Aktion "Blink mal wieder"

Aktion "Blink mal wieder" Aktion "Blink mal wieder"

Aktion "Blink mal wieder"

— 12.05.2005

Zu blöd zum Blinken

Blinken als Geste der Fairneß ist nicht mehr angesagt. AUTO BILD will diesem gefährlichen Trend entgegensteuern.

Volkskrankheit Nichtblinken

Sie verstecken sich hinter getönten Scheiben in ihren klimatisierten, schalldicht isolierten Kabinen. Sie kommen unauffällig und harmlos daher. Aber sie sind gefährlich und rollen millionenfach über Landstraßen, auf Autobahnen und in der Stadt: Blinkmuffel.

Wie eine hochinfektiöse Seuche, die Lähmungserscheinungen der linken Hand hervorruft, erfaßt diese Volkskrankheit immer mehr Autofahrer. Beim Spurwechesel, beim Abbiegen oder Ausscheren bleibt der Blinkerhebel unberührt. Als Einzelfall ist Nichtblinken eine Bagatelle. In der Masse ist es die Pest. Wer sich dem Heer der Blinkverweigerer anschließt, kommt meist ungeschoren davon. Nur zehn Euro Strafe sieht der Bußgeldkatalog vor.

Obwohl die Straßenverkehrsordnung in bestem Amtsdeutsch den Gebrauch des "Fahrtrichtungsanzeigers" regelt, wird der Tatbestand Nichtblinken fast nie verfolgt. "Das können wir personell gar nicht leisten und widerspräche auch dem Gebot der Verhältnismäßigkeit", sagt Karsten Klenke, Leiter Operative Verkehrsmaßnahmen bei der Polizei Frankfurt/Main. Für den Polizeihauptkommissar ist es in 35 Dienstjahren das erste Mal, daß er gezielt Jagd auf Blinkmuffel macht. Angestoßen hatten die Kontrolle an einer Frankfurter Kreuzung die Initiatoren der Aktion "Blink mal wieder" – AUTO BILD, der Automobilclub von Deutschland (AvD), Skoda Deutschland und der Südwestrundfunk (SWR).

Typisch Ellbogen-Gesellschaft

Wir wollten wissen: Was geht in den Köpfen der Blinkmuffel vor? Oft nicht besonders viel, wie eine kleine Umfrage zeigte (s. Bildergalerie). Zeitstreß, Ignoranz, Gedankenlosigkeit – all das spiegelt sich in den Aussagen der Ertappten wider.

"Die Verweigerungshaltung paßt in den gesellschaftlichen Kontext", meint Alfred Fuhr, Verkehrssoziologe beim AvD. "Wir beobachten ein Aufkündigen der Kommunikation im Verkehr. Es geht nur noch darum, die individuelle Lücke zu finden, sich mit Kampf und Taktik irgendwie durchzuboxen." Mit anderen Worten: Der Glaube ist weg, daß mein Begehr, die Richtung beziehungsweise die Fahrspur zu wechseln – ausgedrückt durchs Blinken – bei anderen auf Resonanz stößt.

So hat sich die Bedeutung des Blinkzeichens gewandelt: von der Absichtsbekundung ("Ich möchte fahren!") zum reinen Vollzugssignal ("Ich fahre jetzt!"). Keiner sagt mehr "Bitte". Keiner will sich mit der devoten Geste des Blinkens dem Verdacht der Unterwürfigkeit aussetzen. Das hat auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) vor kurzem trefflich glossiert und eine besondere Spezies Autofahrer ausgemacht: den Blinkzieher. "Das sind solche", so die FAZ, "die mit ein und derselben Handbewegung den linken Blinker setzen und sogleich auf die Überholspur ziehen, als hätte ihnen allein schon das kurze Aufzucken des gelben Lichts ein Anrecht darauf verschafft."

Im Stadtverkehr blinkt nur jeder dritte

Wie groß das Heer der Nichtblinker inzwischen ist, hat der Frankfurter Sozialforscher Bastian Roet untersucht und dafür mehr als 10.000 Spurwechsel ausgewertet. Ergebnis: Im Stadtverkehr blinkt manchmal nur jeder dritte. Fahrer von Sportwagen und Oberklasseautos blinken besonders selten. Frauen blinken in der Stadt viel disziplinierter als Männer.

Eine Umfrage der DA Direkt Versicherung zur Blinkmoral bestätigt die (nach)lässige Haltung vieler Deutscher. Nur 55 Prozent gaben an, immer zu blinken. 37 Prozent nannten als Grund fürs Nichtblinken, daß die Verkehrssituation eindeutig sei. Fragt sich nur: für wen?

In Raisdorf bei Kiel stellte der Bürgermeister aus Verzweiflung über die vielen Blinkmuffel 2003 eine selbstentworfene Hinweistafel am örtlichem Kreisel auf. Der Verkehr lief fortan flüssiger – doch nun muß das Schild wieder weg. Was die StVO nicht kennt, darf nicht sein, entschied das Verwaltungsgericht Schleswig. Immerhin: ein klares Signal.

Blinkmuffel – was sind das für Typen?

Der Entrückte: Zwischen ihn und den Rest der Welt, all die Unwichtigen, hat sich die Innenausstattung seines Oberklassefahrzeugs geschoben. Während er auf den von ihm bezahlten Autobahnen von Termin zu Termin gleitet, plant er – vernetzt via Bluetooth-Headset – seinen nächsten Coup. Er fliegt auf einem elektronischen GPS-Leitstrahl mit Hilfe der künstlichen Navigationsstimme sicher, komfortabel, eingebettet in seine virtualisierte Wahrnehmung. Wer braucht da noch die reale Welt – oder einen Blinker?

Der Getarnte: Er hat gelernt, trotz bescheidener Fahrleistungen seines Fahrzeugs, selbst im Kleinwagen stets den strategischen Vorteil im Auge zu behalten. Seine Taktik: Tarne deine wahren Absichten, verwirre den Feind und überrasche ihn mit einem plötzlichen Spurwechsel. Dann bleibst du immer Sieger. Also: rechts antäuschen, links rausziehen – zurück bleibt die überlistete Masse. Nur Looser bitten mit einem demütigenden Blink-Zeichen um die Gunst, ausscheren zu dürfen.

Der Lässige: Er beherrscht das Auto wie sein Surfbrett und rauscht mit lässigem Schwung auf der Verkehrswelle durch die Innenstadt. Den spießigen, einengenden, seine Entfaltung bremsenden Regeln der Führerscheinausbildung hält er seine Philosophie des Surfens auf dem Mahlstrom des gewöhnlichen Verkehrs entgegen: "Seht her, so geht es doch viel leichter, ihr müßt nur schnell und zielsicher mitschwimmen." Fische haben keine Blinker, Wellen keine Fahrspuren, und ich bin frei. Hang loose!

Der Suchende: Ob Kaffeetafel bei Mama oder Termin beim Arzt – das Ziel fest vor dem geistigen Auge, blendet der Suchende – oder meist die Suchende – alle andere Verkehrsteilnehmer aus. Alle! Mal schleichend, mal zackig geht es mit Tunnelblick vorwärts. Plötzlich taucht dann die gewünschte Einfahrt oder Abzweigung auf und – schwupps! – wird abgebogen. Aus der Sicht der Suchenden völlig okay. Wo es keine anderen Autofahrerer gibt, braucht man ja nicht wirklich zu blinken ...

Machen Sie mit! Gleich hier!

Wollen Sie mit guten Beispiel vorangehen und bei der Aktion "Blink mal wieder" dabeisein? Dann bekennen Sie Farbe und holen Sie sich den kostenlosen Aktionsaufkleber. Einfach das untenstehende Formular ausfüllen und abschicken!

Die Aufkleber bekommen Sie außerdem bei Ihrem Skoda-Händler, bei Skoda Auto Deutschland (Brunnenweg 15, 64331 Weiterstadt), unter www.skoda-auto.de oder unter www.avd.de.

Autor: Matthias Moetsch

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