ADAC Straßentest 2005

ADAC Straßentest 2005

ADAC Straßentest 2005

— 24.05.2005

Gute Straßen, schlechte Straßen

Der ADAC hat 8000 Kilometer des deutschen Straßennetzes unter die Lupe genommen. Zumindest die Autobahnen sind sicher.

Vor allem die Zahl der Toten senken

Die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Bundes- und Landesstraßen liegen im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Die passive Sicherheit auf diesen Straßen durch Leitplanken oder Seitenstreifen sei größtenteils "nicht befriedigend", sagte der ADAC-Vertreter Björn Dosch bei der Vorstellung des ersten deutschen Straßentests. Dabei wurden rund 8000 Kilometer des Straßennetzes untersucht. 60 Prozent der getesteten Landesstraßen und rund 40 Prozent der Bundesstraßen bieten demnach nur mäßigen Schutz. Nur die Vorkehrungen auf Autobahnen entsprächen den Standards führender Länder wie Großbritannien und Schweden.

Anders als bei den Bundes- und Landesstraßen konnte der ADAC bei den Autobahnen positivere Zahlen vermelden: 70 Prozent der getesteten rund 6000 Kilometer Autobahn – also etwa die Hälfte des Autobahnnetzes in Deutschland – erhielten mit vier Sternen die Bestnote. 30 Prozent bekamen drei Sterne. "Die Straße muß Fehler des Fahrers verzeihen können", sagte ADAC-Vizepräsident Erhard Oehm. Er forderte mehr Geld für die Verkehrsinfrastruktur, um Bundes- und Landesstraßen zu modernisieren. Es gehe nicht darum, die Straßen "raserfreundlich" zu machen. "Wir müssen schlummernde Potentiale wecken, um die Zahl der Toten weiter zu senken."

Laut ADAC starben im Jahr 2004 in EU-Staaten rund 45.000 Menschen, 5862 davon auf deutschen Straßen. Seit 1994 seien die Todeszahlen damit um fast 40 Prozent zurückgegangen. Besonders bei der passiven Sicherheit der Straßen gebe es aber "noch viel Verbesserungspotential". Laut einer Studie aus Nordrhein-Westfalen sterben beispielsweise rund ein Drittel der Unfallopfer an immergleichen Straßenabschnitten. Bereits mit Investitionen von hunderttausend Euro könnten laut ADAC solche Unfallschwerpunkte entschärft werden. Dies sei eine "ganz einfache Rechnung": Die volkswirtschaftlichen Kosten für einen Verkehrstoten beliefen sich auf mehr als eine Million Euro, sagte Oehm. Unter passiver Sicherheit versteht der ADAC neben Maßnahmen wie Leitplanken und breiten Seitenstreifen auch zusätzliche Fahrspuren und längere Beschleunigungsspuren.

Die Lkw-Maut soll komplett herhalten

Für die Sicherheit auf Bundesstraßen würden "erhebliche Mittel" fehlen, sagte Dosch, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Laut ADAC-Vize Oehm wären allein für den Erhalt des deutschen Straßennetzes rund 7,5 Milliarden Euro jährlich notwendig. "Zur Zeit bekommen wir dafür aber nur 4,8 Milliarden Euro", sagte er. Die Lkw-Maut müsse daher voll in die Verkehrsinfrastruktur fließen.

Der ADAC-Straßentest ist Teil des europaweiten Straßentests EuroRAP. Ziel der Initiative ist es, die passive Sicherheit der Straßen zu verbessern – bis zum Jahr 2010 will die EU die Zahl der Verkehrstoten halbieren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt den Straßentest zwar, ist allerdings über die Vorgehensweise nicht besonders glücklich. Die bewertete passive Sicherheit stimme nicht mit dem realen Unfallgeschehen überein, bemängeln die Versicherer. Es gebe "viele Straßenabschnitte, die die höchste Sternezahl erhalten, obwohl sich dort in den letzten Jahren immer wiede schwere Unfälle ereignet haben". Umgekehrt werde die passive Sicherheit von Straßen schlecht bewertet, auf denen es wenig oder keine schweren Unfälle gab. Der alleinige Blick auf die "EuroRAP-Sterne" würde also für eine "falsche Verteilung der knappen Mittel für die sicherheitstechnische Verbesserung von Straßen" führen.

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