Aktion: Kleinwagen im ZF-Praxistest 2012
— 25.07.2012Schlüsselerlebnis
Im bayerischen Schlüsselfeld ging es hoch her: Von rund 32.000 AUTO TEST-Lesern, die beim ZF-Praxistest ihre Stimme abgaben, durften nun zehn selbst ins Lenkrad greifen und den Kleinwagen-König 2012 krönen.
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Zurück in die Gegenwart: "Krass, der Unterschied zum Citroën", sagt Hagemann nach einigen Landstraßenkilometern mit dem Ford Fiesta. "Von den fast 100 PS hätte ich mehr erwartet, und auch insgesamt fuhr sich der Citroën viel sportlicher." Sprach's und notierte es in den Bewertungsbogen. Zum nun vierten Mal fand der ZF Praxistest statt – nach Mittelklasse, SUV und Kompaktwagen widmeten wir uns dieses Mal der äußerst populären Kleinwagenklasse. Rund 32.000 AUTO TEST-Leser hatten im Vorfeld entschieden, welche 10 der 24 zur Wahl stehenden Kleinwagen in die Finalrunde des ZF-Praxistests 2012 einziehen würden. Jedes der zehn Fahrzeuge haben wir dann gleich zweimal beschafft, "Sicher ist sicher". Denn ein wie auch immer gearteter Ausfall eines Autos hätte den gesamten Test gefährdet. Wir dürfen an dieser Stelle vorwegnehmen, dass alle vierrädrigen und zweibeinigen Teilnehmer unbeschadet durchgehalten haben.
Otto Normalverbraucher ist es schließlich, der das Auto kauft
Aus den zahlreichen Bewerbungen zum Lesertester wählte das Los ebenfalls zehn Kandidaten. Denn beim ZF-Praxistest werden die Fahrzeuge nicht von Redakteuren bewertet, sondern von autointeressierten Menschen "von der Straße". Sie bewerten oftmals aus anderen Blickwinkeln als der erfahrene Motorjournalist – und genau das ist erwünscht und wird von den Fahrzeugherstellern sehr aufmerksam verfolgt. Denn Otto Normalverbraucher ist es schließlich, der das Auto kauft, ihm muss es gefallen. Die Auswahl der Leserjury hätte nicht besser sein können: Vom 18-jährigen Führerschein-Frischling bis zum 61-jährigen Routinier, der etliche Fahrsicherheitstrainings absolviert hat, vom Auszubildenden bis zum Vorruheständler war alles dabei, sodass man mit Fug und Recht von einem repräsentativen Querschnitt unserer automobilen Gesellschaft sprechen kann.Der Job des Autotesters hat nicht nur Sonnenseiten
Unser Partner ZF, in der Weltrangliste der Automobilzulieferer unter den zehn größten Unternehmen und Fachmann in Sachen Antriebs- und Fahrwerkstechnik, unterstützte uns ebenso tatkräftig bei der Organisation wie Europas größtes Auto-und-Motor-Forum, das Internetportal motor-talk.de. Denn es galt, ein straffes Programm zu absolvieren. Was am Freitagabend noch ganz harmlos mit einer kurzen Einweisung durch die AUTO TEST-Crew und anschließendem Dinner im Schlosshotel begann, bekam am nächsten Morgen bereits Bundeswehr-ähnliche Züge: Frühstück 6:30 Uhr, Abfahrt zum Fahrsicherheitszentrum Schlüsselfeld 7:30 Uhr – der Job des Autotesters hat eben nicht nur Sonnenseiten. Nach einem kurzweiligen Theorieteil zum Thema "Richtiges Sitzen im Auto" und der eindringlichen Bitte um Einhaltung der Verkehrsregeln brachen die Lesertester nun zur Tour durch den Steigerwald auf. Die vom AUTO TEST-Team vorher festgezurrte Route rund um das nordbayerische Schlüsselfeld umfasste glatte, vor allem aber wellige Fahrbahnen, weite wie enge Kurven, Stadtverkehr und Landstraßen. Hier galt es, Fahrbarkeit und Komfort zu beurteilen: Federt der Wagen angenehm oder zu straff? Flutscht der Schalthebel willig durch die Gassen? Dringen etwa unangenehme Geräusche zu den Insassen durch? Auch Ansprechverhalten, Elastizität und Drehfreude des Motors wollten beurteilt werden, ebenso die Laufkultur.Jetzt mitmachen und einen Audi A1 Sportsback gewinnen!
"Der Toyota-Motor ist durchzugsschwach und laut" – Steffen Pohl (18), auszubildender Industriekaufmann und privat mit einem Vor-Facelift-Modell des aktuellen Opel Corsa unterwegs, findet klare Worte. "Die Lenkung ist zwar direkt übersetzt, arbeitet aber gefühllos, ohne Rückmeldung. Und im Innenraum gibt's ganz schön viel billig wirkendes Plastik." Kein gutes Haar am Japaner? Doch: "Der Yaris fährt aber immerhin komfortabel." Dass das Toyota-Aggregat unter Last geräuschvoll zu Werke geht, bestätigt auch Josephin Koegel (23). Besser gefällt ihr da das Triebwerk des Mini: Am Berg zwar auch etwas durchsetzungsschwach, insgesamt aber spritzig und kultiviert. Bestnoten vergibt die ambitionierte 20-PS-Kartfahrerin aus Herfort in den Kriterien Agilität und Fahrverhalten – der Mini scheint ihrem Rennkart tatsächlich recht nahe zu kommen. Doch der von BMW im britischen Oxford gebaute Kleinwagen ist nicht perfekt: Den außerhalb des direkten Fahrersichtfeldes in der Armaturenträgermitte sitzenden Tacho kritisiert Koegel genauso wie es die berufsmäßigen Autotester seit jeher tun. Josephins Favorit? Der Skoda Fabia, an dem sie außer der etwas unsportlich hohen Sitzposition (auf allerdings hervorragenden Sitzen) nichts zu bemängelt hat.Der ist aber zäh, eher enttäuschend
Rechtsanwalt Alexander Knoll vertritt da ganz ihre Meinung: Auch er plädiert für den Skoda, sieht in ihm ein Auto mit vielen Vorzügen und nur wenigen Nachteilen. Ganz im Gegensatz zum Alfa MiTo: Der von fünf Fahrsicherheitstrainings fahrdynamisch gestählte Jurist hätte vom Mythos aus Mailand (beziehungsweise Turin) mehr Sportlichkeit erwartet. "Der ist aber zäh, eher enttäuschend", so sein Urteil über das 105 PS starke Cuore Sportivo. Weitere Klagen: "Der Innenspiegel behindert die Sicht nach vorn, zudem hört man im Alfa starke Windgeräusche. Die Sitze sind unbequem und bieten zu wenig Seitenhalt." Gegen diese Entscheidung greifen übrigens keinerlei Rechtsmittel. Gegen 12:30 Uhr kehren alle Teilnehmer hungrig ins Fahrsicherheitszentrum zurück. Beim leckeren Mittagsbüfett werden eifrig Notizen gemacht, wobei die Grundregel "Abgucken gilt nicht" gewissenhaft befolgt wird. Denn wie beim berufsmäßigen Testen sind auch hier sämtliche Einzelmeinungen ausdrücklich erwünscht und nicht etwa ein abgesprochenes Unisono.Das große Krabbeln
Nach der Pause steht die statische Bewertung der zehn Kleinwagen an. Man könnte auch vom "großen Krabbeln" sprechen: Es wird auf- und zusperrt, ein- und ausgestiegen, hoch- und runtergeklappt, hin- und hergeschoben. Die Leser stehen, sitzen oder liegen am, im, auf oder unter den Autos, manch einer litert den Kofferraum mit Hilfe des eigenen Körpervolumens aus. Hier schlägt die große Stunde des dank seines hohen Daches sehr geräumigen Skoda, wohingegen der Mini seinem Namen alle Ehre macht und aufgrund seines mickrigen Fonds und Kofferraums in diesem Kapitel auf Anhieb den letzten Platz belegt. Doch auch Übersichtlichkeit, Variabilität, Verarbeitungsqualität und Bedienbarkeit wollen mit Punkten von 1 (mangelhaft) bis 10 (sehr gut) benotet werden. Kein noch so kleines Detail bleibt verborgen: So bemängelt Maschinenbau-Student Andreas Patzelt (23) den beim Citroën "irgendwo neben dem Sitz" installierten Schalter der Sitzheizung, der während der Fahrt kaum zu bedienen sei. Lob spendet Patzelt hingegen dem Mini für dessen "tolle Übersichtlichkeit".Jetzt mitmachen und einen Audi A1 Sportsback gewinnen!
Am Sonntag konnte ausgeschlafen werden – die AUTO TEST-Shuttlebusse starteten diesmal erst um 7:45 Uhr. Ziel war wiederum das Fahrsicherheitszentrum, die Dynamikwertung stand auf der Agenda. Die Lesertester scheuchten die Kleinwagen über den Handlingkurs, sodass die wimmernden Reifen vermutlich noch in Bamberg zu hören waren. Dann ging es auf die Dynamikfläche, wo neben dem bewässerten Gleitbelag und plötzlich aus dem Boden schnellenden Plastik-Hindernissen auch eine Schleuderplatte wartete. Fährt man über sie hinweg, wird das Fahrzeugheck ausgehebelt. Das Gemeine daran: Man weiß nicht, ob nach links oder nach rechts, nur blitzschnelles Gegenlenken und ein gut abgestimmtes Fahrwerk verhindern hier einen Dreher. In den Dynamikwertungen schob sich einmal mehr der Audi A1 in den Vordergrund. Da er sich außer seinem hohen Preis kaum Schwächen leistet, reichte es in der Summe für einen komfortablen Sieg des kleinen Ingolstädters.
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