Ranking: Die 25 fiesesten Autofronten

Aggressives Autodesign: Fiese Fronten

— 03.03.2017

Warum Autos so böse gucken

Es wird gebrüllt und gedroht, ganz roh und unverblümt. AUTO BILD zeigt 25 Autos im Aggro-Look und erklärt das Prinzip dahinter. Dazu: sieben Merkmale, die aggressives Autodesign ausmachen.

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'Sind moderne Autos zu aggressiv gezeichnet?'

Wer in die Gesichter moderner Autos blickt, sollte sein feinsinniges Formenverständnis lieber ausschalten. Denn da wird gebrüllt und gedroht, ganz roh und unverblümt. Das Aggro-Design, die "Trumpisierung" der Formensprache, hat längst alle Fahrzeugklassen erfasst. Den Herstellern beschert es Erfolge. Aber wie lange noch? Sind Autofahrer vielleicht zunehmend genervt vom scheinbar beißwütigen Hintermann im Rückspiegel? Design-Professor Paolo Tumminelli hat sich mit dem bösen Blick aktueller Automodelle befasst, AUTO BILD liegt das Ergebnis seiner Untersuchung exklusiv vor.
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"Zeichen von Boshaftigkeit, Gefahr, Aggression"

Design-Professor Paolo Tumminelli ist Publizist, Autor, Redner, Kurator und Moderator. Forschungsschwerpunkt: (Auto-)Mobilität.

"Seit der Jahrtausendwende hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden", sagt Tumminelli. Nicht nur Sportwagen wie der Audi TT schauten böse, sondern inzwischen auch Kompakte, Stadtwagen und Familienmarken. In seiner Abhandlung erklärt der Verfasser, woran sich Aggressivität im Design festmachen lässt. Dabei konzentriert er sich auf die Frontpartie, denn diese prägt wesentlich den Charakter eines Autos. Die Designmerkmale seien geeignet, "Assoziationen mit anderen, allgemein geltenden Zeichen von Boshaftigkeit, Gefahr, Aggression“ auszulösen. Oft würden Erscheinungs- und Ausdrucksformen von Tieren nachempfunden: kiemenartige Lufteinlässe in der Frontschürze des Jaguar F-Type, die an einen Hai erinnern; der Linienverlauf von Motorhaube und vorderem Stoßfänger beim Mercedes CLA, der das Motiv einer Raubtierkralle aufnimmt.  Im Wesentlichen hat die Untersuchung sieben Merkmale ausgemacht, die aggressives Autodesign ausmachen:
Prinzip Größe
Während ein ausgewachsener Bison oder ein Bär Angst einflößt, empfinden Menschen sie als ungefährlich oder gar süß, solange es sich um Tierbabys handelt. Tumminelli spricht hier von "Stattlichkeit", welche den Charakter eines Autos entscheidend präge. In der Sicht von vorn entscheidet die schiere Größe der Stirnfläche über die Wirkung auf den Betrachter – allerdings auch, wie sie ausgestaltet ist. Eine Kuh wirkt weit weniger aggressiv als ein Bison, obwohl beide Tiere ähnlich groß sind.
Prinzip Maske
"Das Tragen einer Sturmhaube wird fast automatisch mit der Ausübung von Terror und Gewalt assoziiert", sagt Tumminelli. Auch eine Maske übe eine Ehrfurcht einflößende Funktion aus, sie mache den Träger anonym und verhindere mögliche Beziehungen. Beim Auto werden Teile der Frontpartie bewusst schwarz maskiert – etwa als Blende, die einen Grill optisch erweitert. Dazu kommen dunkle Höhlen in der Frontschürze, die keine Funktion als Lufteinlass haben. "Je größer das Verhältnis Maske zu Stirnfläche, desto aggressiver die Erscheinung", heißt es in der Studie. Entsprechend unterschiedlich wirken ein nahezu unmaskierter VW Up und ein BMW i3, bei dem Dach, Haube und Teile des Stoßfängers schwarz abgesetzt sind.
Prinzip Maul
Ich fresse dich, sonst frisst du mich. Nach dieser Devise wurden Kühlermasken in den vergangenen Jahren immer größer. Wie in der Natur: Verhalten sich Menschen oder Tiere aggressiv, reißen sie das Maul auf und zeigen ihr Gebiss.
Prinzip Pfeil
Einerseits signalisiert der Pfeil Schnelligkeit, andererseits Gefährlichkeit. Als Waffengeschoss gibt es die Pfeilspitze seit Jahrtausenden. "Die Symbolik zweier spitz zulaufender Linien ist universell erlernt", sagt Paolo Tumminelli. Aufs Auto bezogen stünden sie für Leistung und Aufdringlichkeit. An der Front beinahe aller aktuellen Automodelle lassen sich zulaufende Linien ausmachen.
Prinzip Panzer
Bei Gebäuden wirkt Durchsichtigkeit einladend und freundlich. Die geschlossene Konstruktion eines militärischen Bunkers oder ein Panzer mit kleinen Sehschlitzen schreckt hingegen ab. Bei einem Chrysler 300C oder einem Range Rover Evoque ist der Grundkörper im Verhältnis zum Fensteranteil groß. Entsprechend wirken sie bedrohlicher als etwa ein alter Volvo 740 Kombi.
Prinzip Wut
"Zusammengekniffene Augen mit schräg stehenden Augenbrauen verstehen Menschen universell über alle Kulturen hinweg als wütenden Gesichtsausdruck", so Professor Tumminelli. Im Autodesign war der sogenannte böse Blick früher allenfalls in der Tuningszene verbreitet, heute gestalten viele Autohersteller Scheinwerfer nach diesem Prinzip.
Prinzip Ellenbogen
Breite Schultern, viel Muskeln, dazu die Ellenbogen – das hilft beim Raufen oder Vordrängeln. Aufs Auto bezogen: Ein schmaler Aufbau auf einem breitem Unterbau signalisiert Potenz. Breite Schultern und große Räder legen nahe, andere aus dem Weg zu räumen.

Manches Autogesicht fratzenhaft entstellt

Maul aufreißen, Zähne zeigen: ein Prinzip aus der Natur, das auch viele Autodesigns beherrschen.

Und was heißt das alles nun? Das bewusste Einpflanzen aggressiver De­signmerkmale hat dazu geführt, dass so manches Autogesicht eigentlich fratzenhaft entstellt ist. Die Autohersteller laufen Gefahr, comicartig zu überzeichnen und sich der Lächerlichkeit preiszu­geben. Dann wäre das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollen. Zum neuen Audi Q8 (Bild oben), einem SUV-Coupé, das "Prestige und Sportlichkeit" vereinen soll und einen Ausblick auf die künftige Formensprache der Marke gibt, fällt Paolo Tumminelli nur ein Wort ein: "monströs!" Dabei muss das gar nicht sein. Porsche beispielsweise beweist mit vielen Modellen, dass auch sportliche Autos eine positive Ausstrahlung haben können. Doch bei vielen PS-Schleudern gehört eine wütende Grimasse inzwischen zum guten Ton. Sie signalisiert: Mit diesem Auto ist nicht zu spaßen! Hier gibt's das Ranking der fiesesten Auto-Fronten!

Ranking: Die 25 fiesesten Autofronten

Autoren: Maike Schade, Matthias Moetsch

Stichworte:

Auto-Design

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