Aktion "Entdecke Deutschland"

Eine Reise ins Gestern Eine Reise ins Gestern

Aktion "Entdecke Deutschland"

— 11.07.2002

Eine Reise ins Gestern

Märchenschloss, Kaiserburg, Römerfunde: 200 Kilometer führt die Schwäbische Albstraße in die Vergangenheit. Und zur Gelassenheit.

Beim Kutscher kommt Stress nicht auf

Diese innere Ruhe ist fast unheimlich. Keine Ahnung, wie Hartmut Reiser (48) das schafft: Vielleicht sind es seine gütig blickenden Augen, die dieses Gefühl von absoluter Gelassenheit vermitteln. Möglicherweise ist es auch seine tiefe Stimme, die sich ihren Weg durch den geschwungenen Schnurrbart bahnt. Oder es liegt an seinem Beruf, bei dem Hektik sowieso nichts bringt. Auf jeden Fall färbt Reisers Ruhe ab. Fünf Minuten mit dem Kutscher von Lichtenstein reichen, um selbst ruhig zu werden. Den Mann sollte es auf Rezept geben.

Irgendwie ist das typisch für eine Urlaubsfahrt entlang der Schwäbischen Albstraße, eine Art Reise ins Gestern: Trubel gibt es woanders. Auf der rund 200 Kilometer langen Ferienstraße über die Schwäbische Alb, vorbei an Wacholderheiden, Bergkuppen, Fachwerkhäusern und Burgen bis zum Abwinken, hat Hektik keine Chance. Bei Kutscher Reiser schon gar nicht. "Ich habe Zeit." Das ist einer seiner häufigsten Sätze. Ein anderer lautet: "Es war damals die richtige Entscheidung." Denn der Mann hat ein Vorleben ganz anderer Art: Er war Macher. Entscheidungsträger. Ein Manager.

Als Chef einer Haustüren-Firma stand Reiser unter Dauerdruck. Bis er vor zwei Jahren ausstieg, vom Jaguar auf einen ruhigeren Dienstwagen wechselte: Neupreis 10.000 Euro, Spitzengeschwindigkeit sieben km/h, Verbrauch etwa 20 Kilo Hafer-Gerste-Gemisch auf 100 Kilometer. Treibstoff für die ebenfalls seelenruhigen Pferde Sarah (6) und Nelly (4), mit denen Reiser Touristen rund um das märchenhafte Schloss Lichtenstein kutschiert, ihnen die Natur erklärt und trotz kargerem Einkommen glücklicher ist. Von wegen "schaffe, schaffe ..."

Auf den Spuren der Römer

Lichtenstein, das 1842 fertig gestellte und einer Ritterburg aus dem Mittelalter nachempfundene Schloss, liegt etwa auf der Hälfte unserer Reise ins Gestern. Begonnen hat sie in Aalen, im Limes-Museum. Und mit Geschichte zum Anfassen. Oder, na ja, eher zum Anziehen. Simon (10), Grundschüler aus der Nähe von Ulm, trägt hier gerade die ganze Last eines römischen Soldaten: Das Kettenhemd wiegt zehn Kilo, den Schild kann der Junge alleine kaum halten. Insgesamt 40 Kilo, erfährt der Schüler am eigenen Leib, schleppten die Soldaten mit sich herum, wenn sie die 550 Kilometer lange Germanengrenze – den "Limes" – zwischen Rhein und Donau verteidigten.

"Krass", finden das Simons Mitschüler. Aber noch viel krasser, dass die Römer keine Unterwäsche getragen haben sollen. Aber das müssen die Kinder jetzt unter sich ausdiskutieren, unsere Zeitreise geht weiter. Nach Nördlingen zum Beispiel, der mittelalterlichen Stadt mit der imposanten Stadtmauer. Zu einem Abstecher ins Märklin-Museum in Göppingen mit seinen zum Teil über 100 Jahre alten Modellzügen. Zur Burg Hohenzollern, dem Stammsitz des gleichnamigen Geschlechts, aus dem die letzten deutschen Kaiser stammten. Ins Freilichtmuseum bei Tuttlingen.

Und vor allem: ins Automuseum von Engstingen. Über 100 Wagen aus den 50er Jahren umfasst die Privatsammlung von Martin Sauter. Bis auf den Adenauer-Mercedes von 1951 keine unerreichbaren Träume, sondern der damalige automobile Alltag. Und mit verblüffender Wirkung: "Wir haben es aufgegeben, Führungen zu veranstalten", sagt Museumsleiter Siegmund Endriß (56), "die Besucher entdecken das Auto, das sie damals selbst gefahren sind, und bleiben dran hängen." Wie das Rentnerpärchen, das gerade sein erstes Motorrad entdeckt, eine Triumph BDG 250. Eine kleine Ewigkeit bleiben die beiden 75-Jährigen lächelnd vor der Maschine stehen. Sie scheinen sie auch gefunden zu haben – diese tiefe innere Ruhe.

Tipps und Adressen

Infos & Adressen • Tourismusbüro Schwäbische Alb Tourismusverband Marktplatz 172574 Bad Urach, Tel. 07125-94 8106, Fax 07125-94 8108 www.schwaebischealb.de

Kinderparadies • Freizeitpark Traumland, 72574 Sonnenbühl, Tel. 07128-2158, Fax 07128-13 60, Freizeitpark auf der Bärenhöhle, u. a. mit Kinderautos

Modellmuseum • Märklin-Museum Holzheimer Straße 8, 73037 Göppingen, Tel. 07161-6 08-2 89 www.maerklin.de/museum Geöffnet Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr, an Sonn- und Feiertagen geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Essen & Trinken • Altes Forsthaus Chef Berthold Göhrum kocht schwäbische und internationale Gerichte für fünf bis zehn Euro. Dazu ein sensationeller Ausblick ins Tal. Altes Forsthaus Lichtenstein, 72805 Lichtenstein, Tel. 07129-2440 • Hirsch Feinschmeckerküche (mit regionalem Schwerpunkt). Im Dorf 12, 72820 Sonnenbühl-Erpfingen, Tel. 07128-9 2910

Touren-Tipps für Rad- und Autofahrer • Neben der Schwäbischen Albstraße führen fünf weitere Motorrouten über die Alb (z. B. Limesstraße, Hohenzollernstraße). Infos: Schwäbische Alb Tourismusverband, Adresse und Telefon s.o.

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