Aktion "Helfen – ja sicher!"

Helfer des Monats Helfer des Monats

Aktion "Helfen – ja sicher!"

— 11.04.2003

Die Jugend von heute ...

... ist lebensrettend. Wie sechs junge Männer Oma und Opa vom Bahngleis holten, die sich "verfahren" hatten. Und so zu 5000 Euro kamen.

Rechts ab – direkt auf die Gleise

Sie wollten noch was Spannendes im Fernsehen gucken. Deshalb waren sechs Freunde, die sich am Sonntagabend beim Griechen getroffen hatten, jetzt schon auf dem Weg nach Hause. Kurz vor 20 Uhr, am 23. März, fuhren die zwischen 17 und 23 Jahre jungen Männer in zwei Autos hintereinander durchs Mainzer Hügelland. Sie ahnten nicht, dass sie in wenigen Minuten erleben würden, was sie bislang nur aus Filmen kannten. Und dass sie dabei selber die Rolle der Retter spielen würden. Ganz ohne Drehbuch.

Vielleicht hat geholfen, dass vier von ihnen bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, vielleicht war's einfach Instinkt. Also: Michael fährt voran. Vor ihm zuckelt ein silberner Mercedes-Benz C 180 mit 50 km/h. Michael überlegt, ob er überholen soll, lässt es aber, weil gleich der Nackenheimer Bahnübergang kommt. Die Straße macht dort eine Biegung, erst nach links, dann nach rechts auf die B 9. Doch auf diesem Bahndamm steuert der Mercedes vor ihm tatsächlich scharf nach rechts – direkt auf die Gleise! Er hoppelt auf den Schienen etwa 20 Meter weit, bevor er hilflos stecken bleibt.

Michael hält auf der anderen Seite des Bahndamms. Inzwischen blinkt rotes Licht. Das Signal ist eindeutig: Ein Zug naht. Das zweite Auto mit Andreas am Steuer kommt gerade noch rüber, bevor die Schranken endgültig schließen. Im Mercedes sitzen zwei Personen. Und bleiben sitzen. Die jungen Männer rennen hin, klopfen wie wild an die Scheiben und rufen: "Sie müssen raus, Sie müssen raus!" Der Fahrer ist ein alter Mann, er sagt: "Es dauert einen Moment."

Milli kann ihren Mann nicht warnen

Mühsam hebt er sein Bein an, kann sich nur langsam bewegen. Zu langsam. Ulrich und Michael tragen ihn zum Parkplatz. Andreas hat inzwischen per Handy Rettungskräfte verständigt. Er vermutet, der Mann könnte einen Schock haben, weil er sich so seltsam bewegt. Sie setzen den alten Herrn auf eine Decke, Andreas spricht mit ihm. Da weiß er noch nicht, dass Hans M. 90 Jahre alt ist. Ein pensionierter Finanzbeamter, der zehn Jahre lang Flieger war, bis er im Zweiten Weltkrieg ein Bein verlor. Dass er seitdem zwei Gehhilfen oder einen Rollstuhl braucht.

Hans M. will in diesem Augenblick nur eines wissen: ob seine Frau in Sicherheit ist. Milli M. (85) benötigt ebenfalls eine Gehhilfe, seit sie vor 24 Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte. Sie war halbseitig gelähmt, konnte nicht sprechen. Ihr Mann sagte damals: "Du bist für mich da gewesen, jetzt bin ich für dich da."

Er lernte kochen, er trainierte mit ihr das Sprechen, wohl 1000-mal das A und dann das O und das U und so weiter. Milli M. denkt schnell wie immer, aber die Sätze kommen zäh und manchmal nur in Fetzen nach außen. Deshalb konnte sie ihren Mann vorhin nicht sofort warnen: "Du biegst ja falsch ab!", obwohl sie es registrierte. Als er es merkte, versuchte er, rückwärts zu fahren. Aber das Auto lag auf den Schienen auf, die Reifen griffen nicht mehr. Und dann kamen ja auch schon die jungen Leute.

"Das sind wirklich besondere Jungs!"

Zwei von ihnen, Marcel und Christopher, holen die Frau aus dem Auto, reden beruhigend auf sie ein, obwohl ihre Herzen rasen. Milli M. nimmt noch Stock und Handtasche, dann heben Marcel und Christopher sie über Schotter und Böschung auf die andere Seite des Bahndamms. Benjamin versucht noch kurz, den Mercedes wegzufahren – vergeblich. Mittlerweile stehen einige Autos vor den Schranken, Leute Leute steigen aus, wollen ebenfalls helfen. Der Rock von Milli M. verfängt sich in Dornen. Gerade, als sie befreit ist, ertönt die Hupe des ICE Köln–Stuttgart wie ein lautes Nebelhorn.

Milli sinkt auf den Beifahrersitz eines der Autos. Der Zug bremst von 120 auf 40 km/h runter, lautes Quietschen mischt sich mit dem Warnsignal bis zum Aufprall: Der ICE drückt den Kofferraum runter, das Auto geht in die Knie, die Vorderachse hebt ab und schlägt wieder auf. Millis erster Gedanke (sie weiß ja ihren Mann in Sicherheit): Hoffentlich passiert den Leuten im Zug nichts! Zum Glück bleibt es bei zerfetztem Blech: 4000 Euro Schaden am ICE, 30.000 Euro insgesamt.

Bis heute liegt es Milli M. auf der Seele: "Ich möchte auch dem Zugführer danken." Erst nach Stunden begreifen die Eheleute, in welcher Gefahr sie selbst geschwebt haben. Bei ihren Rettern bedanken sie sich Tage später mit einer Einladung auf ihr Zimmer im Seniorenheim. Da haben sie auf das große Glück im Unglück angestoßen. "Das sind wirklich besondere Jungs", schwärmt Hans M. Und die meinen, es sei nicht ihr letzter Besuch gewesen: "Faszinierend: 90 Jahre alt ist Herr M., was der alles erlebt hat und noch erzählen kann ..." Unsere "Helfer des Monats" strahlen. Sie bekommen zurzeit Schulterklopfen von allen Seiten. Eine gute Tat ist eben mit der Rettung nicht vorbei.

6000 Euro jeden Monat: Lohn für die gute Tat

Menschlichkeit zeigen und gewinnen: Dem "Helfer des Monats" winken Monat für Monat 5000 Euro. Und wer den richtigen Tipp für den Schutzengel des Monats gegeben hat, wird ebenfalls belohnt: Ihm flattern 1000 Euro ins Haus. Ende 2003 wird aus allen Monatssiegern der "Helfer des Jahres" gekürt. Sein Preis: ein neuer Opel Meriva im Wert von knapp 18.000 Euro.

Schreiben Sie an: Redaktion AUTO BILD, Stichwort: "Helfen – ja sicher!", Brieffach 39 10, 20350 Hamburg oder per Mail an helfer@autobild.de. Einsendeschluss: der letzte Kalendertag des jeweiligen Monats.

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