Airbrush-Kunst vom Feinsten (1)

Airbrush-Kunst vom Feinsten, Episode I Airbrush-Kunst vom Feinsten, Episode I

Airbrush-Kunst vom Feinsten, Episode I

— 24.10.2005

Im Zeichen des Scrawls

Tommy Scrawls ist derzeit einer der angesagtesten Brusher der Tuningszene. AUTOTUNING hat den Künstler besucht und zeigt seine neusten Kreationen.

Tommys Telefon läuft heiß

Schrille Farben und coole Airbrush- Arbeiten sind zur Zeit in der Tuningszene extrem angesagt. Deshalb ist Tommy Scrawls alias Thomas Weber gefragt wie noch nie. "Mein Telefon läuft immer heiß. Ich bekomme jeden Tag unzählige Anrufe mit Anfragen zu Terminen und Ideen. Das artetet langsam aus. Aber ich finde es trotzdem toll, daß viele Leute meine Arbeiten so gut finden", so der Weißenfelser.

Das findet AUTOTUNING auch. Hat doch die Redaktion schon jede Menge Fahrzeuge mit Werken des Brush-Meisters vorgestellt. Vor einigen Wochen statteten wir Tommy einen Besuch ab und ließen uns seine heiligen Hallen zeigen. Dazu lud er vier seiner aktuellsten fahrbaren Kunstwerke ein. In dieser Ausgabe zeigen wir Euch den orangefarbenen Golf III und den Nissan Micra. Im Dezember-Heft folgen dann die beiden anderen, zwei Gölfe.

Duell zwischen Totenkopf und Teufel

Die neueste Kreation von Tommy Scrawls könnt Ihr auf dem Golf III von Sascha Gerhardt bestaunen. Am meisten sticht neben der typischen Scrawls-Handschrift natürlich erst mal das Orange ins Auge. Seine bisherigen Projekte, die wir Euch auf den folgenden Seiten und im nächsten Heft vorstellen, bestehen aus Schwarz-Beige-Lackkombinationen, auf denen die Airbrushs naturgemäß sehr gut zur Geltung kommen.

Dieses Orange hier ist jedoch nicht irgendein Orange. Lamborghini-Orange mußte es schon sein – das Beste vom Besten war gerade gut genug für den Golf III GTI. Einen gekonnten Übergang vom Uni-Schwarz oben zum leuchtenden Lack der italienischen Sportwagenschmiede schaffen die perfekten 3D-Effekte. Das kandy-violette Tribal legt sich gekonnt über die weiß-gelbe Raceflag, die um das Fahrzeug läuft. Damit nicht genug: Am Feuerlöscher und auf den Klarglasrückleuchten von FK – richtig gelesen: "auf" den Leuchten – findet sich genau dieses aufregende Farbenspiel wieder.

Innen nimmt Tommy Scrawls die Ideen von Sascha auf. So kommt es zum direkten Kopf-an-Kopf-Duell zwischen dem modellierten 3D-Totenkopf direkt vor dem Schalthebel in der von Sascha selbstgefertigten Mittelkonsole und dem Airbrush-Bild des Teufels auf der nach hinten verlängerten Mittelkonsole vor den Rücksitzen. Natürlich gab sich Sascha nicht mit reinem Optik-Tuning zufrieden. So bekam sein Golf III in "20 Jahre GTI-Edition" vor dem aufwendigen Airbrush – ganz nach seinem Geschmack – noch eine Menge passender Extra-Zutaten. Bisher blieb der 2,0-Liter-GTI-Motor leistungsmäßig bis auf einen K&N-Luftfilter unangetastet. Optisch ist er dem Äußeren des GTI aber angepaßt – hier findet man den einen oder anderen orangefarbenen Farbklecks wieder. Zudem sind Verteilerdeckel und weitere Anbauteile hochglanzpoliert.

Außen Magerkost, innen die Krönung

Neben dem schon erwähnten plastizierten Totenkopf vor dem Schalthebel geht die orangefarbene Pracht innen natürlich weiter. Wo man hinschaut, findet sich Alcantara in Orange in harmonischer Verbindung mit schwarzem Leder. Der Dachhimmel sowie die Dachsäulen wurden allesamt mit schwarzem Alcantara verkleidet. Würde man also diesen Golf von innen nach außen krempeln, so ergäbe sich die exakt gleiche Farbkombination.

Das Armaturenbrett wurde ebenfalls in orangerotes Alcantara gehüllt, weitere Anbauteile verchromt oder in Wagenfarbe lackiert. Passend dazu: der verchromte Golfball-Schaltknauf und die Sparco-Pedalerie. Da mag man kaum drauftreten. Krönung ist hier aber das perfekt in Wagenfarbe oder besser in Wagendesign gehaltene Airbrush-Custom-Lenkrad.

Außen hat Sascha, wie viele andere auch, auf Magerkost gesetzt, das heißt, es wurde fleißig gecleant. Seitenblinker und VW-Emblem sowie Wischdüsen und Heckscheibenwischer mußten weichen. Auch die original Plastikverbreiterungen der Kotflügel verschwanden, stattdessen wurden sie leicht gezogen. Irgendwie mußten die perfekt in Szene gesetzten, polierten, 17 Zoll großen Chrom-Alus von Lexani ja dort reinpassen.

Da Sascha mit dem Einsatz von Chromteilen an der Außenhaut des GTI gemäßigt umging, kommen sie um so besser zur Geltung. Ganz den Zeichen der Zeit verschrieben, wechselte Sascha auch die Beleuchtung aus. So wurden kurzerhand Klarglasscheinwerfer von in.pro sowie Hella-Tagfahrleuchten mit Blinkern und Klarglasrückleuchten von FK montiert. Quasi als i-Tüpfelchen prangen an den Türen des Golf – ganz Rennsport- like – die Logos der Zubehör-Lieferanten, die für dieses Gesamtkunstwerk verantwortlich zeichnen.

Die Legende wohnt einen Steinwurf entfernt

Genauso brandneu wie Saschas Golf ist der Nissan Micra von Stephan Siegmeyer, zumindest optisch. Denn wer die Sonderhefte der AUTOTUNING genauer studiert, dem dürfte der Micra in der AUTOTUNING SAMURAI von 2004 aufgefallen sein. Damals erschien der kleine Japaner noch in einem blauen Kleid und überzeugte mit jeder Menge Handarbeit.

Fast zwei Jahre später ist der Micra kaum wiederzuerkennen. Seine Karosserie strahlt nunmehr in Beige und Dunkelblau. Unter den Radhäusern blinkt jede Menge Chrom, der Innenraum zeigt sich sportlicher. Was war passiert? Nun, auch an der kleinen Nissan-Tuninggemeinde gehen Trends wie Two-Tone-Lackierungen und Chrom-Wheels nicht einfach so vorüber. Als Stephan eines Tages erfuhr, daß Brush-Legende Tommy Scrawls nur einen Steinwurf von ihm entfernt wohnt, war die Sache flugs entschieden: Kontakt aufnehmen, Auto lackieren lassen!

Gesagt, getan. Stephan hatte blitzschnell den Kontakt zu Tommy bekommen und wenige Stunden später standen er und sein Micra auch schon in den heiligen Lackierhallen. Die beiden überlegten sich ein außergewöhnliches Design, um den Micra noch besser in Szene zu setzen. Und da Beige sowieso die Lieblingsfarbe von Stephan ist, war damit schnell ein zweiter Grundton zusammen mit dem Serienblau gefunden. "Ich laß mir was einfallen, vielleicht was mit ein paar netten Schädeln und ein paar Dollarzeichen. Mal sehen", so beschrieb Tommy Scrawls kurz seine Entwurfsideen.

Bei Stephan gibt's was auf die Ohren

Der Termin stand fest, so blieben nur noch drei Wochen für Stephans weitere Umbaumaßnahmen am Micra. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Umbauten sollte sich vor allem noch etwas an den Rädern und am Innenraum ändern. In Sachen Felgen stand für Stephan schnell fest: US-Wheels in Chrom mußten es sein. Doch woher bekommt man 16-Zöller mit dem Lochkreis eines Micra? Nach langer Suche fand er bei Tuner Limited passende Räder der Dimension 7x16 Zoll. Theoretisch jedenfalls, denn auf Lager waren sie nicht. Also hieß es warten, warten, warten.

In der Zwischenzeit wurde kurzerhand der Innenraum komplett zerlegt. Schließlich sollten das Cockpit, die Türen und der Kofferraum mit ein paar Quadratmetern Leder aufgewertet werden. Während der Käfig nochmals poliert wurde, pflanzte Stephan einen fetten Woofer und chromige Speaker ins Heckabteil. Dazu passend bearbeitete er die HiFi-Anlage "ein wenig". Ein Alpine Multimedia-Radio und ein Boss DVD-Player sind nun die Basis für jede Menge Hörgenuß und DVD-Spaß. Per Alpine Zwei-Wege-System in den Türen, Alpine-Hochtöner vorn im Dachhimmel, Rockford-Hochtöner im hinteren Dachhimmel, Triaxialsystem im Heck, Emphaser-Endstufe und Power-Woofer von Emphaser ist der Micra auch soundtechnisch auf dem allerneuesten Stand.

Drei Wochen waren vorbei, die Räder noch nicht da. Der Termin bei Scrawls stand an. Innerhalb von nur zwei Wochen hatte Tommy mit seinen Werkzeugen und Pistolen ein außergewöhnliches Design geschaffen. Ein Meer aus rostroten Flammen und Tribals gepaart mit einem farbigen Muster samt diversen "Gesichtern". Natürlich nicht nur auf den Flanken. Nein, auch Motorhaube, Heckklappe, Einstiegsleisten und sogar der fette Woofer bekamen etwas von den außerirdischen Linien ab. Der Klarlack war kaum trocken, da trafen endlich auch die Chrom-Wheels für Stephans Micra ein. Jetzt ist er perfekt!

Tommy Scrawls: Die Karriere des Künstlers

Kurz nach der Wende fing Tommy damit an, sich das Brushen selbst beizubringen. Zeichnen konnte er schon immer gut. Seine ersten Aufträge waren Motorradhelme und Tankdeckel. Irgendwann bekam er den ersten Auftrag, um ein Auto zu brushen. Seitdem entwickelt er sich ständig weiter.

Die Vorgehensweise ist im Prinzip bei jedem Fahrzeug gleich: Tommy zeichnet dem Kunden eine genaue farbige Skizze, damit er eine ungefähre Vorstellung von der Sache bekommt. Je nach Brush unterscheidet sich der Arbeitsaufwand ganz erheblich. Manchmal verwendet Tommy Fineline-Tapes und klebt das Design gleich auf die Karosse. Ein anderes Mal wird zuvor mit Bleistift auf Tape gezeichnet.

Für Effekte, Outlines und Pinstripping verwendet der Brusher Linierfarben, Candy- Lasuren und sogenannte Schwertschlepper-Pinsel. Nach etlichen Zwischenschliffen trägt die Lackiererei Hillert dann mehrere Schichten Klarlack auf und poliert den Wagen.

Autoren: Guido Naumann, Sebastian Schulz

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