ADAC: Vizepräsident für Finanzen tritt zurück

ADAC: Vizepräsident für Finanzen tritt zurück

— 08.07.2015

Rechtsverstöße beim ADAC

Der ADAC-Vizepräsident für Finanzen, Klaus-Peter Reimer, ist zurückgetreten. Er soll millionenschwere Bauaufträge ohne Ausschreibung vergeben haben.

Der Vizepräsident für Finanzen des ADAC, Klaus-Peter Reimer, ist zurückgetreten.

(dpa/mas) Der ADAC kommt nicht zur Ruhe: Vizepräsident und Schatzmeister Klaus-Peter Reimer ist am Mittwoch, 8. Juli 2015, überraschend von allen Ämtern zurückgetreten. Der 62-jährige Chef des großen ADAC-Regionalclubs Westfalen soll millionenschwere Bauaufträge in seiner Heimat nicht korrekt vergeben haben. Ein "neuer" Skandal scheint dies aber nicht zu sein: Die Vorfälle sollen sich bereits Anfang 2014 ereignet haben. Im Zuge der Reformen und der durchgeführten "Aufräumarbeiten" kamen die Mauscheleien nun ans Licht – der ADAC macht offenbar Ernst mit seiner Ankündigung, nach dem Skandal um den "Gelben Engel" ordentlich auszumisten. Mit dem Rücktritt reagiere Reimer "auf derzeit laufende Untersuchungen des Compliance-Ausschusses des Automobilclubs", erklärte der ADAC in München. Damit "will Reimer nach eigener Aussage Schaden vom ADAC Westfalen abwenden". Die Untersuchungen seien im Auftrag von ADAC-Präsident August Markl erfolgt. Reimer soll laut "Süddeutscher Zeitung" Anfang 2014 ADAC-Aufträge für ein Wohn- und Geschäftshaus und ein Seniorenheim in seinem Heimatort Gelsenkirchen sowie in Hagen ohne Ausschreibung an einen Architekten vergeben haben. Reimer und der Architekt seien häufig gemeinsam bei Oldtimer-Rallyes mitgefahren.

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ADAC-Sprecherin Marion-Maxi Hartung bestätigte, bei den Vorwürfen gehe es um die Vergabe von Bauvorhaben in einer Größenordnung von 15 Millionen Euro in diesen beiden Städten. Es habe einen Hinweis gegeben. Ein Sprecher des ADAC Westfalen betonte grundsätzlich, dass wichtige Entscheidungen in einem Verein vom gesamten Vorstand getroffen würden. Bei Reimers Wiederwahl zum ADAC-Vizepräsidenten und Schatzmeister auf der Hauptversammlung im Mai seien die Untersuchungen bereits gelaufen, aber es hätten noch nicht alle Gutachten vorgelegen.

Erst im Mai wurde Reimer wiedergewählt

Der pensionierte Steueramtsrat war seit 2010 Vorsitzender des mit 1,3 Millionen Mitgliedern mächtigen ADAC-Regionalclubs Westfalen und seit 2012 ADAC-Vizepräsident für Finanzen. Auf der ADAC-Hauptversammlung im Mai setzte er sich gegen den württembergischen Gegenkandidaten Volker Schwarz durch und wurde mit 130 zu 80 Stimmen für vier weitere Jahre bestätigt.

Der Compliance-Ausschuss hatte im Juni damit begonnen, mögliche Unregelmäßigkeiten von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern zu überprüfen. Bisher seien 103 Hinweise eingegangen, darunter auch einer zu Reimer, wie ADAC-Sprecherin Hartung sagte. Bei vier Hinweisen seien kleinere Rechtsverstöße festgestellt worden, 16 Hinweise seien noch in Bearbeitung – darunter der von Reimer. Eine weitere laufende Ermittlung betreffe einen hauptamtlichen Mitarbeiter, der nach Hinweisen auf private Einkäufe auf ADAC-Rechnung und gesponserten Spanien-Urlauben seit Februar suspendiert sei. Reimers Nachfolger als ADAC-Schatzmeister soll auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2016 gewählt werden. Beim ADAC Westfalen gibt es einige, die Präsident werden wollen, wie der Sprecher des Regionalclubs sagte. Die Entscheidung dort dürfte aber einige Monate dauern.

Der ADAC ist mitten im Reformprozess

Im Januar 2014 hatte der Skandal um Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" die Glaubwürdigkeit des ADAC erschüttert – Präsident Peter Meyer, Geschäftsführer Karl Obermair und Sprecher Michael Ramstetter mussten ihren Hut nehmen. Meyer ist aber weiterhin Präsident des ADAC Nordrhein. Unter dem neuen Präsidenten Markl hat der Autoclub ein umfassendes Reformprogramm mit mehr Transparenz sowie der Trennung von Verein und den diversen Wirtschaftsunternehmen gestartet. Denn ob sich die bisherige Praxis mit dem Wesen des Vereins als Idealverein vereinbaren lässt, ist offen. Das Amtsgericht München prüft den Vereinsstatus des Clubs seit Monaten. Die Umgestaltung des ADAC soll bis Jahresende abgeschlossen sein.

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