Tunneltest 2006

Tunnel M-12 in Madrid (M 12) Tunnel M-12 in Madrid (M 12)

ADAC Tunneltest 2006

— 05.05.2006

Düstere Ergebnisse

52 Tunnel in 14 europäischen Ländern wurden vom ADAC und seinen Partnern unter die Lupe genommen. Ernüchterndes Resultat: Jeder vierte Kandidat fiel durch.

Bewußtsein schärfen und Autofahrer aufklären, das will EuroTAP (European Tunnel Assessment Programme), das europäische Programm für mehr Tunnelsicherheit. EuroTAP steht für insgesamt zwölf Automobilclubs, darunter auch der ADAC, die zusammen mit dem Büro der FIA in Genf die Interessen von gut 40 Millionen Autofahrern in Europa vertreten. EuroTAP startete im Januar 2005.

Der Zweck: systematische Tests der wichtigsten Straßentunnel in Europa sowie Entwicklung und Einsatz von Informations- und Aufklärungsmaßnahmen. Mit Hilfe von EuroTAP werden die Anforderungen an die Sicherheit von Tunneln laufend überwacht und so die Tunnelbetreiber dazu bewegt, die Sicherheit im Tunnel zu verbessern – im Idealfall schneller, als ein Gesetz greifen kann. Trotzdem ist EuroTAP kein Ersatz für die Auflagen, die die Mitgliedsstaaten und Tunnelbetreiber gemäß der EU-Richtlinie zu erfüllen haben.

52 Tunnel in 14 europäischen Ländern haben der ADAC und seine Partnerclubs 2006 getestet. Ergebnis: Jede vierte Röhre fiel wegen erheblicher Sicherheitsmängel durch. Mit dem Tunnel Universität Düsseldorf auf der A 46 in Düsseldorf und seiner Note "bedenklich" erwischte es auch eine der acht in Deutschland getesteten Anlagen. Das mit Abstand schlechteste Ergebnis der ADAC-Tunneltestgeschichte erreichte der 1,7 Kilometer lange Segesta auf der A 29 Palermo – Trapani auf Sizilien. Hier fanden die Tester außer zwei Röhren mit einer einzigen Querverbindung als Fluchtweg in der Mitte nichts, was Menschenleben retten könnte.

Testsieger mit der Note "sehr gut" wurde der spanische M-12 auf dem gleichnamigen Autobahnzubringer zum Madrider Flughafen Barajas. Der 1,8 Kilometer lange Tunnel, der 2005 eröffnet wurde, ist mit allem ausgestattet, was einen modernen Straßentunnel ausmacht: Ampeln und Schranken vor den Portalen, zusätzliche Rettungswege, Videoüberwachung und effektiver Brandschutz.

Ebenfalls "sehr gut" schnitten vier deutsche Testkandidaten ab. Der Hochwald auf der A 71 in Thüringen, der 2006 eröffnete Aubinger Tunnel auf der A 99 bei München, der Tunnel Coschütz bei Dresden und der noch vor vier Jahren als bedenklich eingestufte und zwischenzeitlich sanierte Kappelberg Tunnel bei Stuttgart.

Insgesamt vergaben die Tester des ADAC 22mal die Note "sehr gut", neunmal "gut" und achtmal "ausreichend". Fünf Tunnel schnitten mit der Note "bedenklich" ab, acht sogar mit "mangelhaft". Große Hoffnung setzt der ADAC in Zukunft in die EU-Richtlinie für die Sicherheit von Straßentunneln, die alle EU-Länder bis zum 1. Mai 2006 in nationales Recht umgesetzt haben müssen. Neue Tunnel unterliegen dann strengeren Vorschriften, bestehende Anlagen haben bis zum Jahr 2014 mit der Nachrüstung Zeit.

Wie in den Vorjahren betraute der ADAC mit der Durchführung der Tests die Deutsche Montan Technologie GmbH (DMT). Bewertungsgrundlage für den Test ist eine Checkliste von Verkehrsexperten des ADAC und der DMT, die jährlich aktualisiert wird und sich an den hohen Maßstäben neuester Richtlinien orientiert. Die Checkliste ist in acht Kategorien aufgeteilt: • Tunnelsystem: Gewichtung 14 Prozent • Beleuchtung und Energieversorgung: 8 Prozent • Verkehr und Verkehrsüberwachung: 16 Prozent • Kommunikation: 11 Prozent • Flucht- und Rettungswege: 13 Prozent • Brandschutz: 19 Prozent • Lüftung: 11 Prozent • Notfallmanagement: 8 Prozent.

Mit der Checkliste wird das so genannte Sicherheitspotential eines Tunnels ermittelt. Es beschreibt, wie mit Hilfe baulicher, technischer und organisatorischer Maßnahmen Notfälle vermieden bzw. beherrscht werden können. Daneben wurde das so genannte Risikopotential ermittelt. Es verdeutlicht die Wahrscheinlichkeit von Notfällen sowie das mögliche Ausmaß eines Schadens. Als Basis für die Ermittlung des Risikopotentials dienen Parameter wie die Verkehrsleistung, -dichte und -art oder Lkw-Anteil und der Transport von Gefahrgütern.

Für die Gesamtbeurteilung eines Tunnels werden das Sicherheits- und Risikopotential schließlich zu einer Note zusammengeführt. Für den ADAC-Tunneltest bedeutet dies: Wird ein Tunnel insgesamt positiv bewertet, sollen möglichst alle acht Kategorien des Sicherheitspotentials positive Bewertungen aufweisen, zumindest aber keine mangelhaften. Anderenfalls setzt das heuer erstmals angewandte, so genannte K.O.-Kriterium ein, das nach einem genau definierten Schema zu einer Abwertung der Gesamtnote führt.

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