Fahrbericht AEC Ram 1500

AEC Ram 1500 Feldmeister II: Fahrbericht

— 10.12.2014

Ein hochnäsiger Auftritt

Der Ram 1500 mit Neun-Zoll-Höherlegung entstammt nicht etwa einer wilden Customizing-Hexenküche – der offizielle Importeur AEC kann ihn so liefern. Wir haben den mächtigen Pick-up ausprobiert.

Bis zum Dach reicht die Schnauze des Ram 1500 unserem Suzuki-S-Cross-Testwagen. Und auch der ist immerhin zehn Zentimeter höher als ein Durchschnitts-Pkw. In Deutschland üblich waren bei US-Pickups bislang sechs Zoll Höherlegung. Der Drang in höhere Sphären birgt offenbar ein Suchtpotenzial. "Der Auftraggeber besaß schon ein Exemplar mit sechs Zoll Höherlegung", erinnert sich Asim Özdemir, Customizing-Fachmann beim Ram-Importeur AEC in München. "Er wollte mehr." Asim kennt sich aus in der unübersichtlichen Welt des US-Teilemarkts. AEC ist übrigens offizieller Ram-Importeur, gibt eine Vollgarantie und betreibt das Servicenetz für den Ram in Deutschland.

Neun Zoll Höherlegung machen mächtig Eindruck

Auftritt mit Wow-Garantie: Der aufgemotzte Ram setzt auf den Kontrast zwischen Chrom und Schwarz.

In diesem Fall haben die AEC-Customizer sehr tief ins Teileregal gegriffen: Sechs-Zoll-Bodykit von Power Parts, andere Stahlguß-Achsschenkel vorn, Panhardstab und Koppelstangen verlängert, an sämtlichen Federaufnahmen Abstandhalter und Adapter, um die zusätzlichen drei Zoll Höhe zu schaffen. Das Ergebnis nennt sich Feldmeister II. Der Name erinnert an die erste Version von 2011, die eine Camouflage-Folierung trug – eine milde Verballhornung der Militärfahrzeuge mit "Feldjäger"-Aufschrift. Der Feldmeister II verabschiedet sich vom Militärlook und setzt auf den Hinguck-Effekt der Kombination Schwarz-Chrom. Es funktioniert, ständig sprechen uns Passanten an. Nicht feindselig, eher belustigt. Für Sparsame wäre dieses Auto ein Fehlkauf: Der Bordrechner nennt 20,8 Liter Verbrauch, bei hohem Stadt- und Autobahnanteil allerdings. Während ein Serien-Ram 5.7 Hemi Double Cab in der Top-Ausstattung Laramie mit 48.900 Euro viel Auto fürs Geld bietet, geht solch ein Umbau ins Geld.

Der Arbeitsplatz wird im Feldmeister II zum Hochsitz

Irgendwie unelegant: Während das Einsteigen noch mit Stil gelingt, hilft beim Aussteigen nur ein Sprung.

Das Höherlegungsfahrwerk schlägt mit 10.000 Euro zu Buche, die Kotflügelverbreiterungen (je 63 mm) mit 1400 Euro, der Satz 22-Zoll- Chromräder vom US-Lieferanten 2Crave mit MT-Bereifung in 37x13,5 Zoll 7000 Euro, die V-förmig öffnende Riffelblech-Pritschenabdeckung von Diamond Black 1700 Euro – letztere wirkt weit handfester als das oft windige Pickupzubehör, das bei uns so angeboten wird. Macht 20.100 Euro Aufpreis für mehr Show wie Nutzwert. In den Feldmeister einzusteigen, geht so: Handgriff an der A-Säule festhalten, linken Fuß auf die hohe, für Arthrosepatienten gänzlich ungeeignete Trittstufe setzen, hochwuchten und mit einer 90-Grad-Drehung auf dem Fahrersitz landen. Das macht Spaß und schindet Eindruck. Abwärts will mir irgendwie nichts Elegantes gelingen. Den Erwartungen der Passanten entspricht am ehesten ein Sprung in die Tiefe mit finalem "Na, wie war ich?"-Gesichtsausdruck. Wie sich so etwas fährt? Entspannend wie eine Chill-Out-CD. Also, diese kleinen Hektiker da unten... tss, tss, tss. Du drehst den Fahrstufen-Drehknopf à la Range Rover auf D und musst nur noch lenken und bremsen.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Die Lenkung arbeitet zielgenauer als die schwammigen US-Servolenkungen von einst. Da fährst du ein riesiges Auto und ertappst dich schon bald dabei, wie du frech um die Kurven zirkelst. Über zwei Meter Breite ohne Spiegel? Na und? 5,82 m Länge? Pfffrrz! Nach vorn ist der Pickup halbwegs übersichtlich, hinten gibt’s eine Kamera, die Seiten lassen sich mit den Außenspiegeln im Badezimmer-Format prima überwachen.

Geländegängigkeit war nicht das hauptsächliche Entwicklungsziel

Ausflüge ins Gelände funktionieren mit dem Ram, bei der Bodenfreiheit ist aber noch Luft nach oben.

Trotz des erhöhten Schwerpunkts vermittelt diese Straßenlokomotive in Kurven ein überraschend sicheres Fahrgefühl. Um die Bewegungen der Karosserie im Zaum zu halten, ist die Federung eher auf der straffen Seite. Die Verschränkungsfähigkeit des Fahrwerks reicht aus im Gelände, mehr nicht. Das hier ist schließlich ein Show-Umbau, kein Rockcrawler. Die Bodenfreiheit liegt bei 285 mm – nicht schlecht, aber mancher luftgefederte Standard-Geländewagen bietet mehr. Die MT-Reifen vom Typ Nitto Trail Grappler geben schon bei 60 km/h ein Gänsehaut erzeugendes Pfeifen von sich. Erträglich bis 120 km/h, darüber erinnert ihr Geräuschbild an frühe Kampfjets. Der 5,7-Liter-Hemi überzeugt mit satter Kraft in jedem Drehzahlbereich. Anfahrschwäche? Nie gehört. Bei 170 km/h regelt die Elektronik ab mit der Schroffheit eines Cops aus einem Detroiter Problemviertel. Der Feldmeister II bietet dank Auflastungsgutachten eine Tonne Nutzlast. Ihm steht ein arbeitsreiches Leben bevor: Der Auftraggeber ist ein Garten- und Landschaftsbauer. Und der will das Show-Teil nutzen statt nur putzen. Überhaupt sei die Kundschaft, die den Ram ordert, von der bodenständigen Sorte, konstatiert Asim.

Sein Kollege Goran Pozdemovic aus dem Verkauf erinnert sich an einen Familienvater, der einen Ram als preiswerte Alternative zum VW T5 kaufte. "Er fragte zu allererst nach den Isofix-Befestigungspunkten hinten..." Beim AEC-Händler Auto Magnus in München ist der Ram derzeit der Renner, noch vor den Muscle Cars. Fünf bis zehn Bestellungen sollen im Schnitt eingehen pro Monat. "Nochmal drei Zoll mehr Höhe müssten drin sein", sinniert Asim vor sich hin. Dann sei aber schon mit Einschränkungen bei der Fahrbarkeit zu rechnen.

Autor: Rolf Klein

Stichworte:

Achtzylinder V8

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