als Testsieger hervor. Laut ADAC vor allem deshalb, weil die Busfahrer freundlich waren und sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten. ADAC-Testerinnen – allesamt weiblich – hatten für die Stichprobe inkognito 36 Schulbus-Strecken überprüft. Ein knappes Viertel der Strecken fiel mit einem "mangelhaft" durch, ein anderes Viertel hielt mit einem "gut" dagegen. Der Rest erwies sich mit der Wertung "ausreichend" als Mittelmaß. Als alarmierend bezeichnete der ADAC, dass es nur zwei überprüfte Strecken gab, auf denen die Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten wurde.

Zum Schulbustest 2008

Ebenfalls in der Kritik: Bushaltestellen, die angesichts leerer Kommnualkassen zusehends verfallen.

Den Spitzenwert lieferte nach Angaben des Automobilclubs ein Fahrer in Schleswig-Holstein auf der Linie 260 zwischen Lütjenburg und Schönberg: Er war mit 91 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs. Einer seiner Kollegen brauchte dagegen zu lange: Er verfuhr sich auf der Strecke Kellinghusen–Itzehoe. Die Kinder kamen mit einer halben Stunde Verspätung in der Schule an. "Noch immer müssen unsere Kinder ihren täglichen Schulweg unter erschwerten Bedingungen zurücklegen", so das ADAC-Fazit aus der Stichprobe. "Angesichts leerer Kassen werden sich die Verhältnisse in den kommenden Jahren allerdings nicht wirklich verbessern."

Der Verband Deutscher Omnibusunternehmer hat den ADAC-Schulbustest kritisiert. "Teilweise sind die Mängel, die aufgeführt wurden, keine Mängel, die Gesetzesübertritte sind, sondern einfach subjektive Ansichten des ADAC", sagte der Verbandssprecher Martin Kaßler der Nachrichtenagentur dpa. Der ADAC habe in dem Test Busse des normalen Linienverkehrs untersucht und nicht die des sogenannten freigestellten Schülerverkehrs. Beim freigestellten Schülerverkehr würden die Busse nur für die Schülerbeförderung eingesetzt. "Wir kritisieren, dass die Stichprobe nicht repräsentativ ist, weil hier das großes Feld des freigestellten Schülerverkehrs nicht untersucht worden ist", sagte Kaßler.

Reguläre Linienbusse seien nicht zwingend auf Schüler ausgerichtet. "Der ADAC hat immer wieder auch Dinge getestet, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind." So sei es etwa bei Ergebnissen des Tests in Bezug auf die Nähe der Haltestellen zur Schule. Da sei zu beachten, dass es im normalen Linienverkehr keine Vorschriften über die Lage der Haltestelle gebe. "Das gibt es nur im freigestellten Schülerverkehr. Dort hält der Bus vor der Schule." Den Fällen der zu hohen Geschwindigkeit wolle der Verband nachgehen. "Diese dürfen nicht sein, da werden wir genau schauen, wo die Fahrten gewesen sind, und dort auch entsprechend auf die Unternehmen zugehen", sagte Kaßler. Im Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer sind rund 3000 Omnibusunternehmen organisiert. Ein Großteil der Unternehmen befördert auch Schüler.

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