Ärger um Rückrufe

Porsche droht den Zulieferern

Ärger um Rückrufe

— 15.06.2004

Porsche droht den Zulieferern

Zwei Rückrufe innerhalb kurzer Zeit sind nicht gut fürs Image. Jetzt überlegt Porsche-Chef Wiedeking, die Hersteller fehlerhafter Teile zu outen.

Schlecht für die Pannenstatistik

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat die Zulieferbranche für Qualitätsmängel der Autohersteller verantwortlich gemacht und damit gedroht, bei Rückrufaktionen künftig die Lieferanten schadhafter Teile zu nennen. Der Stuttgarter Sportwagenbauer hatte kürzlich zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate rund 40.000 Cayenne-Modelle in die Werkstätten zurückrufen müssen. Grund: Qualitätsmängel bei den Gurtschlössern.

Erst im Februar hatte Porsche mehr als 22.000 Cayenne wegen Problemen an der Feststellbremse in die Werkstätten gerufen. "Das Problem ist zurzeit, dass gerade im Bereich der Zulieferer sehr große Probleme bestehen - wirtschaftlicher Art", sagte Wiedeking bei der Präsentation des neuen Porsche 911 in Hameln. Vielfach änderten Zulieferfirmen aus Spargründen ihre Produktionsprozesse, ohne dies vorher mit den Autobauern abzustimmen. "Das führt dann dazu, dass Fehler erst erkannt werden, wenn sie leider schon in die Produkte eingeflossen sind", sagte Wiedeking. Die Autohersteller hafteten im Verhältnis zu ihren Kunden und erlitten zudem bei Rückrufen einen Imageschaden. "Irgendwann werde ich die Lieferanten – die sind ja vielfach auch börsennotiert – vielleicht einfach nennen", sagte der Porsche-Chef.

Wegen Qualitätsmängeln war Porsche in der jüngsten ADAC-Pannenstatistik um mehrere Plätze abgerutscht, während andere deutsche Hersteller gegenüber der japanischen Konkurrenz Boden gut gemacht hatten. Neue Porsche-Fahrzeuge blieben zwei bis drei Mal so oft liegen wie Autos etwa von Audi, BMW oder VW. Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat für die kommenden Jahre anhaltende Qualitätsprobleme bei Porsche prognostiziert.

Die vierte Baureihe – ein Viertürer?

Im laufenden Geschäftsjahr 2003/2004 sehen sich die Stuttgarter dank des Cayenne beim Vorsteuerergebnis weiter auf Rekordkurs. Porsche steuere trotz der kostspieligen Rückrufaktionen und dem dadurch entstandenen Imageschaden ein weiteres Rekordergebnis an, sagte Wiedeking. Der Absatz werde auf rund 75.000 Einheiten von 66.803 im Vorjahr steigen. Der neue Porsche 911 soll zu diesem Absatzplus besonders beitragen. Im vergangenen Jahr waren die Verkaufszahlen im Segment Sportwagen um durchschnittlich 25 Prozent zurückgegangen.

Über eine mögliche vierte Modellreihe neben den Modellen Boxster, 911 und dem SUV Cayenne wolle Porsche im nächsten Jahr entscheiden, teilte ein Firmensprecher mit. Über eine solche Ausweitung der Produktpalette wird seit längerem spekuliert. Porsche plant nach eigenen Aussagen eine stärkere Differenzierung seiner Baureihen. Diskutiert werden drei Alternativen: ein unter dem Boxster platziertes Einstiegsmodell, ein V8/V10-Mittelmotorsportwagen als Vorläufer der schon 2010/2011 fälligen und dann wirklich neuen Boxster- wie 911-Generation und ein V8-Frontmotorauto, das möglichst viele Module aus dem Cayenne-Baukasten nutzt. Experten rechnen mit einem sportlichen Viertürer.

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