Aktion: Kompaktwagen im ZF-Praxistest 2013

— 30.07.2013

Zehnkampf der Kompakten

Über 28.000 AUTO TEST-Leser haben abgestimmt, welche zehn Kompaktwagen ins Finale des ZF-Praxistests 2013 einziehen. Zehn von ihnen durften nun im bayerischen Schlüsselfeld den Sieger küren.

Berge von Bewerbungen türmen sich in der Redaktion, eine kreativer und mitreißender als die andere. "Ich will das nicht mehr! Ich kann das nicht mehr! Bitte retten Sie mich, und lassen Sie mich als Leserreporter endlich mal ran an die Karren!" Dieser Hilfeschrei stammt von André Clever. Der Werbetexter aus München ist Teil unserer zehnköpfigen Leserjury und froh, endlich mal in den Autos sitzen zu dürfen, über die er seit Jahren nur aus der Ferne schreibt. "In meinem Beruf habe ich bereits für viele Autohersteller gearbeitet und Bleiwüsten in Neuwagenbroschüren verbrochen. Aber die Autos, um die es ging, bin ich nie gefahren."

Werbetexter, Studentin, Busfahrer – die Jury ist bunt gemischt

Startklar: Zehn Kompaktwagen stehen bereit für die knapp 22 Kilometer lange Prüfungsfahrt durch den Steigerwald. Welcher Antrieb überzeugt am meisten?

Geändert hat sich das für den 42-Jährigen bei der fünften Auflage des ZF-Praxistests, immerhin stellten sich hier gleich zehn Kompaktwagen dem Urteil der Lesertester. Für deren Auswahl haben wir die jeweiligen Bewerbungsschreiben herangezogen sowie repräsentative Kriterien. Herausgekommen ist eine bunte und hoch motivierte Jury, von der quirligen Logistikstudentin bis hin zum gelassenen Busfahrer in den Mittfünfzigern, vom Besitzer eines in die Jahre gekommenen Gebrauchtwagens bis hin zum Chauffeur eines neueren Modells. Unterschiedlicher konnten die Fahrerfahrungen kaum sein. Ausgetauscht wurden sie am Freitagabend beim ersten Zusammentreffen im Hotel in Herzogenaurach. Nach einer kurzen Einführung durch die AUTO TEST-Redaktion wurde bei Speis und Trank heiter geplaudert und gefachsimpelt. Die Stimmung passte auf Anhieb. Da tat es auch keinen Abbruch, dass am Samstagmorgen Nebelschwaden und Regen ein Einheitsgrau bildeten. Zwar hätten sich die meisten angesichts dessen lieber noch mal unter die Bettdecke gemummelt, doch der Zeitplan sah für 7.15 Uhr den ersten Tagesordnungspunkt vor: Abfahrt mit dem Shuttle zum Fahrsicherheitszentrum Schlüsselfeld. Gute 45 Minuten später beginnt der Job des Autotesters.

Es geht los: Motor und Fahrkomfort werden zuerst bewertet

Punktevergabe: Nach jeder Testfahrt werden Motor, Getriebe und Federung benotet sowie Auffälligkeiten im Bewertungsbogen notiert.

Im ersten Teil gilt es, die Fahrzeuge hinsichtlich Motor und Fahrkomfort zu beurteilen. Wie drehfreudig ist das Aggregat? Flutscht der Schalthebel brav durch die Kulisse? Dringen unangenehme Geräusche in den Innenraum vor? Eine von der AUTO TEST-Crew festgelegte Route rund um die etwa 5700-Seelen-Gemeinde in Oberfranken soll dies ans Tageslicht bringen. Sie beinhaltet ebenso schmale Passagen wie brei­te Landstraßen, lange Geradeausstücke sowie Kurvengeschlängel, und das alles auf unterschiedlichen Fahrbahnbelägen. "Do scheppert nix", bestätigt Julian Gosse, was VW-Chef Win­terkorn schon auf der IAA 2011 zum Hyundai i30 konstatierte. Zwar meinte der VW-Boss damit die Lenkradhöheneinstellung, BWL-Student Julian lässt das aber auch fürs Fahrwerk gelten. "Der Hyundai fährt sich sehr angenehm, die Schaltung ist präzise und die Federung komfortabel. Das ist kein Vergleich zum lauten und hart abgestimmten Civic. Der Koreaner hat mich wirklich positiv überrascht", so der 25-Jährige, der privat einen elf Jahre alten 3er-BMW fährt und die Marke vor allem wegen ihrer sportlichen Note schätzt. Für die neumodischen Assistenzsysteme hat der ausgebildete Rettungsassistent aber nichts übrig. "Spurhalte- oder Notbremsassistenten braucht kein Mensch. Das geht alles nur kaputt. Ich verstehe auch nicht, warum so viele neue Autos elektrische Parkbremsen haben. Ein Hebel tut’s doch auch." Sprach’s, stellt den Motor ab, zieht die Park-Taste nach oben und steigt in die Mercedes A-Klasse um. Deren 122-PS-Turbobenziner kann mit Spritzigkeit und Durchzugskraft überzeugen.

Beifall für Seat Leon, Mitleidspunkte für den Opel Astra

Noch besser aber befeuern 140 PS den leichteren Seat Leon, der beim Großteil der Jury zwischenzeitlich ganz weit vorn liegt. Mit klarem Design, einfacher Ausstattung und sportlicher Abstimmung sammelt er Punkt um Punkt – auch bei Thomas Fleck (47): "Die hohen Erwartungen, die ich an den Seat hatte, wurden noch mal übertroffen. Der Motor dreht von unten am besten hoch. Obwohl der Opel Astra ebenfalls 140 PS hat, ist der Unterschied zu den TSI-Motoren des VW-Kon­zerns deutlich spürbar", sagt der Verwaltungsbeamte. Das sieht auch Christian Lorenz so, der dem Rüsselsheimer eigentlich ein paar Mitleidspunkte geben wollte, weil es der Marke so schlecht geht. Geworden ist daraus allerdings nicht viel, nur fünf von zehn Punkten gibt es für die Elastizität und sechs in der Kategorie Drehfreude/Ansprechverhalten. "Vor allem den Berg hinauf hat sich der Opel arg gequält. Er ist wie ein kolumbianischer Kaffeesackträger nach zehn Stunden Arbeit." Harte Worte, die der 33-jährige technische Zeichner aber gleich darauf mit Lob wettmacht. "Die Sitze im Astra sind eine Klasse für sich, die besten von allen hier." Und mit dieser Meinung steht er nicht allein da.

Es wird geklappt, geschoben und Probe gesessen ...

Übersichtlich, einfach zu bedienen und mit ausreichend Platz: Der Seat macht Simone Jung Spaß auf ganzer Linie.

Apropos Sitzkomfort. Wie schaut es mit den weiteren Kondi­tionen im Innenraum aus? Die statische Bewertung der zehn Kompaktwagen klärt's. Nach einer mittäglichen Stärkung zücken alle Teilnehmer wieder Kugelschreiber und Bewertungsbogen. Jetzt wird geklappt, geschoben, aufgesperrt, zugeschlossen und Probe gesessen, was das Zeug hält. Saskia Soumagne (26) nimmt sich zuerst den Ford Focus vor. Schon beim Fahren hat sie der riesige Regensensor in der Mitte der Windschutzscheibe gestört. Jetzt schaut sie sich noch mal genauer um und merkt trocken an: "Die bei Ford haben versucht, das Auto innen schön zu machen, aber irgendwie ist es ihnen nicht gelungen." Auch Gertraud Rietzl (53) findet den Focus "nicht den Hit". Die Bedienung ist umständlich, und die Platzverhältnisse sind allenfalls Durchschnitt. Gleiches gilt für den Honda Civic, bei dem André Clever aufpassen muss, dass sein Kopf und der Türrahmen nicht auf Kollisionskurs gehen. "Wenn man schon schlecht zusteigen kann, dann kann man wenigstens toll klappen", sagt er in Bezug auf die Rücksitze, die sich wie Kinosessel hochklappen lassen. Einmal Platz genommen, verspielt der Civic aber weitere Punkte: Egal auf welcher Höhe man das Lenkrad justiert, die digitale Geschwindigkeitsanzeige wird meist vom Lenkradkranz verdeckt. Das futuristische Cockpit geht zulasten der Bedienfreundlichkeit.

"Unaufgeregt, quasi langweilig, aber irgendwie gut"

Viel besser schlagen sich da die deutschen Premiumhersteller, allen voran der Golf. Das Raumgefühl ist luftig, die Menüführung intuitiv und die Rundumsicht gut. "Er hat keine Fehler", sagt Thomas Fleck, doch wirklich begeistern kann sich keiner aus der Leserjury für den VW. Ulrich Loerts (36) bringt auf den Punkt, was der Großteil denkt: "Der Golf ist unaufgeregt, ja quasi langweilig, aber irgendwie gut." Der Produktmanager, der jeden Tag 50 Kilometer zur Arbeit pendelt, fährt selbst einen Golf V. Dabei sagt er von sich, dass er eher ein sportlicher Fahrer ist und der knackigere Seat Leon viel besser zu ihm passen würde. "Wenn man aber ein sechs Monate altes Baby daheim hat, verschieben sich die Prioritäten. Da darf das Auto ruhig etwas komfortabler federn." Also orderte er einen Golf, der laut Juryurteil kurioserweise den geringsten Kaufanreiz nach dem Civic bietet, aber dennoch die Zulassungsstatistik bei den Kompaktwagen deutlich anführt. Große Konkurrenz bekommt er beim Zehnkampf von seinen Konzerngeschwistern – allen voran dem Skoda Octavia.

Der Sieger fängt an zu punkten

Daumen hoch: Leser Arild Eichbaum ist begeistert vom riesigen Ladevolumen des Octavia.

Kein anderer im Test ist so geräumig wie er. Selbst 1,90-Meter-Männer finden im Fond ordentlich Platz, und auch der Kofferraum begeistert durchweg: "Der Skoda ist das Familienauto. Die riesige Heckklappe ist toll, nur die Stufe, die nach dem Umklappen der Rückbank zurückbleibt, stört", so Bernd Schmidt (55), der dem Octavia in allen Platzfragen volle Punktzahl erteilt. Damit klappt er Kofferraum und Bewertungsbogen zu und beendet Tag eins als Autotester. Was danach folgt, geht in keine Wertung ein, sondern zeigt, wie wichtig funktionierende Technik im und am Auto ist.

Wie fährt es sich eigentlich mit defekten Stoßdämpfern?

Unser Partner ZF, einer der weltweit größten Automobilzulieferer im Bereich Antriebs- und Fahrwerkstechnik, hat zwei aktuelle Golf mit nach Schlüsselfeld gebracht. Ein Modell mit defekten und eines mit intakten Stoßdämpfern sollen zeigen, welche Unterschiede sich im Fahrverhalten ergeben. Mit mangelhaften Dämpfern werden schon ein kleiner Slalomparcours und ein simpler Bremstest zur großen Herausforderung für den Fahrer. Der Grund: Das Auto schwingt beim Bremsen, Beschleunigen und Einlenken nach, verliert leicht die Haftung. Das hinterlässt bleibende Eindrücke bei der Jury.

VW-Technik und viel Auto für wenig Geld – das überzeugt

In die zweite Runde startet der ZF-Praxistest am Sonntag. Die Bewertung auf dem Handlingkurs und der Dynamikfläche steht an. Mit quietschenden Reifen jagt die Jury die Probanden zunächst über die kleine Berg-und-Tal-Bahn, bevor Schleuderplatte und Bremstests dran sind. Technische Schwächen treten hier noch besser hervor als auf öffentlichen Straßen. Wer macht die sportlichste Figur? Der Civic, der äußerlich so einen dynamischen Auftritt hinlegt? Nein. Er sammelt auch in der Kategorie Rennstrecke die wenigsten Punkte. Am besten schlägt sich hier der Audi, bei dem das straffe Fahrwerk und die direkte Lenkung sportlichen Charakter generieren. "Die Meinungen, die sich gestern gebildet haben, ändern sich auch heute nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Sie verstärken sich noch", erklärt Busfahrer Bernd, bei dem Seat Leon, VW Golf und 1er-BMW die Dynamikwertung gewinnen. Der 4,66 Meter lange Skoda Octavia kann hier nicht mithalten, schiebt etwa in schnellen Kurven über die Vorderräder. Einen Nachteil in der Gesamtplatzierung beschert ihm das aber nicht mehr. Mit Bestwerten in der Onroad-Disziplin, im statischen Teil und im Kapitel Kauf macht der Skoda am Ende das Rennen. Geräumiger, komfortabler und günstiger als viele Konkurrenten, bietet er solide VW-Technik und viel Auto für wenig Geld – da ist sich die Jury einig.


Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO TEST 8/2013 oder als Download im Online-Heftarchiv.

Zehnkampf

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Audi A3 Sportback 1.4 TFSI, BMW 116i, Ford Focus 1.0 EcoBoost Start-Stopp, Honda Civic 1.8, Hyundai i30 1.6 GDi, Mercedes A 180, Opel Astra 1.4 Turbo ecoFlex Start/Stop, Seat Leon 1.4 TSI Start & Stop, Skoda Octavia 1.4 TSI Greentec, VW Golf 1.4 TSI ACT Blue Motion Technology

Veröffentlicht:

25.07.2013

Preis:

2,00 €

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